Dienstag, 28. April 2009

The Pest is back: Ein Unglück kommt selten allein.


„Ein neuer Grippevirus mit dem "Potential einer Pandemie" ist in Mexiko aufgetaucht. Brisant ist dessen Ähnlichkeit zur Spanischen Grippe, die Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu 50 Millionen Menschen das Leben kostete. Ob die aktuelle "Schweinegrippe" H1N1 auch nur annähernd so gefährlich ist, steht allerdings noch nicht fest.“ schreibt heute Spektrum-direkt.

Der Virus verbreitet sich erstaunlich rasch, nach wenigen Tagen ist er bereits in Europa angelangt. Drei Verdachtsfälle gibt es jetzt auch in Süddeutschland. Eine konkrete Hoffnung gibt es aber: Der Erreger hat bisher nur in Mexiko Todesopfer gefordert, und zwar rund 10% der Infizierten, ein heftiger Blutzoll. Möglicherweise deswegen, weil in den angelsächsischen und europäischen Ländern bereits Resistenzen gegen diesen Subtyp bestehen.

Verblüffend ist jedoch die enorme genetische Ähnlichkeit des Erregers mit der spanischen Grippe, die von 1918 bis 1920 weltweit mehr Menschen dahin raffte, als der Erste Weltkrieg und die damalige Wirtschaftskrise selbst. Auch das Entstehungsgebiet scheint das gleiche zu sein: Obwohl der Name eine Entstehung in Spanien suggeriert, konnte der Ursprung der tödlichen Grippewelle vor 90 Jahren bis nach Kansas/USA zurückverfolgt werden. Kansas liegt etwas nördlicher als Mexiko, jedoch konnte nach so langer Zeit nicht mehr geklärt werden, ob es nicht vorher schon Fälle gegeben hatte. Es scheint daher, als schöpfe der Virus aus demselben Reservoir.

Diese gefährlichen Grippetypen sind Mischformen aus Menschenviren und Tierviren, hier speziell der Haustiere Geflügel und Schweine. Lebt der Mensch mit solchen Tieren zusammen, so können hier Mutationen ausgetauscht werden. Im schlimmsten Fall, wie jetzt im Gegensatz zur letzten Vogelgrippe, mutiert der Mischvirus soweit, dass er auch ohne Tierkontakt von Mensch zu Mensch übertragen wird. Genau wie bei der klassischen Pest, die ebenfalls eine Zoonose ist und ganz ähnliche Entwicklungsstadien durch macht, bis sie von der Tierkrankheit zur Pandemie wurde.


Gott sei Dank sind wir heute besser gerüstet, wir kennen den Erreger, haben Virushemmer gebunkert, und ein gut funktionierendes Gesundheitssystem. Impfstoffe gegen den Erreger der Mexikanischen Grippe wird es vermutlich in drei bis sechs Monaten geben. Das ist aber auch nötig: Die spanische Grippe vor 90 Jahren verlief nämlich in drei großen Wellen, die tödlichste war dabei erst die Zweite. Aber auch wenn die aktuelle Grippewelle nicht so gefährlich sein sollte, die Kolateralschäden sind nicht klein. Man stelle sich nur vor, dass die Hälfte der Bevölkerung für mehrere Wochen mit Grippe im Bett liegt, die Arztpraxen überquellen und die Kapazitäten der Krankenhäuser gesprengt werden, Schulen und alle Gemeinschaftseinrichtungen schließen und das Wirtschaftsleben zum Erliegen kommt.

Die Warnstufe 4 der WHO ist daher nicht übertrieben, man muss nun alles tun um eine flächendeckende Ausbreitung zu verhindern. Pandemien sind die große Herausforderung des neuen Jahrhunderts, neben der Klimakatastrophe und den Systemkrisen. Denn Voraussetzung für deren Entstehung und Ausbreitung ist Armut, Dreck, Bevölkerungsdichte und Bewegungsfreiheit.

Für alle vier Bedingungen haben wir ja inzwischen gut gesorgt.

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