Dienstag, 19. April 2011

Das Drehbuch der Geschichte...


...ist manchmal so simpel wie der Plot eines miesen „Schlage-tot-“Films. So vorhersagbar wie die nächste Action von Bruce Willis, so absehbar sind die nächsten Schritte in der Finanz-, oder inzwischen besser, Weltkrise. Das Griechenland nicht zu retten ist, war jedem der einen Taschenrechner bedienen kann, von Anfang an klar. Trotzdem wurde es vehement dementiert, und wird auch jetzt noch von ein paar Knallchargen des laufenden Films geleugnet.

Dito natürlich die anderen Pleitekandidaten, zur Übung darf sich jeder diese selbst auf zählen. Und die sollen nicht entschuldet, sondern nur, vorwiegend auf die BRD, umgeschuldet werden. Und damit auf den deutschen Pausenclown und Steuerzahler, dem man nun genüsslich das Fell bis weit über beide Ohren zieht. Das lustige daran ist, er merkt es nicht wirklich, er hält es für zusammenhanglosen Zufall. Wenn Krankenkassen Pleite gehen interessiert das kaum einen aus dem geneigten Auditorium, dagegen die drohende Insolvenz privater Gläubiger sofortige großzügige Reaktionen der Merkeltruppe generiert.

Zu den nächsten Akten der Tragikomödie zählt die absehbare Desintegration eines der wichtigsten Knallchargen des Films, der EU. Denn, „Bravo, Bravo,..!!“ die Isländer und jetzt auch die Finnen, bislang unbeachtete Randfiguren des komischen Dramas, wollen aus der Umschuldungsorgie aussteigen, und verweigern möglicherweise die Befüllung des Freibierfasses für private Schuldner. Aber auch sein dramatischer Konterpart weiss, wie man sich die Gunst des vergnügten Publikums gewiss sein kann, und eifert dem voraus. Die USA mag dem nicht nach stehen und gibt nun den nächsten „griechischen“ Schurken. Natürlich eine ganz dicke Nummer größer, versteht sich.

Damit das ganze einen ordentlichen Climax bekommt, läuft natürlich alles auf einen dramatischen Höhepunkt zu, wo die Männer Helden und die Frauen heilige Seelen sein dürfen, und sich am Ende die Überlebenden der neuen Ordnung in die Arme fallen. Bevor das passiert, wird aber noch der rote Schurke dazwischen fahren, aber, pssst....., das ist noch ein Geheimnis!

Zwischen durch gibt es ab und an einen der lustigen „running gag's“, so wenn wieder der gagige TepCo-Clown kommt, der ab und an eine kleine Explosion produziert oder wieder mal eine grünschimmernde Brühe von links nach rechts durchs Bild pumpt. Eine Gefahr für irgendeinen der Zuschauer besteht oder bestand dabei aber zu keiner Zeit, Klaro! Während dessen hat der Weltenbrand genügend Gelegenheit an Fahrt aufzunehmen, während den stümpernden Akteuren die Munition schon auszugehen droht. Nostradamus hätte seine Freude daran gehabt.

Wie in jedem guten Hollywood-Schinken agieren Regie und Produzent im Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung und bleiben dem zahlenden Publikum weitgehend unbekannt. Denn wie jeder Film ist das Drehbuch der Geschichte nicht nur ein Kunstprojekt, sondern vorallen Dingen ein ökonomisches Produkt. Und da geht es eben nicht so sehr um die gefeierten Knallchargen auf der Leinwand, sondern vorwiegend um die Rendite der Geldgeber.

Wie das Drehbuch der Geschichte funktioniert, darüber konnte ich Anfangs des Monats vor Finanzfachleuten zwei Vorträge halten, deren Kopie Sie unter Vortrag I und Vortrag II ansehen können. Die Folien sind zwar zum Teil selbsterklärend, aber nicht ganz. Daher werde ich in der kommenden Zeit noch einige Beiträge zur Erläuterung verfassen.

Kommentare:

  1. Der in Ihren Vortraegen dargelegte Ansatz ist ein hoch interessanter Ansatz! Ich hoffe nur, Sie haben sich gut ueberlegt, mit wem Sie sich bei den sog. Finanzfachleuten einlassen und was Sie bei denen erreichen wollen und wichtiger noch, realistisch erreichen koennen, bevor das Luegengebaeude als solches entlarvt und eingerissen ist. Oder anders ausgedrueckt, Otto Hahn war auch Physiker. Wiederholen Sie bitte nicht seinen Fehler.

    Frohe Ostern und Sapere Aude!
    Georg Trappe

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  2. Hallo Hr. Trappe,

    nun, die Finanzbranche hat zur Zeit einen denkbar schlechten Ruf, und natürlich ist sie auch zum größten Teil selbst daran schuld. Und das die bisherigen volkswirtschaftlichen Modelle durchweg nicht stimmen, ist aber sogar dem IWF schon aufgefallen.

    Das sich neue Ansätze nicht so schnell durchsetzen ist indess klar, denn wie schon Planck sagte: Neue Ideen setzen sich fast nie durch Überzeugung der Anhänger der alten durch, sondern dadurch, das die Alten langsam aussterben.

    Tragisch ist nur, das man erfahrungsgemäß mindestens 10 Jahre braucht um einen wissenschaftlichen Umbruch anzustoßen, die jetzt natürlich mit der faktisch begonnenen größten Krise der Menschheitsgeschichte einhergehen. Trotzdem nimmt die Anzahl derer, die in realistischen statt lobbyistischen Dimensionen denkt, stetig zu. Insbesondere an den Unis, wo man nicht so sehr dem (Finanz-)tagesgeschäft verbunden ist.

    Ob es noch reicht, das Ruder im letzten Moment wenigstens noch etwas in die richtige Richtung zu lenken, nunja, das muss man einfach mal sehen.


    Beste Grüße, Heribert Genreith.

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  3. Wenn ich mal fuer den Moment meine pessimistische Sicht der ethischen Voraussetzungen bei sog. Finanzfachleuten (auch angehenden) vergesse, dann moechte ich Sie auf ein Problem aufmerksam machen, an das Sie bei Ihrem Ansatz wahrscheinlich auch stossen werden. Es entsteht dadurch das die Waren- und Leistungsstroeme in Rechnungseinheiten=Euro ausgedrueckt werden. Die "Bewertung" ist aber nicht zeitinvariant sondern dynamisch nichtlinear und finet durch die Maerkte statt, die nun leider auch nicht so funktionieren, wie die Mainstream Oekonomik uns glauben machen moechte. Ich habe das mal versucht hier
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/03/warum-maerkte-nicht-funktionieren.html
    und hier
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/04/warum-maerkte-nicht-funktionieren-teil.html
    darzulegen. D.h. Sie werden, wenn Sie die Bewertung realistisch mit einbeziehen wollen einen dynamisch nichtlinearen Term dafuer ins Spiel bringen muessen, der Sie dann dorthin fuehrt, wo ich seit einiger Zeit nicht weiter komme. Naemlich in den Solution Morass;
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2010/12/solution-morass.html
    Ich moechte Sie damit nicht entmutigen, sondern auf ein schwerwiegendes Problem aufmerksam machen, das meiner Meinung nach, wenn ich Ihren Ansatz richtig verstanden habe, bei der Modellbildung auftauchen wird, sobald Sie sich die Frage stellen, wie die Preise=Bewertung der Waren und Dienstleistungsstroeme zustande kommt, in der diese ausgedrueckt werden.
    Mit freundlichen Gruessen
    Georg Trappe

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  4. Hallo Hr. Trappe,

    ich habe mir Ihre Links einmal angesehen, und möchte hier nur ein paar kurze Bemerkungen dazu machen (insgesamt wäre eine Diskussion hier allerdings erheblich zu lang, dass können wir ggf. per Mail machen):

    Link …./2011/03/warum-maerkte-nicht-funktionieren.html

    Ist grundsätzlich o.k., aber der Zusammenhang Modellbildung und Realität muss gefittet werden, das kommt in Ihrem Modell leider (noch) zu kurz. Kann man aber grundsätzlich machen, ich würde dabei aber statt der Regelkreismethodik eine mathematisch elegantere DGL-Methodik vorschlagen. (Das lässt sich mathematisch leicht in einander überführen).

    Link …./2011/04/warum-maerkte-nicht-funktionieren-teil.html.

    Natürlich ist das Verhältnis zwischen Real- und Finanzwirtschaft vom Typus eines Räuber-Beute-Modells. Und Richtig, auch das DMWM ist so ein Räuber-Beute-Modell! Das kann man auch sofort sehen, indem man es einfach mal über den Punkt BIP=0 hinaus weiter laufen lässt. Dann oszillieren nämlich Kapitalstock und BIP phasenverschoben um die Nulllinie herum. Allerdings sind Lösungen mit BIP oder Kapitalstock kleiner Null nicht mehr von realer, sondern nur noch von theoretischer Bedeutung.

    Link …./2010/12/solution-morass.html

    Nichtlinearität ist für die FEM-Methode, die eine technische Näherungsmethode ist, tatsächlich ein grundlegendes Problem. Für die allgemeine Analytik aber nicht! Da ist es nur ein (erhebliches) praktisches Problem, da nichtlineare DGL-Systeme notorisch schwierig zu lösen sind. Was eben genau der Grund für die Anwendung der FEM Methode ist, denn mit der analytischen Lösung eines 3D-Problems der Hydrodynamik (z.B. Flugzeug) wäre man analytisch heillos überfordert.

    Die zitierte mathematische Kritik bezieht sich daher zunächst mal nur auf die wirklich heftigen Probleme bei der Lösung aerodynamischer Fragestellungen. Und die sind in der Tat bei weitem komplexer als die vergleichsweise simple Technik der Volkswirtschaft, ergo Kapitalwirtschaft.

    Was allerdings stimmt: Die bisherigen Modelle der Wachstumstheorie der VWL waren alle singulär und aus ingenieurtechnischer Sicht gesehen Grotten schlecht.

    Mit besten Grüßen, Heribert Genreith.

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  5. Hallo Herr Genreith,

    vielen Dank, dass Sie sich die Muehe gemacht haben und meine Gedanken zum Thema genauer unter die lupe genommen haben. Vielen Dank auch fuer Ihre Bereitschaft, eine detailiertere Diskussion per Email zu fuehren. Darauf werde ich in den naechsten Tagen gerne zurueck kommen, denn ihrer fundierten Erwiderung (s.o.) entnehme ich, dass Sie wissen, wovon Sie reden. Das ist leider, wenn es um die Anwendung wissenschaftlicher Methode und mathematischer Verfahren im bereich Wirtschaft geht, leider keine Selbstverstaendlichkeit.
    Mit freundlichen Gruessen
    Georg Trappe

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