Mittwoch, 14. März 2012

Hurra, wir leben noch!

Wir leben in einer Zeit, in der jeder Lichtschimmer am Horizont mit der aufgehenden Sonne identifiziert wird. So ist Deutschland nach wie vor extrem Export stark, sogar viel stärker als es die Statistik des Ifo-Instituts ausdrückt: China liefert 10,9%, die USA 8,4% und die BRD „nur“ 8,3% und belegt damit nun mehr den dritten Platz. Aber rechnen wir doch einfach mal auf die Einwohnerzahl um, sagen wir pro 100 Millionen. Dann liegt Deutschland bei weitem vorne, mit 10,15 % per 100 Mio. Einw., aber die USA folgen bereits weit abgeschlagen mit nur 2,70 %p100ME. und China firmiert hier unter ferner liefen mit nur 0,81 %p100ME. Da relativiert sich das also schnell. Man sollte sich dieses Verhältnis vor Augen halten, denn es besagt mehr darüber, wie stark eine Volkswirtschaft im Export tatsächlich ist.

Trotz dieser rosigen Zahl ist die deutsche Industrie alarmiert: Denn der Exportanteil hat im letzten Quartal bedenklich abgenommen: „...Die Entwicklung ist ein herber Dämpfer für die umjubelte deutsche Exportindustrie: Sie zeigt, wie abhängig Deutschlands Wirtschaft trotz wachsender Schwellenlandanteile nach wie vor von den europäischen Absatzmärkten ist. Rund 60 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in die EU. So konnte sich Deutschland 2011 trotz eines beachtlichen Exportbooms über Monate hinweg den Rang des Vize-Exportweltmeisters nicht zurückerobern. Dieser war 2010 an die USA verloren gegangen. Erst 2009 hatten die Chinesen Deutschland als weltgrößten Exporteur abgelöst. ...Dieses Problem könnte sich 2012 noch verschärfen. In Italien, Spanien und Portugal drohen stärkere Wachstumseinbrüche als 2011. Für alle drei Länder rechnen einige Ökonomen mit Rückgängen von mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Auch in Griechenland dürfte die Rezession dramatischer werden..

Ursache dafür sind natürlich die „Sparanstrengungen“, die durch die Hintertür des Volkswirtschaftlichen Kreislaufs zu Verlusten in praktisch gleicher Höhe führen: „...Nach Schätzungen der Berenberg Bank nimmt die Belastung der Wirtschaft durch die Sparanstrengungen deutlich zu. So dürfte etwa in Italien das konjunkturbereinigte Staatsdefizit um 2,9 Punkte sinken, nach 0,8 Punkten 2011. Dieser Wert zeigt, wie engagiert ein Land spart. Das könnte die Rezession verschlimmern - und die Nachfrage nach deutschen Waren weiter mindern.“ Die BRD ist dafür besonders empfindlich, da sie 44% des BIP's (Export: 1125 Mrd.€) mit dem Export verdient. Und dieser Anteil ist in den USA deutlich geringer (1480 Mrd. $, ca. 10%), und ja selbst in China beträgt er deutlich weniger (ungefähr 15% bis 20%).

Die BRD lebt somit auf der Spitze des Eisbergs. Einerseits darf sich Deutschland darüber freuen, zur Zeit die spezifisch stärkste Wirtschaftsnation der Welt zu sein. Und der Bundesbürger lebt auf dem Eisberg immerhin deutlich besser als auf der Titanic, die wir gerade der Länge nach aufgeschlitzt haben. Allerdings wehe, wenn der Eisberg unter uns, der das alles konsumieren muss was wir produzieren, nachhaltig wegschmilzt. Und das taten schließlich schon alle Eisberge der Geschichte, auch derjenige der die Titanic versenkte. Und da wäre schon viel mehr geschmolzen, wenn man nicht die EU-Südländer kräftig bei uns anschreiben ließe. 

So sind die Target2-Salden in den wenigen Tagen seit meinem letzten Bericht um sagenhafte weitere 50 Mrd-Euro Miese für die Bundesbank, und damit für den Staatsbürger, angestiegen. Geht das in dem Tempo weiter, dann stehen die schwachen EU-Länder bis zur Wahl 2013 mit jenseits der 1000 Mrd. Euro, oder was nicht weniger ist aber besser klingt, mit einer satten Billion bei uns in der Kreide. Die Rettungspakete an Griechenland verschwinden da dann schon als Marginalie. Schon jetzt hat der Chef der Bundesbank deswegen die Zahlungen des Bundesbankgewinnes an Schäubles Ministerium drastisch gekürzt. Wegen erhöhter Risikorückstellungen versteht sich, erstmals 4,1 Mrd. Euro, und das sind im wesentlichen die Zinsdifferenzen für die im Januar noch „nur“ 498 Mrd. € Außenstände der Bundesbank. Tendenz vehement steigend, der jeweils aktuelle Wert kann bei der Bundesbank eingesehen werden: 

Forderungen der Bundesbank aus TARGET2Betrag: 547.046.716.690 Euro (Stand: 29. Februar 2012)“.

Zwar hat man mit dem letzten Griechenlandpaket erst mal Pressluft aus dem schlimmsten EURO-Desaster genommen, aber damit gewinnt man nur ein bisschen Zeit, maximal bis über die Wahl 2013 hinaus. Spätestens dann ist man wieder da, wo man vor kurzem aufgehört hat: “Pleite in Zeitlupe geht weiter“, titelte etwa ntv-online und führt weiter aus: „...Auch die Märkte trauen Griechenland nach der Umschuldung weiter nicht über den Weg: Die Renditen der neuen Staatsanleihen, die Griechenland im Tausch gegen seine alten Verbindlichkeiten ausgeben will, haben gleich an ihrem ersten Handelstag schwindelerregende Höhen erreicht und damit die Angst der Anleger vor einem Staatsbankrott in der unmittelbaren Zukunft widergespiegelt. So lagen die Renditen von Anleihen mit kürzeren Laufzeiten über denen mit langen Laufzeiten. Die 2023 fällig werdenden Anleihen rentierten mit über 19 Prozent, die 2042 fälligen Papiere dagegen mit rund 14 Prozent. Damit müsste Griechenland bei einer möglichen Rückkehr an den Kapitalmarkt weiter horrende Zinsen für neue Kredite bezahlen – aus der Schuldenspirale wird sich das Land so nur schwerlich befreien können. ...“.

Natürlich ist die BRD nicht nur die führende Wirtschaftsnation und Zahlmeister, sie setzt die Maßstäbe auch wenn es darum geht, die nächste Phase der finanziellen Verwerfungen in der Welt auf die Schiene zu bringen. Und zwar nicht trotz, sondern weil es uns im Verhältnis zu den Anderen, und zwar einschließlich der Weltmächte USA und China, so noch verdammt gut geht. Denn schon seit letztem Jahr laufen die Lohnrunden und die, sehr wohl zu Recht geforderten höheren Bezüge, werden im Gegensatz zu den Billionen der Bankenhilfen direkt in den Markt eingeschleust. Und da schon in den letzten zehn Jahren die reale Inflation regelmäßig alle Lohnerhöhungen aufgefressen hat, treffen diese jetzt anstehenden Lohnzuwächse auf eine Industrie, die seit ebenso langer Zeit eine Preisunterbietungsrunde nach der anderen fahren musste. Und daher in etwa gleicher Höhe die steigende Nachfrage mit steigenden Preisen einfangen wird. Denn nicht nur der Bürger leidet unter steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, die Industrie hat es auch getan und konnte das nicht immer alles an die Kundschaft weiter geben. Das wird sie aber dann tun, wenn die Nachfrage anziehen sollte.

Aber man sollte es betonen, es wäre einer der wenigen politisch gangbaren Wege: man steigere die Einnahmen der Schaffenden, der Rentner und Pensionäre, aber auch der Bedürftigen ganz unten, und die Inflation die dann folgt frisst die prinzipiell unbezahlbaren Schulden auf, ohne vornehmlich die Massen zu verarmen. Das trifft dann vor allen Dingen die Großanleger. Das Interesse der Investoren zielt natürlich in die exakt gegenteilige Richtung. Die arbeitende Bevölkerung soll auf biegen und brechen sparen und sich kasteien, damit die Vermögen, die den Schulden exakt gegenüber stehen, ungeschmälert erhalten bleiben. 

Die Finanzlobby bemüht sich also tatkräftig ihre Politiker zu überzeugen, das Sparen (der arbeitenden Bevölkerung versteht sich) der einzige Weg aus der Krise wäre. Also, so weiter machen wie bisher, pumpt die Investoren weiter auf, und dann trifft es die Schwächsten in der Gesellschaft zuerst. Wenn dann jedoch schließlich der Bürgerliche Mittelstand über die Klinge springt, hat man aber die Revolution am Hals. Und die kommtdann meistens von ganz rechts: “...Neonazis sind uns näher, als wir denken. Mit wachsendem Erfolg buhlen sie um die Mitte der Gesellschaft. Wissenschaftler warnen schon länger davor, dass rassistische und autoritäre Ideen dort auf wachsendes Wohlwollen stoßen. Immer häufiger verdrängt aggressive Selbstbehauptung den Gemeinwohlgedanken – oft auf Kosten von Ausländern, Schwulen, Muslimen, Armen. Noch immer hält sich die Vorstellung, Neonazis seien nicht fähig, diese soziale Erosion für sich zu nutzen – ein Trugschluss. Längst ist ein intellektuelles Milieu entstanden, in dem rege über einen zukunftsfähigen Rassismus diskutiert wird. Politikphilosophische Zeitschriften bauen an Brücken zu Studenten und Bildungsbürgern....Hinzu kommt: Die Grenze zwischen Demokraten und Rechtsextremisten ist nicht überall dicht. Mancherorts schweigen Presse und Politik noch immer lieber, als sich den Vorwurf einzuholen, die eigene Region madig zu machen. Bündnisse aller Demokraten scheitern viel zu oft daran, dass Konservative sich weigern, mit Linken auf einer Straßenseite zu stehen. In Dresden und anderen Städten machten sich Nazis zunutze, dass manche Behörden und Politiker in langhaarigen Alternativen das größere Problem sahen als in diszipliniert auftretenden Rassisten....Wie weit die Neonazis auf ihrem Weg in die Mitte schon gelangt sind, zeigt sich am stärksten in strukturschwachen Gegenden des Ostens, wo nur mehr eine Minderheit die gesellschaftlichen Zustände für verteidigenswert hält.“

Dass die Wirtschaft gerade in der BRD so gut läuft liegt wiederum daran, dass die Süd-EU, aber auch Andere, so unter Spardruck stehen und ihre eigenen Wirtschaften abwürgen. Das gleiche Sparen unternehmen wir in der BRD dagegen noch lange nicht, wozu auch, es hätte sowieso keinen Zweck, und es erscheint ja auch nicht nötig. Das wiederum bedingt aber gerade die Kapitalflucht aus den Südländern, was sich wiederum in den irrwitzig explodierenden Target2-Salden ausdrückt. Denn die Reichen der Schwachländer überweisen ihr Geld in Richtung Deutschland; die dann schuldenden Südbanken aber bezahlen ihre aus den Überweisungen resultierenden Rechnungen nicht, weil niemand sie dazu zwingt, sondern die Bundesbank erhält dafür nur niedrig verzinste und letztlich wertlose Schuldscheine der EZB, die von den Südeuropäern niemals mehr ausgeglichen werden können. Würde man eine Tilgung erzwingen, dann müssten wir gleich wieder den selben Betrag als Rettungspakete in die betreffenden Länder überweisen.

All dieses Geld drückt nun aber in den BRD-Markt, und wird wenn damit tatsächlich konsumiert wird, die Spirale der EURO-Inflation über kurz oder lang in Gang setzen. Und müssen, denn die gigantischen Schulden, unbezahlten Außenstände, Rettungspakete und Garantien, „die niemals, oder höchst unwahrscheinlich, jemals gezogen werden“, die sind niemals in heutigem Geldwert zu berappen. Und dazu kommt nun noch die Hauptbeteiligung am ESM, der den sowieso schon höchsten deutschen Beitrag nach geleisteter Unterschrift faktisch und eigenmächtig in beliebige Höhen treiben darf, zumal gerade die Betroffenen, ja die mit den fetten unbezahlten Rechnungen, in dieser Selbstbedienungsbank die Mehrheit haben.

Nun gut, von der Spitze des Eisbergs aus gesehen lässt sich das ganze Desaster vorläufig noch mit vornehmer Distanz beobachten, jedenfalls wenn man Augen und Ohren nicht zu weit aufmacht: Auf einer Stufe mit Peru und Vietnam: Der Sparzwang der Griechen lässt ihre Wirtschaft zusammenbrechen. Die Wirtschaftsleistung sinkt einer neuen Berechnung zufolge auf das Niveau von Entwicklungsländern....“. Der Durchschnittsgrieche paddelt längst im eiskalten Wasser ums nackte Überleben, die sowieso schon mageren Einkommen reichen nach dem Sparzwang für die Investoren bei Vielen kaum noch fürs Essen. Und so geht es nun weiter, Portugal, Spanien, Italien, usw. 

Italien ist etwas aus dem Fokus geraten, was Wunder, schließlich hat sich Italien über den Target2-Trick genau im letzten Jahr mal eben 200 Mrd. von der BRD ausgeborgt. Ganz ohne Geschrei und ohne dass es einer groß bemerkt hätte, und zeichnete damit allein für 40% der Bundesbankaußenstände die Verantwortung. Von Spanien stammt etwa das gleiche Gemopse, allerdings über mehrere Jahre verteilt, und so ist das Defizit der Spanier auch in diesem Jahr weit kritischer als das gerade „sanierte“ Italienische.

Ähnlich wie in Griechenland haben wir auch dort eine irrsinnige Jugendarbeitslosigkeit ganz weit im zweistelligen Bereich, denn gerade die nachkommende Generation ist schließlich dafür vorgesehen, sich in das Vertrauen der internationalen Investoren zusparen : „...Nach wochenlangem Drängen hinter den Kulissen erreichte die neu gewählte konservative spanische Regierung, dass die Einsparungen in diesem Jahr nicht mehr so hart wie nach dem ursprünglichen Plan ausfallen müssen. Spanien argumentierte, die Wirtschaft rutsche 2012 in die Rezession mit einem BIP-Rückgang von 1,7 Prozent. ...Ministerpräsident Mariano Rajoy wollte das Defizit deshalb nur auf 5,8 Prozent drücken. Die Euro-Finanzminister rangen der Regierung nun einen zusätzlichen Abbau von 0,5 Prozent des BIP ab. Der Sparschritt von diesem auf das nächste Jahr muss dann aber größer ausfallen als bisher gedacht....“.

Die nächsten Schritte in den Abgrund sind nunmehr genauso vorher sag bar, wie es die Pleite Griechenlands oder die Folgen der staatlichen Übernahme privater Schulden in 2009 schon leicht zu prognostizieren war. Wie bei jedem Kartenhaus liegt die Spannung natürlich darin, dass man nicht so genau weiß, wie viele Stockwerke man noch aufgetürmt kriegt, bevor das unvermeidbare Ende kommt.

Im Moment gilt jedenfalls, dass wir es geschafft haben, noch ein Stockwerk drauf zu legen:   Hurra, wir leben noch. 

Kommentare:

  1. Hallo Herr Genreith, mit Ihrer guten Analyse der Finanzkrise stimme ich weitgehend überein, allerdings erwarte ich die Pleite von Spanien und den Euro Austritt von Gr noch in diesem Jahr, weil dort tatsächlich die "Rechten" auf dem Vormarsch sind (Merke(l): € = Friedenswährung). Womit ich bei meinem Thema wäre: Die Blindheit der deutschen MSM auf dem linken Auge und falsche Toleranz gegenüber Radikalen scheint auch bei Ihnen eine gewissen Wirkung zu zeigen. -:)
    Obwohl die Kommunisten ( insbesondere die russischen) weltweit wesentlich mehr Menschen als alle anderen "isten" umgebracht haben, kommt die Gefahr offenbar immer von rechts. Obwohl die Grünen ( vor 2007 ) den unteren Einkommensschichten wirtschaftliche Schäden wie kaum eine andere Partei verursacht hatten, könnte der nächste Kanzler Trittihn heißen. Auch erinnert sich in der MSM kaum jemand an die Konsequenzen der Politik eines gewissen Neville Chamberlain und sieht deshalb auch keine Parallelen zur - wie ich meine - dekadenten Toleranz gegenüber Islamisten. Der Großmufti von Saudi-Arabien hat gerade die Beseitigung aller Kirchen auf der Arabischen Halbinsel gefordert. Man stelle sich vor, der Papst würde etwas ähnliches verlautbaren!
    Die EU wird von einer nicht gewählten Kommission verwaltet bzw. regiert (die EUSSR) und der Rechtsstaat langsam, aber stetig ausgehöhlt, aber die Gefahr kommt von rechts... Nicht von Kapstadt aus gesehen Herr Genreith. Sonnige Grüße!

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  2. Hallo Hr. Reinhard,

    Vielen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag.

    Nun ja, ich fange mal an mit „...erwarte ich die Pleite von Spanien und den Euro Austritt von Gr noch in diesem Jahr,“. Prinzipiell müsste das so sein, das denke ich ebenfalls. Aber andererseits vertut man sich immer mit der Zeitschiene. Da werden hinter den Kulissen Klimm- und Winkelzüge gemacht um das Datum des GAU's möglichst über die Wahlen in 2013 hinaus zu schieben. Besonders eben über die unsäglichen Target2-Kredite, deren Volumen schon die Rettungspakete übersteigt und bis 2013 wahrscheinlich die 1000-Mrd. Marke knackt.

    „Die Blindheit der deutschen MSM auf dem linken Auge und falsche Toleranz gegenüber Radikalen scheint auch bei Ihnen eine gewissen Wirkung zu zeigen.“, naja im Grunde genommen ist es ziemlich egal woher das Chaos und evtl. die Diktatur im Gefolge kommt. Der Unterschied ist mehr Geschmackssache.

    Die „falsche Toleranz“ ist allerdings zweischneidig. Denn es sind ja nicht nur die Radikalen auf der Strasse, die die Demokratie gefährden, es sind vorallen Dingen die „stillen“ Radikalen, denen jedes Mittel Recht ist, alle Einnahmen nach oben und alle Kosten nach unten zu schieben. Es ist ganz klar, dass das nicht auf Dauer gut gehen kann, es muss dann zu einem Ausbruchversuch des Durchschnitssbürgers kommen.

    Und da glaube ich eben nicht dass dieser irgendwann fällige Ausbruch von links kommt, dazu ist der Deutsche viel zu konservativ. Er wird wieder aus der Mitte und dann nach rechts kommen. Natürlich kann man sich da irren, aber es war eigentlich schon immer so in Deutschland. Das einzige Linksregime war schließlich nur wegen der sowjetischen Besatzer überhaupt möglich gewesen, und wäre ohne militärische Gegenwehr schon in den 50er-Jahren beendet worden. Zudem ist die „Linke“ schon längst bügeltrocken, und gehen im Prinzip genau den Weg, den auch die Grünen gegangen sind: Von der Basisopposition hin zur „grünen FDP“ und Ökoindustrie-Lobby-Organisation. Bei den Linken wird’s dann vielleicht eine Gewerkschaftslobby werden, aber die hat die BRD, nach dem Union und SPD quasi ununterscheidbar geworden sind, auch wieder nötig.

    „Obwohl die Kommunisten weltweit wesentlich mehr Menschen .. umgebracht haben, kommt die Gefahr offenbar immer von rechts.“. Nun, Kommunisten? Ich würde sagen, gerade Stalin war ein klarer Faschist, Personenkult etc. pp. alles inbegriffen. Es kommt, wie bei jedem Produkt mehr darauf an, was in der Verpackung drin ist und nicht was drauf steht. Worte sind da eher Schall und Rauch. Kommunistische Regime im übrigen haben meiner Ansicht nach in Deutschland (ohne äußeren militärischen Druck) gar keine realistische Chance, allem Geschrei zum Trotz. Die historisch begründeten allgemeinen Aversionen und Reflexe sind dafür hier viel zu stark.

    „...Obwohl die Grünen ( vor 2007 ) den unteren Einkommensschichten wirtschaftliche Schäden wie kaum eine andere Partei verursacht hatten, könnte der nächste Kanzler Trittin heißen...“, Yep, da muss ich Ihnen zustimmen, da sehe ich auch viel mehr Wahrscheinlichkeit drin. Und auch stimme ich Ihnen zu, was die wirtschaftlichen Schäden angeht, denn wirklich effektive Umweltpoltik ist bei den Grünen längst durch grün getünchten Industrielobbyismus ausgetauscht worden: E-Auto, Windkrafträder, Flaschenpfand, Zwangskanalsanierung und Zwangsdämmung von Bauten, etc. pp., da findet man so schnell kein Ende.

    (...Fortsetzung nächster Kommentar)

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  3. „....und sieht deshalb auch keine Parallelen zur - wie ich meine - dekadenten Toleranz gegenüber Islamisten.“. Auch da haben Sie nicht ganz unrecht. Religös-motivierter Radikalismus, egal ob islamistisch, christlich oder jüdisch, ist im Grunde genommen noch penetranter und gefährlicher als politisch untermauerter Radikalismus. Aber natürlich hat dieser religiöse Wahnsinn Methode und ist überall politisch fest verankert (Arabien, USA, Israel,...). Etwas wirklich effektives dagegen zu unternehmen stösst daher auf massivsten Widerstand von wirtschaftlich und militärisch bedeutsamen Nationen. Man denke nur, als relativ harmloses Beispiel, an die Reaktionen im Konflikt Fankreich-Türkei wegen des Armenier-Holocaust-Gesetzes. Die islamische Türkei hat sich sofort auf die Hinterfüße gestellt und Frankreich hat ganz kleinlaut das Gesetz wieder in die Tonne getreten. Da spielen im Hintergrund viel zu viele wirtschaftliche und militärische Interessen eine Rolle. Das ist der eigentliche Grund, warum in dieser Richtung so wenig passiert.

    „...Die EU wird von einer nicht gewählten Kommission verwaltet bzw. regiert (die EUSSR) und der Rechtsstaat langsam, aber stetig ausgehöhlt, aber die Gefahr kommt von rechts...“. Auch da muss ich Ihnen im Grundsatz zustimmen. Aber die „EUSSR“ ist ja nicht wirklich „links“. Sie ist ausgesprochen rechts-bürgerlich, denn eine gezielte Umverteilung nach unten findet dort überhaupt nicht statt. Das sieht man schon daran, dass man dem Bürger, Wähler und Schaffenden die unglaublichsten Kreditschulden in die Schuhe schiebt. Eine ständig steigende Bedienpflicht auf faktisch ewige Zeiten, für Schulden die er selbst nie gemacht hat (ganz zu schweigen von den Kindern und Enkeln dieser), und von denen er gar nicht, und wenn, dann nur in sehr viel geringerem Masse, profitiert hat. Man unternimmt mit größter Chuzpe wirklich alles um zu verhindern, dass aus Multimillardären arme Multimillionäre werden, auch und gerade um den Preis, die Demokratie mittelfristig komplett über Bord zu werfen. Das sind die wahren Radikalen, und auch da gibt es wie immer eine Reihe dummer Mitläufer und einige Wenige, aber Bedeutsame, denen für die eigene Macht eben jedes Mittel und jeder Preis recht ist.

    Also dann, ebenfalls zur Zeit sonnige Grüße aus der Mitte Deutschlands nach Kapstadt.

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