Dienstag, 14. August 2012

Die Endlösung der Eurofrage


Was für „Lösungen“ entscheidender Fragen sind schon vorgeschlagen worden, absurd, grotesk oder einfach nur dumm, wirklich lösend oder auch nur sozial ausgewogen war so richtig noch keiner. Das betrifft sowohl die Lösung der Finanz-, oder besser Verteilungskrise, noch den langsam aber sicher zum weltweiten Desaster eskalierende Nahostkonflikt. Die jeweils nächsten Ereignisse vorherzusagen ist fast schon langweilig, da leicht absehbar, allerdings auch wenig beruhigend.

In der Eurofrage schießen sich die Parteien zunehmend auf die „Endlösung“, das heißt unbegrenzte Banken- und Staatenrettung und völlige Vergemeinschaftung und Sozialisierung der Schuldenberge ein. Das dies nichts mehr mit kreativer Auslegung des Grundgesetzes zu tun hat, ist den meisten inzwischen auch klar geworden, und so peilt man nun eine Volksabstimmung an, wo der Bürger sein eigenes Todesurteil mit unterschreiben soll: „...Nicht nur Schäuble und Brüderle ahnen, dass das Bundesverfassungsgericht in seinem anstehenden Urteil zu Fiskalpakt und ESM feststellen könnte: Die Grenzen des Grundgesetzes sind erreicht. Weil es aber offizielle Linie fast aller Parteien ist, dass die Antwort auf die Krise "mehr Europa" sein muss, scheint ein Referendum unausweichlich."

"Über was genau das Volk dann abstimmen müsste, und wann es soweit sein könnte, ist derzeit genauso unklar wie der Ausgang. Von einer politischen Union ist bisher vage die Rede, von abgegebener Souveränität, von gemeinsamer Haushaltspolitik. SPD-Kanzlerkandidaten-Bewerber Peer Steinbrück sieht eine Volksabstimmung schon in zwei Jahren kommen, Schäuble spricht von fünf Jahren, die Kanzlerin lässt alles offen....“ Das Problem dabei ist natürlich das, wenn schon die klassische Ökonomie und erst recht die Politik nicht weiß, was sie tun soll geschweige denn was wirklich zu tun wäre, der Wähler im allgemeinen steht da natürlich ebenfalls auf dem falschen Fuß. Und wie sollte man denn die Frage zur Volksabstimmung formulieren? „Wollen Sie mehr Europa?!“ oder besser „Wollen Sie mehr Schulden für die Sie und Ihre Kinder gerade stehen sollen?“. Die beiden beispielhaften Fragen sind im Prinzip gleich, die zu erwartenden Antworten sind dagegen krass unterschiedlich. Das Hauen und Stechen der unterschiedlichen Lobbygruppen alleine um die Formulierung der Volksabstimmung, als dann erst recht die Medienkampagnen im Vorfeld zum kompletten Kopfverdrehen der Wähler, das kann man sich ohne viel Phantasie recht lustig ausmalen. Bei alledem wirkt besonders absurd der naive Glaube, das Zusammenlegen aller Schulden würde irgend etwas am Gesamtschuldenstand ändern. So dumm ist nicht mal „Müller's Lieschen“.

Aber in dem Glauben sind sich die SPD-Grünen mit den Unionsspitzen weitgehend einig. Aberwitzig natürlich Vorschläge wie vom neuen DIW-Chef Fratzscher, der als Lösung den EURO-Sumpf einfach deftig erweitern möchte: „...Der Ökonom Marcel Fratzscher gibt sich gern als überzeugter Europäer. So auch zu seiner Berufung als neuer Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Notenbanker hält es laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") für sinnvoll, die Euro-Zone zu erweitern - am liebsten mit allen EU-Staaten. [Fratzscher]...die Ergebnisse des EU-Gipfels von Ende Juni wiesen in die richtige Richtung: "Eine europaweite Bankenunion trägt dazu bei, die Verwerfungen zu beenden." Das DIW-Kuratorium beschloss am Donnerstag erwartungsgemäß, den 41-Jährigen, derzeit noch Abteilungsleiter bei der Europäischen Zentralbank (EZB), zum 1. Februar 2013 an die Institutsspitze zu berufen. ...Eine Rezession in Deutschland erwartet der Ökonom nicht. Die augenblickliche Schwächephase dürfte bereits der Tiefpunkt sein, wenn sich die europäische Krise nicht verschärfe. "Das kommende Jahr dürfte stärker werden als dieses", sagte Fratzscher....“. Nun ja, „hier werden Sie geholfen“...

Sparprogramme, von Merkel und Schäuble favorisiert und teilweise bereits durchgesetzt bringen nichts, denn sie würgen nur das BIP ab, da gerade der Staat mit seiner (im allgemeinen sehr wohl berechtigten) Umverteilung der effektiv größte Arbeitgeber praktisch aller entwickelten Nationen ist. Das die BRD noch nicht eingeknickt ist, liegt speziell an zwei Dingen, erstens an der enormen Exportlastigkeit der Nation und zweitens an dem Fakt, dass gerade Deutschland noch gar nicht mit ernsthafter Sparpolitik begonnen hat. Und stattdessen weiter Schulden, Verpflichtungen und Garantien in seit den frühen 1920er-Jahren ungekanntem Ausmaß anhäuft. Die gleichen kontraproduktiven staatlichen Sparanstrengungen wie im Süden Europas, zu Lasten der Durchschnittsbürger und Schaffenden alleine, will man frühestens nach der nächsten gewonnen Wahl im Herbst 2013 beginnen. Bis dahin soll der deutsche Wahlbürger sich noch sicher fühlen können. Im wahrsten Sinne des Wortes wird er hierzulande „für dumm verkauft“.

Die Gegenposition wird von Hollande aus Frankreich, aber auch von Obama USA vertreten, die im Prinzip lautet: „Wenn die Investmentwahnsinnigen Geld und Anleihen brauchen, dann druckt denen doch gefälligst das Zeugs! Und zwar soviel wie sie brauchen, so what's the problem?“. In der Tat zwar keine langfristig gute Idee, aber eine die für ein paar Jahre durchaus noch gut funktionieren könnte. Die irgendwann fällige Hyperinfaltion richtet die Dinge dann schon wieder... Und zu guter Letzt noch die Idee des DIW-Chefs, die im Prinzip eine weitere Überziehung des naiven Glaubens ist, die Krise läge nicht an zuviel EURO's sondern an zu wenig EURO-Europa. Er hält es „für sinnvoll, die Euro-Zone zu erweitern - am liebsten mit allen EU-Staaten.“. Nun was würde das bringen? In der Tat, man muss es leider zugestehen, kurzfristig einiges. Denn die bislang nicht im EURO-System (öffentlich und privat) überschuldeten EU-Staaten würden dem Fass ohne Boden für ein paar Jahre tatsächlich wieder einen solchen verleihen: Denn dann könnten sich die ungeheure Menge überschüssiger Euro-Anlagen ungehindert in diese neuen Reservoirs ergießen, so lange bis diese ebenfalls komplett vollgelaufen wären und den griechischen oder spanischen Weg antreten dürften.

DIW: Gebt der Spinne frisches Futter!
Eine perfide, aber für ein paar Jahre keineswegs erfolglose Strategie, sofern einem nur das Schicksal der Investorengemeinde näher am Herzen liegt, als das Schicksal der Kinder und Enkel der schaffenden Bevölkerungen. Aber das eint ihn jedenfalls mit unserer aktuellen Politikelite, denen seit einigen Jahren Marktvertrauen weit vor Bürgervertrauen geht. Was alle, letztlich untauglichen Vorschläge eint, ist das Bedürfnis kurzfristig und rücksichtslos die Ansprüche des ausgeuferten Investmentbanking und Bankeneigengeschäftes zu bedienen.

Und dazu pumpt man das Geld mit Banken- und Staatenrettungen in genau den Teil des Finanzgeschäftes, der erst die gewaltigen Probleme geschaffen hat. Und wundert sich anschließend, das jedes Rettungspaket gleich wieder ein neues, noch höheres, impliziert. Um das phänomenologisch zu verstehen, schauen wir nochmal auf die Realdaten der BRD (für die EURO-EU der 17 sieht der Graph fast identisch aus, lediglich die Realwerte sind mit einem Faktor von rund dreieinhalb zu multiplizieren):

Statt das Geld sofort im Investmentbanking zu verbrennen, sollte man damit erst einmal des BIP füttern.
Das Problem bei allen „Vorschlägen“ der Bankenlobby und der auf deren Leimrute klebenden Politiker ist, dass die „Rettungs“-Milliarden faktisch ausschließlich in das Bankeneigengeschäft fließen. Denn das BIP ist längst vollgesogen mit Krediten und kann nicht viel mehr aufnehmen, und jede Rettungsmilliarde impliziert daher einen weiteren Renditeanspruch, der durch das BIP aufgefangen werden muss. Und damit natürlich schon die nächsten Rettungsmilliarden.

Diese Art der „Rettung“ vergrößert somit ständig die volkswirtschaftliche Verschuldung (und damit aber natürlich auch die Vermögen der großen Kapitalbesitzer, die genau aus diesen Schulden bestehen), statt sie zu verringern, wie gerade von naiven Politikern allzu gerne geglaubt wird. Für das Auffangen der ständig selbst neuproduzierten Rettungspakete kann man nun zwei Auffangbecken einrichten: Einerseits ESM/EZB, die faktisch das Geld per Eigenanleihenkauf drucken (“Model Hollande“), oder durch Austeritätspolitik, die es den im BIP Schaffenden aus den arbeitenden Händen greift („Modell Merkel“). Das dritte „Modell Fratzscher“ ist nicht weniger perfide, es vergrößert lediglich temporär das zu plündernde Fass des europäischen Durchschnittsbürgers. Für das BIP und den Wohlstand der Allgemeinheit tragen alle diese Modelle nicht nennenswert bei, im Gegenteil.

Diese Art der Euro-Rettung ist in der Tat genauso sinnvoll, als wenn man bei seinem Auto den Sprit gleich im Auspuff verbrennt, anstatt in erst einmal durch den Motor zu leiten.

Viel Erfolg versprechender sind dagegen die so viel geschmähten Konjunkturpakete. Das bekannteste Beispiel der letzten Krisenzeit ist das deutsche Programm der „Abwrackprämie“ gewesen. Obwohl dessen Volumen, im Vergleich zur aktuellen Bankenrettung, geradezu verschwindend klein war, war ihr Erfolg um viele Größenordnungen höher. Nun, woran liegt das, einerseits das diese Programme so geschmäht werden, und andererseits, dass sie so relativ erfolgreicher sind? So geschmäht werden sie von Politik und Finanz-Lobbyisten deswegen, weil sie natürlich direkt das BIP antreiben, Konsum und Arbeitsplätze erhalten und neu schaffen, aber damit natürlich auch die Preise der Produkte einschließlich der Arbeit (Löhne) treiben, somit endlich also inflationär wirken.

Und damit im Endeffekt den relativen Wert der Vermögen und der damit unmittelbar einhergehenden privaten und öffentlichen(!) Schulden verringern. Würden EZB oder ESM statt Geld für Bankenrettung zu drucken, dieses für allgemeine Konjunkturstützen einsetzen, so könnte dies keinesfalls im Interesse der Finanzlobby sein. Und so wird gegen diese Art der „Endlösung der Eurofrage“ entsprechend scharf geschossen. So was sei „Kommunismus aus der tiefsten DDR-Schublade“ etc. pp., während die inzwischen Billionensubventionierung der Reichsten durch die Masse der Bevölkerung natürlich „völlig alternativlos“ sei. Mit der impliziten Behauptung verknüpft, schließlich hätten die Bürger, bzw. deren selbstgewählte Politiker (und mutmaßliche Versager), ja die Misere alleine zu verantworten und quasi alleine davon profitiert.

Eine komplette Verdrehung der Tatsachen, die eine wie die andere Behauptung, die aber weitgehend akzeptiert wird, nicht nur von der Politik sondern leider auch vom Wahlbürger selbst, der sich mehr oder weniger bereit erklärt hat, sich per Stimmzettel weiterhin zur Weihnachtsgans für wenige zu machen. In Europas Süden ist man da schon etwas weiter.

Hier muss man mal einen Abschnitt zum Thema der Subventionen einflechten. Subventionen waren und sind der größte Teil der EU-Arbeit schon immer gewesen, anfangs waren mehr als 70% des EU-Haushalts alleine Subventionen an die Landwirtschaft. Die Gewichte haben sich etwas geändert, insbesondere durch die Finanzkrise. Faktisch ist sie jetzt zu einem Banken- und Anleihenrettungsfonds geworden, wobei die ursprünglichen BIP-Subventionen langsam zur relativen Marginalie mutieren.

Subventionen haben einen schlechten Ruf, der da lautet „Subventionen sind schlecht, weil sie nur den Markt verzerren...“, und daher nennt man noch lange nicht jede Subvention auch eine Subvention. Subventionen (lat.: subvenire = zur Hilfe kommen) sind aber nicht schlecht WEIL sie den Markt verzerren, sondern sie sind genau DAZU DA, den Markt zu verzerren.

Tatsächlich besteht jedes staatliche Handeln grundsätzlich aus Subventionen für oder gegen irgendwas oder wen. Subventionen, und das sind nichts anderes als das staatliche Umverteilen von Geldern, und damit der komplette Staatshaushalt, ja sie sind sogar das einzige Mittel des Staates um in den Markt als solchen regulierend einzugreifen. „Subventionen“ sind dazu da um den Markt politisch zu beeinflussen, sie sind das einzige zur Verfügung stehende Mittel faktisch wirksamer Politik. Der Umstand dass staatliche Geldeinnahmen (negative Subventionen, Antisubvention) und staatliche Geldausgaben (positive Subventionen) je nach Gutdünken juristisch, politisch oder ökonomisch völlig anders bezeichnet werden, ändert nichts an der Tatsache, das dabei außerhalb des marktwirtschaftlichen Prinzips von Angebot und Nachfrage Gelder umverteilt werden.

So ist Hartz IV natürlich genauso eine Subvention wie die Einrichtung des EFSF oder ESM, oder der Mehrwertssteuernachlass für Hoteliers. Steuern sind Antisubventionen, Steuernachlässe oder Kilometerpauschalen dagegen sind Subventionen. Genauso sind es Subventionen, wie staatliche Ausgaben für Bildungseinrichtungen wie Unis oder Schulen, die nämlich marktwirtschaftlich für die Allgemeinheit niemals in gleicher Weise zugänglich wären. Genauso wie die Ausgaben für Sicherheitsbehörden wie Polizei oder Militär, die privatwirtschaftlich bestenfalls eine Soldateska für einige brutale Warlords darstellen würden. Natürlich nennt man das alles nicht „Subvention“, sondern staatliche „Investition“. Es ist aber genau dasselbe, weil ohne diesen staatlichen (politischen) Eingriff das System auf solidarische Weise nicht funktionieren könnte.

Wirklich schlimm an „Subventionen“ ist lediglich, dass sie ja nach politischer Meinungsbildung völlig unterschiedlich bewertet und bezeichnet werden, als auch oftmals an für das Allgemeinwohl wenig sachdienliche Bedingungen geknüpft sind. So zum Beispiel, dass sie natürlich Lobby abhängig sind, denn wer politisch den größten Einfluss aufbietet, der bekommt auch das meiste davon ab, inklusive einer zugehörigen allgemein wohlklingenden Bezeichnung dafür. Und was fast immer der Fall ist, einmal zugeteilte Subventionen laufen nahezu unbegrenzt: Will man wirklich mal eine abschaffen, so gelingt das wenn überhaupt nur dann, wenn man der Klientelgruppe ersatzweise dafür eine andere Subvention, Verzeihung Investition, zuteilt. So wird, nur zum Beispiel, die MWSt-Begünstigung der Hoteliers im Werte von rund 1,1 Milliarden Euro jährlich, mit Sicherheit nie wieder pauschal abgeschafft, sondern wenn überhaupt durch eine ähnliche Vergünstigung an anderer Stelle kompensiert werden.

Richtig dreist wird es allerdings besonders dann, wen man die staatlichen Subventionen nach oben, so etwa die faktische Steuerbefreiung von Investmentprodukten, als unumgängliche „Investition“ zum Wohle der Allgemeinheit bezeichnet, und die in der Summe geringeren Subventionen für die Abgehängten und Chancenlosen am unteren Ende der Gesellschaft als staatsfeindlichen „Kommunismus“ diffamiert. Diese ideologische Verblendung ist, neben der allgemeinen Unkenntnis über volkswirtschaftliche (Substitutions-) Zusammenhänge, eine der schlimmsten Hemmschuhe für eine gütliche Lösung der Finanz- und Verteilungskrise. Politik und Markt sind in Wahrheit die zwei wesentlichen gegensätzlich wirkenden Kräfte, die man in jedem gut funktionierenden System unbedingt braucht.

Das ist ein Grundprinzip aller Arbeit verrichtender Systeme: Man brauch dazu immer eine gravitative Kraft (hier der freie Markt), die Ungleichheit erzeugt, und eine thermodynamische Kraft (hier die Politik), die versucht wieder Gleichheit herzustellen. Überwiegt einer der beiden Kräfte vollständig, dann kommt das System nach endlicher Zeit zum erliegen: Sei es im Kommunismus, mit zu viel Gleichverteilung (erliegen der Arbeitswilligkeit mangels ökonomischen Antriebs), oder genauso im ungebremsten Kapitalismus mit zu viel Ungleichheit (erliegen der Arbeitsfähigkeit durch effektiven Einkommensverlust der Konsumenten). Das Optimum liegt immer irgendwo zwischen den beiden Extremen.

Kommen wir nun zurück auf die Sache mit den Konjunkturpaketen. Die vergleichsweise hohe Wirksamkeit liegt darin begründet, dass dabei das Geld erst in das BIP eingespeist wird, bevor es nach endlicher Zeit natürlich ebenfalls wieder auf verschiedenen Konten bei den Finanzinstituten landet. So wurde die Abwrackprämie oder Verschrottungsprämie nach dem Erfolg in der BRD von vielen Staaten auch kopiert. Grundsätzlich sind solche Eingriffe am wirkungsvollsten, je tiefer sie in der gesellschaftlichen Hierachie ansetzen. Die Verschrottungsprämie war da etwas zwiespältig, da sie nicht die breite Masse begünstigte, sondern nur eine kleinere Gruppe von relativ gutverdienenden Durchschnittsbürgern, die zufällig gerade noch ein altes Auto (Altauto 9 Jahre oder älter, mind. 1 Jahr auf Halter angemeldet, Kauf eines Jahres- oder Neuwagens mit mindestens Euro 4 Abgasnorm ) besaßen. Somit kamen unter den Konsumenten wirklich Bedürftige gar nicht zum Zuge, und auf der Seite der Produzenten wiederum nur die Autohersteller und Händler, wobei erstere noch lange nicht alle in Deutschland selbst ansässig waren. Und bei den Konsumenten konnten die kassierte 2500 Euro Subvention aufgrund deren Einkommens- und Vermögensverhältnissen durchaus mit vorhandenem Sparvermögen substituiert werden, was wiederum volkswirtschaftlich kontraproduktiv war. Trotzdem war es im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt ein erstaunlicher Erfolg.

Hätte man stattdessen allerdings die Hartz IV Bezüge pauschal um 100 Euro erhöht, der Erfolg wäre noch durch dringender und auch nachhaltiger gewesen: Denn Hartz IV Bezieher haben keine Vermögen zu substituieren sondern geben ihr Geld zwangsläufig sofort und vollständig in die lokale Wirtschaft. Dabei spielt es auch überhaupt keine Rolle ob sie das Geld „versaufen“, und damit den Arbeitsplatz einer Kellnerin finanzieren, oder das Geld für Lebensmittel aus dem Lidl einsetzen, wo es der Kassiererin „Emmy“ den Job erhält und gar neue schafft. Das Geld zirkuliert dann nämlich komplett durch den Wirtschaftskreislauf, um dann endlich wieder da zu landen, wo alles Geld (bis auf die relativ kleinen Barreserven) landet: Auf den diversen Konten der Banken als Einlage. Das einzige was die Finanzindustrie daran stört: Das Geld braucht ein paar Monate bis es dort liegt, und, durch die Ankurbelung der Wirtschaft steigt das Preisniveau und damit sinkt natürlich der relative Wert ihrer Vermögen. Aber auch der allgemeine Schuldenstand, was man dort erst recht nicht zugeben mag. Umso mehr investiert man daher gerne in Medienkampagnen und der Verbreitung gängiger Klischees, Ideologien und Diffamierungen.

Nun, eine echte Rettung des Euros, in dem Sinne dass er einerseits wertstabil und andererseits förderlich für den allgemeinen Wohlstand sein sollte, ist definitiv nicht mehr möglich. Das hat systemtechnische Gründe, allerdings könnte man die Rückführung des Kapitalkoeffizienten sehr viel sozialverträglicher machen. Statt die Banken direkt zu subventionieren könnte man, nur so als Beispiel, jedem Bundesbürger ungeachtet seines Standes oder Alters, einfach monatlich 100 Euro als Konsumgutschein (mit z.B. 3 Monaten Gültigkeit) zuteilen. Das wären bei ca. 81 Millionen Deutschen also pro Jahr knapp 100 Mrd. Euro. Die würden direkt ins BIP fließen (da sie ausschließlich und direkt nur für Konsum zu verwenden sind) und dieses ebenso um diesen Betrag erhöhen (zumal 100 Mrd. Euro/ 50.000 Euro pro Arbeitsplatz = bis zu 2 Millionen neue Arbeitsplätze bedeuten) und ein nominales Wachstum von fast 4% erzeugen würden. Die Inflation würde natürlich ebenfalls um etwa diesen Wert pendeln, was wiederum die Schuldenstände innerhalb von 10 Jahren um fast 50% reduzieren würde.

Aber natürlich auch die realen Werte der Vermögen entsprechend halbieren und das ideologische Kampfgeheul im Gegenzug dafür locker verzehnfachen würde. Ergo, Aussicht auf etwas mehr ökonomische Vernunft: Null Komma Null. Nun denn, jedenfalls behauptet später nicht, ich hätte es euch nicht gesagt.

Kommentare:

  1. "Nun denn, jedenfalls behauptet später nicht, ich hätte es euch nicht gesagt"...erinnert mich stark an meinen bayerischen Waldpropheten, den Mühlhiasl aus Apoig. Der lebte von 1753 bis 1810. Er prophezeite damals schon unter anderem:
    Einerlei Geld kommt auf. Geld wird gemacht so viel, daß man´s gar nimmer kennen kann. Wenn´s gleich lauter Papierflanken sind, kriegen die Leut´ nicht genug daran. Auf einmal gibts keines mehr. Desweiteren prophezeit er ein großes "Bänkeabräumen", eine alles dahinraffende Krankheit. Es ist schon beängstigend wie seine Prophezeiungen zu Wirtschaft, Umwelt und Politik auf unsere heutige Zeit zutreffen.

    AntwortenLöschen
  2. Danke für den Hinweis. Ja „Seher“ gab und gibt es zu allen Zeiten, heute würde man „Futurologe“ sagen. Und natürlich sind es immer Sonderlinge. Es liegt daran, dass der Mensch immer noch in archaischen Dimensionen denkt.

    Ursprünglich ging der räumliche Horizont eines Menschen ungefähr so weit, wie man in zwei oder drei Tagesmärschen zurücklegen konnte, also so grob ein Umkreis mit 50 km Radius. Zeitlich war der Horizont so ein gutes Jahr lang. Denn es hatte keinen Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, was in 10 oder 20 Jahren geschehen würde, denn die Wahrscheinlichkeit das zu erleben ging gegen Null.

    Viel entscheidender war zu planen, wie man lebend über den nächsten Winter kommen würde, und wie man sich mit seinen unmittelbaren Nachbarn und potentiellen Konkurrenten um die begrenzten Ressourcen auseinander zu setzen gedachte. Und an diesem raum-zeitlichen Horizont hat sich prinzipiell bis heute nicht so viel geändert. (Nicht um sonst sieht man in Malle jede Menge "deutsche" Restaurants mit Würstchen und Sauerkraut, und singt rührselig Heimatlieder vom Dom zu Kölle...)

    Die klassischen Seher sind genau die Personen, die analytisch oder eben nur intuitiv einen viel größeren Horizont erfassten, und damit mehr Verständnis für langfristige und immer wiederkehrende Vorgänge hatten. Und genau deswegen waren sie einerseits geschätzt, andererseits gar nicht gerne ernst genommene Sonderlinge.

    Das sieht man heute genauso auch z.B. am Club of Rome, also Futurologen und damit moderne „Seher“. Kaum eine andere Wissenschaftlergruppe wird so unfair beleumundet und mit definitiven Falschbehauptungen überschüttet wie diese Organisation. Denn die absolut naheliegenden, gut begründeten und bisher auch definitiv zutreffenen Prognosen passen den im allgemeinen kurzfristig denkenden Menschen, und besonders Politikern mit ihrem typischen vier-Jahres-Horizont, überhaupt nicht ins Konzept.

    Ob Nostradamus, der Mühlhiasl oder der CoR, zuhören tut man ihnen gerne, aber glauben mag ihnen niemand wirklich.

    AntwortenLöschen
  3. Ich muss immer an Kongnitive-Dissonanz denken.

    "Kognitive Dissonanz tritt unter anderem auf,
    wenn man eine Entscheidung getroffen hat, obwohl die Alternativen ebenfalls attraktiv waren

    - wenn man eine Entscheidung getroffen hat, die sich anschließend als Fehlentscheidung erweist;

    - wenn man gewahr wird, dass eine begonnene Sache anstrengender oder unangenehmer wird als erwartet;

    -wenn man große Anstrengungen auf sich genommen hat, nur um dann festzustellen, dass das Ziel den Erwartungen nicht gerecht wird;

    -wenn man sich konträr zu seinen Überzeugungen verhält, ohne dass es dafür eine externe Rechtfertigung (Nutzen/Belohnung oder Kosten/Bestrafung) gibt.
    ...............
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz

    AntwortenLöschen
  4. Yep, und besonders natürlich die Dissonanzauflösung, die die Sache so schwierig vermittelbar macht:

    Da Dissonanz als unangenehm empfunden wird, versuchen Personen, die Kognitionen in Einklang zu bringen, um den negativen Gefühlszustand zu beenden. Die Dissonanzauflösung (auch Dissonanzreduktion genannt) kann an jedem der vier Entstehungsschritte ansetzen:

    1) Der Widerspruch zwischen Verhalten und Einstellung wird heruntergespielt

    2) Das Verhalten wird als erzwungen dargestellt („Alternativlos...“)

    3) Die physiologische Erregung wird gedämpft, meist durch Alkoholkonsum

    4) Die Erregung wird auf andere Ursachen zurückgeführt („Die Scheinheiligkeit der Leute nervt mich“).

    5) Nichtwahrnehmen, Leugnen oder Abwerten von Informationen

    6) Selektive Beschaffung und Interpretation von dissonanzreduzierenden Informationen

    Besonders 2,5,6 sind im aktuellen politischen Handeln gut erkennbar. Für Nr.3 wird man wohl ehr auf Koks zugreifen müssen, Alk wird da nicht mehr langen.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich werde ihn baldmöglichst freischalten. Diese Funktion dient lediglich der Vermeidung von Spam- und Flame- Kommentaren und dient niemals einer Zensur.