Samstag, 13. Oktober 2012

Wir sind Nobelpreis


Der Friedensnobelpreis ist eine Kategorie des von Alfred Nobel gestifteten Nobelpreises. Nach Maßgabe des Stifters soll er an denjenigen vergeben werden, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ und damit „im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht“ hat.

Das Komitee zur Vergabe des Friedensnobelpreises besteht aus fünf Personen, die vom norwegischen Parlament ausgewählt und ernannt werden. Die folgenden Personen bilden entsprechend das aktuelle Komitee: Thorbjørn Jagland, Ex- Premierminister, Außenminister, Präsident des Stortinget und Vorsitzender der sozialdemokratischen Partei (Arbeiderpartiet); Kaci Kullmann Five selbstständige Beraterin für Öffentlichkeitsarbeit und Public Affairs. Ex- Leiterin der Jungen Konservativen, Mitglied des Storting, Ministerin für Handel, Schifffahrt und Europäische Zusammenarbeit, Leiterin der Konservativen Partei Norwegens; Inger-Marie Ytterhorn Seniorberaterin der rechten Norwegischen Fortschrittspartei und Ex- Mitglied des Storting; Berit Reiss-Andersen Anwältin, Präsidentin der norwegischen Rechtsanwaltskammer und Ex-Staatssekretärin im Justizministerium; Ågot Valle Mitglied im Storting und Ex- Präsidentin des Odelsting und noch innenpolitische Sprecherin derSosialistisk Venstreparti; Gunnar Stålsett, Ex- Vorsitzender der norwegischen Zentrumspartei und Bischof von Oslo.

Der obige Ausschnitt aus der Wikipedia verrät die Natur des Friedensnobelpreises: Er ist ein politischer Preis, vergeben durch (Ex-)-Politiker und intime Vertreter der politischen Kreise. Jedoch ist der Friedensnobelpreis längst zu einem Politikum geworden, der die ursprüngliche Intention von Alfred Nobel kaum noch im Augenwinkel hat: „Prof. Heffermehl: Seit Thorbjörn Jagland das Nobelkomitee leitet, ist es sehr schlimm geworden. Er behandelt den Preis wie sein persönliches Spielzeug, nie war es so klar, dass die norwegische politische Elite den Preis für ihre eigene Zwecke übernommen hat. Früher als großer Freund der Amerikaner und der Nato, jetzt der EU. Es ist wirklich inakzeptabel: Die politische Mehrheit in Norwegen hat Geld und Aufmerksamkeit, die im Sinne Nobels für die Opposition, für Dissidenten in Friedensbewegungen, bestimmt war, gestohlen.“

Trotzdem hat das Komitee in der Vergangenheit sehr gute Griffe getan, aber eben auch weniger gute. So etwa der Verleih an dem Terrorismus nahe stehende Personen, wie 1973, als Henry Kissinger und Le Duc Tho für das Friedensabkommen von Vietnam ausgezeichnet wurden. Oder auch 1994 an Arafat, Peres und Rabin, wobei nicht nur Arafat der terroristisch arbeitenden Fatah, sondern gerade auch Peres und Rabin der Terrororganisation Hagana in leitender Stellung angehörten.Sowie in etlichen vergleichbaren Fällen gab es also den Preis nicht für die Vergangenheit der Belobigten, sondern für ihre letzte Frieden stiftende Tat, nämlich sich ausnahmsweise einmal zu einigen, statt sich gegenseitig an den Hals zu gehen.

Ziemlich frei nach Nobels Bedingung „im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht“. Denn die eigentlich geforderte Zeitnähe bei Nobelpreisen ist nicht gerade ihre rühmlichste Eigenschaft, sondern eher die, dass die Belobigten meist schon mit mindestens einem Bein im Grabe stehen, wenn sie denn endlich der Ruf aus Oslo oder Stockholm erreicht. Andererseits jedoch, wie kürzlich bei Barak Obama, der noch gar nichts dafür getan hatte, aber den Preis schon mal vorab erhielt um ihn milde zu stimmen für das, was da in seiner historischen ersten farbigen US-Präsidentschaft so kommen möge.

Und jetzt ereilt es die EU. Und damit, wie manch eine Gazette lobte, sind wir alle, also mehr als eine halbe Milliarde, echte Nobelpreisträger. Danke, liebes Komitee. Ich bin Nobelpreisträger. Ich glaube mir stehen damit jetzt etwa 1,8 ct. des Preisgeldes zu, so wie es auch jedem hungernden Griechen oder einem in die Kälte beförderten ehemaligen spanischen Kleinhäuslebesitzer zusteht. Vielen Dank, nur befürchte ich, die Bankgebühren für die Anweisung des unsäglichen Betrages werden ein sehr negatives Geschäft für uns Bürger werden.Was allerdings in den letzten Jahren, oder Zügen, der EU ja noch nie ein Problem darstellte. Also, setzt es einfach auf die fette Rechnung, es kommt ja sowieso nicht mehr darauf an.


Nun, das teilt die EU mit den vielen Nobelpreisträgern an oder in der Grube, der Preis kommt wieder mal zu spät, ja viel zu spät. Waren es noch vor allen Adenauer und seine Zeitgenossen, die die Friedensstiftung der MontanUnion, der EWG oder der EG ins Leben riefen und den Preis sicherlich verdient hätten, so sind sie schon lange Futter für die Blumen, und der Preis geht an jene späte Nachfolger, die ihn so gar nicht verdient haben. An Nachfolger, die aus einer soliden Wirtschaftsgemeinschaft in kulturelle Vielfalt einen Selbstbedienungsladen für Großindustrielle, Finanzoligarchen und abgedrehte Bürokraten gemacht haben. Mit einem papierproduzierenden Bürokratiemonster das über zig-Standorte verteilte Institutionen unterhält, wo die rechte Hand nicht weiß was die linke tut, und es auch lieber gar nicht wissen will, um nicht die eigene Legimitation und großzügigsten Vergütungsregeln in Frage stellen zu müssen.

Ein Monstrum, das weltweit seinesgleichen sucht. Parlamente deren Macht im parlamentieren und nicht im regieren besteht, dafür aber im produzieren und verteilen von Lobby-instruierten Gesetzesvorlagen mit wenig bis keinem oder gar negativen Nutzen für den Bürger. Unterworfen einer Kommission der nationalen Regierungschefs, die faktisch macht was sie will, nach eigensinnigen parteipolitischen Vorstellungen, aber nie und nimmer nach dem Willen des „one-man-one-vote“-EU-Bürgers, der nach wie vor nur als eine sehr ferne nebulöse Fiktion besteht.

Das multikulturelle Europa soll, dieser seiner kulturellen Stärke beraubt, zu einem US gleichen Konsumstaat plattgeregelt werden. Mit einem Geld, einem Recht, einem Militär, einem Finanzminister und einem Bankenstaat, mit einer Un-Kultur des kleinglobalisierten europäischen Geistes, transformiert zum von wenigen Medien gesteuerten durchidiotierten Couch-Potato. Mit einer einheitlich „marktgerechten Demokratie“ am Ende dann vielleicht, und, weil's so praktisch ist, am Ende mit zwei Blockparteien der „democrats“ und „republicans“ die nach Mehrheitswahlrecht in dieselbe rechte Ecke der Gesellschaft der oberen Zehntausend gewählt werden müssen, wie zwischen Teufel und Beelzebub entschieden wird, damit sie in die heiligen Tempeln des Kapitalismus wie auf den Capitolen der USA einziehen können.

Ja, wir alle wollten eine Europa der Wirtschaftsgemeinschaft und der offenen Grenzen. Offene Grenzen für freie multikulturelle Bürger. Aber nicht frei für ungehemmten Kapitalverkehr und Schuldengenerierung, nicht für gleichgeschaltete Europäer die für globalisierte Märkte den Renditesklaven hergeben sollen. Nicht für eine „gleiche“ Währung in den verschiedenen Staatswesen, mit ihren vielfältigen aber so großartig ungleichen Kulturen, eine „gleiche“ Währung die in Wahrheit für dramatische Ungleichheit sorgt, indem sie am Ende den Wohlstand aus dem Süden in den Norden und von dort aus auf die vollsten Bankkonten pumpt.

Nein das haben wir nicht gewollt, denn es verwandelt den von Adenauer und seinen Zeitgenossen geschaffenen Friedensbund in einen Sprengsatz, einen Rohrkrepierer biblischen Ausmaßes. Kulturelle Vielfalt, als bloßes Wirtschaftshindernis verkannt wurde zunehmend eingeebnet, offene Grenzen für freie EU-Menschen nur als Brosamen gestreut um die ersehnte Freiheit für ungehindert expandierendes Kapital zu ebnen. Was nach den Vorstellungen unserer „Friedensnobelpreisträger“ in und um Brüssel herum aus Europa werden soll, das ist ein „Melting-Pot“ der Kulturen wie in Amerika, mit Gleichheit nicht für alle, sondern vielmehr in Allem. Und für maximale Ungleichheit bei den Wenigen, die den amerikanischen Traum, der der großen Masse unerreichbar nur vorgegaukelt wird, für sich in Anspruch nehmen konnten. Ein Europa, das als Landwirtschaftsgenossenschaft startete, und bis heute mit seinen Lebensmitteldumpingpreisen auf dem afrikanischen Kontinent eine eigenständige Nahrungsmittelversorgung verhinderte und damit für Millionen Hungertote sorgte und weiterhin aktiv sorgt; ein Europa das in der Finanzkrise die Hungerhilfen auf kaum mehr die Hälfte reduzierte um mit dem umgewidmeten Steuergeld ihre Banken zu füttern, ein Europa das zum größten Waffenexporteur der Welt und zweitstärkste Militärmacht nach den USA geworden ist.

Liebes Nobelpreiskomitee, den Titel hättet ihr besser auf Adenauers Grab gelegt, oder, an so große Europäer deutscher Nation, wie H.-J.Kulenkampff , der mit seiner Sendung EWG (Einer wird gewinnen) mehr für Europa und die Völkerverständigung getan hat, als die Mehrzahl der aktuellen Parlamentarier. Da das nach Nobel's Willen nicht geht, daher wohl wäre es besser ihn an die Protestierenden in Griechenland, Spanien und Portugal weiter zu geben. Oder gleich schon, bei Obama ging's ja auch, an die Vielen die da noch kommen werden, in den 27 Ländern die ich jetzt der Kürze wegen nicht alle aufzählen möchte.

Ach aber ich vergaß. Ihr seid ja Politiker, und ihr glaubt an Eierlegende-Wollmilchsäue, und daran das man mit zusätzlich generierten gigantischen neuen Schulden alte weniger gigantische Schulden kleiner machen kann. Und der Effekt dieses im EU-Politcircus selbstgenerierten Preises ist nun der, dass die Milchmädchen-Ökonomen und Totengräber Europas sich jetzt auch noch bestätigt fühlen dürfen auf dem „richtigen Weg“ zu sein und sich nun frischen Mutes gegenseitig auf die stolzgeschwellten Schultern klopfen können: „Ermutigung für ein Bündnis in der Krise: Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr an die Europäische Union. Europapolitiker sind begeistert. Die Kanzlerin fühlt sich ermutigt, und der Kommissionspräsident freut sich über eine „große Ehre““.


Na ja, da kann man wohl nichts dran ändern. Aber geschenkt, denn wie sagte der Alfred noch gleich: die, die auf „das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ haben sollen den Preis kriegen können. Und das zumindest, Kongresse und Krisentreffen zu jedem beliebigen Thema an den schönsten Orten des Reiches mit lecker Dinner, so mit oder ohne, ach egal, Ergebnis geschweige denn Umsetzung, ja das kann die EU nun wirklich besser als jeder andere Verein.

Herzlichen Glückwunsch also. Auch wenn der Alfred sich inklusive Sarg dabei vermutlich umgedreht hat.

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