Freitag, 31. Mai 2013

ZDF III - Stahlnetz: Aktenzeichen Ev/Klaeden/2013

Staatssekretär Eckart von Klaeden, der Name hatte dem Wähler bisher wenig gesagt, gehört zu den engsten Beratern und Vertrauten von Bundeskanzlerin Merkel. Und er wechselt zum Jahresende zu Daimler-Benz. Als Cheflobbyist. Nach der Wahl versteht sich. Na und?



Der Fall von Klaeden

Nicht jeder außerhalb der Union mag das ganz so locker sehen: „Ab sofort sitzt Daimler am Kabinettstisch, wettert die Opposition....Bei Daimler hingegen sieht man das Problem nicht. Die Anti-Korruptionsagentur Transparency International sieht ... eine "klare Interessenkollision"... Klaedens neuer Job sei "ganz klar ein Lobbyjob", den er nur wegen seiner politischen Kontakte bekommen habe.“. So schreibt es der Tagesspiegel-Online.

Und viel mehr aufregendes wird man in den großen bürgerlichen Pressemedien auch nicht finden können. Nun ja, der Bürger hat sich längst an solche Fälle gewöhnt, es ist inzwischen keine Story mehr. Der sowieso mit der Eurokrise und Bankenrettung zunehmende Frust des Wählers über die enge Bande zwischen gewählten Volksvertreter und dem einflussreichen Großindustrie- und Bankensektor, ist durch einen Staatssekretär kaum noch weiter auszubauen. Natürlich hören wir das ritualisierte Gezeter, die Kanzlerin stärkt wie immer die Rücken ihrer Jungs, alles halb so wild und Interessenkonflikte? Bei uns doch nicht.

Selbst das SPD nahe Blatt Die Zeit hält sich vornehm zurück und bringt heute im Prinzip als Pro-und-Contra-Abwägung getarnte Lobeshymnen für den inzwischen öffentlich gebeutelten Staatssekretär. Ob er nun seinen Posten bereits vor der Wahl räumen muss oder nicht, ist mehr eine Machtprobe und Standortbestimmung zwischen Opposition und Regierung kurz vor der Bundestagswahl, als irgend einer moralischen Not geschuldet. Allerdings sollte einem der Fall schon aufhorchen lassen, denn es häufen sich ja diese Fälle, wo Politiker aus der vorderen Reihe in hochbezahlte Lobbypositionen genau der Industrie- oder Finanzkreise wechseln, denen sie vor kurzem noch irgendwie aus der Patsche geholfen hatten. Sei es mit ein paar Rettungsmilliarden hier und dort, oder einem freundlichen Gesetzesentwurf an anderer Stelle.

Und schlimmer noch: Das Phänomen ist Partei übergreifend erkennbar, und keineswegs an eine der bürgerlichen Parteien gekettet, so dass man das Problem als Bürger auch nicht grundgesetzlich per Wahlkreuzchen umgehen könnte.

Parteien und auch die meisten Medien reduzieren das Problem auf allgemein verständliche Oberflächlichkeiten: „Er [v.Klaeden] wird dort [Daimler] Leiter der Abteilung Politik und Außenbeziehungen. Die schwarz-gelbe Koalition sieht darin kein Problem. So wies FDP-Generalsekretär Patrick Döring die Forderung nach Karenzzeiten für wechselwillige Politiker scharf zurück: "Es sollte für diejenigen, die einen Teil ihres Berufslebens in öffentlichen Mandaten verbracht haben, keine Berufsverbote geben", sagte Döring.“. Diese inzwischen weitverbreitete und akzeptierte Annahme ist Ausdruck der psychologischen Wechselwirkung zwischen öffentlicher Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung des Politikerberufs. So wie erstere in den letzten 20 Jahren in den Keller gesaust ist, so sehr ist es auch letztere.

Der Politikerberuf wird nicht mehr als idealistische Lebensaufgabe angesehen, bei der man weniger Geld als Ehre und Reputation für einen zufriedenen Lebensabend erntet, sondern nur noch als temporäres Karrieresprungbrett in einen pekuniär viel attraktivere Eliteposten bei privaten Organisationen, Banken oder Firmen.

Nun, jeder der in seinem Berufsleben schon mal an der Schwelle zu einem Eliteposten stand weiß natürlich, dass man so eine begehrte Stelle niemals ohne wirksame Beziehungsnetzwerke bekommt. Es reicht selbstverständlich nicht aus, nur der Repräsentant einer befreundeten Partei zu sein oder gar nur ein ausgewiesener Fachmann, denn davon gibt es im allgemeinen genug in der Hufe scharrenden Konkurrenz. Zum Erfolg bedarf es entscheidender Schritte mehr.

Was genau hinter dieser Postenschieberei steckt, 
ist daher auf den ersten Blick überhaupt nicht begreifbar. 

Lediglich heise.de, eigentlich eher ein Verlag mit Schwerpunkt EDV, gewährt dem Bürger einen klitzekleinen Blick hinter die Kulissen: “...Eckart von Klaeden, Staatsminister im Kanzleramt und Vertrauter der Bundeskanzlerin Angela Merkel, wird Cheflobbiyst bei der Daimler AG. ... Nach dem Spiegel werde von Klaeden bei Daimler "für die weltweiten Beziehungen des Unternehmens zu Regierungen und zu politischen und zivilgesellschaftlichen Organisationen verantwortlich" sein. Einmal mehr also der unmittelbare und umstrittene Wechsel von der Politik in die Wirtschaft. Interessant in diesem Zusammenhang: Der CDU-Politiker hatte im Juni 2008, als er noch außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU war, an der geheimen Bilderberg-Konferenz in Chantilly, im US-Bundesstaat Virginia, teilgenommen....Jürgen E. Schremp, langjähriger Vorstandsvorsitzender der DaimlerBenz AG und der DaimlerChrysler AG, hat an der Bilderberg-Konferenz 2005, 2007 und 2009 teilgenommen....Die Kosten des eigentlich als "privat" bezeichneten Treffens, die von Klaeden für seine Teilnahme entstanden sind, hat er aber vom Steuerzahler übernehmen lassen. Gegenüber dem Portal abgeordnetenwatch.de äußerte er sich so zur Kostenfrage: "Meine Teilnahme ist kein Privatvergnügen. Ich habe an der Konferenz zwar nicht als offizieller Vertreter meiner Fraktion oder des Bundestages teilgenommen. Eine solche offizielle Teilnahme kennt die Konferenz nicht, sie stände im Widerspruch zu ihrem informellen Charakter, der Voraussetzung für die nahezu einzigartige Gesprächsatmosphäre ist. Der Dialog und Meinungsaustausch auf der Konferenz ist aber nichtsdestotrotz für meine Arbeit als Abgeordneter und als außenpolitischer Sprecher meiner Fraktion sehr wertvoll... Die mir entstandenen Kosten wurden vom Deutschen Bundestag übernommen." Die nächste Bilderberg-Konferenz findet voraussichtlich vom 6.-9 Juni in der Nähe von London statt.“.

Think Tanks

Think Tanks“, zu gut deutsch Denkfabriken, sind trotz des martialischen Namens nicht wirklich etwas besonderes, sondern eigentlich eine notwendige Selbstverständlichkeit. In Think Tanks macht man natürlich „brain storming“, zu gut deutsch Gedankenaustausch, aber ersteres klingt auch einfach besser.

Mit dem nun folgenden wollen wir gar nichts gegen Think-Tanks im allgemeinen sagen. Sie sind auf jeder fachlichen Ebene notwendig, um zukünftige Entscheidungen von erheblicher Bedeutung frei zu diskutieren und damit natürlich auch irgendwo vorzubereiten. Das auf solchen Veranstaltungen lecker Häppchen gefuttert werden und nebenbei neue Beziehungen angeknüpft werden ist auch ganz normal.

Das eigentliche Problem ist nicht fachlich sondern politisch: Wenn gewählte Volksvertreter ständig in lockerer, intellektuell gemütlicher Atmosphäre mit Leuten herum hocken die ganz spezielle Eliteninteressen vertreten und deren Wahrnehmung der Realitäten der Kassiererin bei Schlecker soweit von der Realität entfernt sind wie die Erde vom Mars, dann hat das langfristig auch ohne bösen Vorsatz schwergewichtige Folgen. Nämlich die völlige psychologische Abkopplung der Parteispitzen von den Gruppen der Gesellschaft, deren Interessen sie vordergründig eigentlich vertreten sollten. Politiker mutieren dann, im Extremfall vom Prekaritat nahen Turnschuhträger zu Hobbyökonomen, Amateurbankern sowie Lobbyisten und Erdgasexperten.


 Der Zauberberg: Bilderberg und Bilderbuch-Karriere?

Was ist denn eigentlich diese Bilderberg-Konferenz? Das Online Lexikon Wikipedia schreibt zur Sache: „Die Bilderberg-Konferenzen sind informelle, private Treffen von einflussreichen Personen aus Wirtschaft, Militär, Politik, Medien, Hochschulen und Adel....Die Teilnehmer werden nach Bekanntgabe der offiziellen Organisatoren so ausgewählt, dass eine „wohlinformierte, ausgeglichene Diskussion“ über die vorgegebenen Tagesordnungspunkte sichergestellt werde....Eventuelle Einigungen werden nicht veröffentlicht. Bei der Bilderberg-Gruppe ( Bilderberg-Club ) handelt es sich um keine formelle Organisation. Es existieren, soweit bekannt, weder ein Status der Mitgliedschaft noch ein Gründungsvertrag. ...Nach jeder Konferenz bekommt jeder Teilnehmer...ein Protokoll des Treffens zugesandt....Diese Papiere sind besonders vertraulich zu behandeln.....Das Bilderberg Steering Committee übermittelt die Diskussionsergebnisse in Form von Synthesen an alle Teilnehmer, die im Laufe des folgenden Jahres die in den Synthesen ausgegebenen Strategien im jeweiligen politischen, unternehmerischen oder anderen Umfeld in ihren Heimatländern implementieren sollen....2010 übernahm Henri de Castries, Vorstandsvorsitzender (CEO) des französischen Versicherungskonzerns AXA und persönlicher Freund von Nicolas Sarkozy, den Vorsitz der Bilderberg-Konferenzen. Über die AXA konzerneigene AllianceBernstein LP Vermögensverwaltung besteht darüber hinaus ein enger Kontakt zu Goldman Sachs.“ 

Der Teilnehmerkreis (soweit er überhaupt bekannt ist: siehe bislang bekannte Namen unter DE  EN  2008 durchgesickert  ) ist allerdings wirklich handverlesen. Hier ein gekürzter Ausschnitt aus der Wiki: „...Zum engsten Kreis der Teilnehmer gehören seit Beginn die englischen und belgischen Königshäuser, Bankiers sowie die politischen und militärischen Strategen des nordatlantischen Bündnisses. Als aktivste Teilnehmer gelten Giovanni Agnelli (Fiat) und David Rockefeller (Chase Manhattan Bank)....Zu den deutschen Teilnehmern zählt zum Beispiel Jürgen Schrempp. Aus Deutschland sind im Steering Committee stets ein Vertreter der Deutschen Bank sowie ein Vertreter der Wochenzeitung Die Zeit anwesend. ...2007 in Istanbul nahm Guido Westerwelle von der FDP teil. Laut inoffizieller Teilnehmerliste nahmen in diesem Jahr der Investmentbanker Richard C. Holbrooke, Henry Kissinger, der französische Außenminister Bernard Kouchner, DaimlerChrysler-Chef Jürgen E. Schrempp sowie die Milliardäre David Rockefeller, George Soros und Jacob Wallenberg teil. Ebenso waren der damalige Post AG-Chef Klaus Zumwinkel, sowie Siemens, Goldman Sachs, Coca-Cola und Royal Dutch Shell dabei. Im Jahr 2008 waren aus Deutschland u.a. das Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations und früherer deutscher Außenminister Joschka Fischer, der damalige außenpolitische Sprecher der CDU/CSU Eckart von Klaeden Eilnehmer, ..regelmäßig auch Verleger wie Hubert Burda, Springer-Vorstand Mathias Döpfner, Vertreter der Financial Times und andere Zeitungs-Mogule. 2012 nahmen u.a. Josef Ackermann, Peter Löscher, Pascal Lamy und Jürgen Trittin teil.....Aufgrund des rechtlich informellen Charakters des Treffens können keine ausführbaren Beschlüsse getroffen werden. Durch die Diskussionen soll jedoch ein Konsens über eine gemeinsame Denk- und Handlungslinie erreicht werden.“

Das Problem ist weder neu noch Partei gebunden

Natürlich, auch ex-BK Gerhard Schröder war, man staune, zusammen mit BK Angela Merkel, in 2005 unter den 100 bis 150 auserlesenen Gästen. Nicht lange nach der Konferenz wurde Schröder abgewählt und durch Merkel ersetzt. Pech. Aber nicht so ganz. Wenige Tage nach der Niederlage wurde die Nord Stream AG am 2. Dezember 2005, zunächst durch einfache Anmeldung im Firmenregister in der Schweiz, auf Rede gelegt. Warum nicht da, wo das Gas strömen soll, in Deutschland oder Russland, das weiß nur der (Finanz-)Geier. Die Nord Stream AG plant, baut und betreibt die Nord-Stream-Pipeline zum Transport von Erdgas von Russland durch die Ostsee nach Deutschland und, natürlich wer denkt böses dabei, wurde Gerade-noch-Kanzler zum Aufsichtsrat und Gasexperten befördert.

Bildquelle: wikipedia G.Schröder und J.Fischer
Sein Adlatus Joschka Fischer versank im November 2005 mit in Schröders Schaluppe, ob und wann er zu dieser Zeit auch schon Bilderberger war ist allerdings dank Geheimhaltung nicht bekannt. Mit Sicherheit war er es aber in 2008, da damals die Gästeliste durch gestochen wurde. Und er bekam wie Schröder auch sofort einen Ausgleich für den erlittenen Verlust: Anfang 2006 durfte ex-Turnschuh-Träger und Bürgerschreck Joschka zahlreiche Vorträge für Investmentbanken wie Barclays Capital und Goldman Sachs halten und wurde so quasi zum Finanzexperten befördert. Er wurde dann Gründungsmitglied und Vorstand des European Council on Foreign Relations, das im Hintergrund aus dengleichen Quellen finanziert wird und als weiterer Think Tank praktisch sowas wie eine deutsche Ausgliederung des Bilderberg-Clubs ist. In 2008 bekam er dazu noch einen Beratervertrag bei der zu Madeleine Albright gehörenden Firma The Albright Group LLC an.

Letztere ist wiederum einer der ganz großen politisch einflußreichen finanzstrategischen Think Tanks vom Schlage und personeller Überschneidung mit den Bilderbergern: „The Albright Stonebridge Group is a global strategy company led by former United States Secretary of State in the Clinton administration Madeleine Albright and former National Security Advisor Samuel Berger. ...The Albright Group LLC and Stonebridge International, each founded in 2001, merged in 2009. The firm's managing board currently consists of Albright and Berger, along with James C. O'Brien, Suzanne A. George, H.P. Goldfield, Anthony S. Harrington, Michael J. Warren, and Alan Fleischmann.... The company advises multinational firms, financial institutions, and non-profit organizations on corporate strategy, market-entry and regulatory approaches, government relations, investment assistance, and dispute resolution. Many executives at the firm served in senior government roles including, at the White House; Departments of State, Treasury and Commerce; Office of the U.S. Trade Representative; in the U.S. Congress; as Ambassadors from and to the U.S; and at the World Bank Group. Albright Stonebridge Group has strategic partners with several firms, among them Hogan Lovells U.S. LLP, an international law firm based in Washington D.C., Palacio y Asociados, based in Madrid, Joschka Fischer & Company, based in Berlin, and Bespoke Approach, based in Australia. Albright Stonebridge Group is affiliated with Albright Capital Management, an emerging markets investment firm founded in 2005. Albright Stonebridge Group is a significant shareholder of Albright Capital Management.“ 

Last but not least, auch Per Steinbrück, der ein gutes Zubrot mit seinen Vorträgen bereits einplanen darf, hatte da ja noch kürzlich das Problem mit seiner Social-Media-Webseite, wo vor der Abschaltung unter der Rubrik [Über uns] stand “Dieser Blog wird finanziert von herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten in Deutschland, die Peer Steinbrück, seine politische Kompetenz und seine Persönlichkeit schätzen.“. Bon. Die Rubrik [Fettnäpfchen] wäre sicherlich passender gewesen.

Hotelanlage The Grove im Nordwesten Londons

Big Party in London 2013

Nun denn, raten Sie mal wer dieses Jahr auf der Gästeliste (Anm.: Update 4.6. siehe Fußnote) steht – richtig es ist wieder mal Wahl – ähem – ja genau: Die diesjährige bundesdeutsche Spitzenriege ist zum Rapport geladen, Merkel, Westerwelle und Steinbrück reisen gemeinsam zur drei-Tagesparty der „Masters of the Universe“ im fünf-Sterne Ressort The Grove nahe London an. Und damit auch wirklich nichts schief gehen kann, werden sie mal wieder von Finanzexperte Josef Ackermann begleitet. Wenn Sie nun noch ein bisschen Wahrscheinlichkeitsrechnung investieren, dann werden sie vorhersehen können, das mindestens einer, vielleicht auch zwei davon diesen September ziemlich geknickt in die Röhre schauen werden. Und spätestens 2014 einen angemessenen Folgeposten brauchen. „Hier werden Sie geholfen“ würde Ex-Bohlen Gattin Verona da wohl gerne anmerken. Na Schwamm drüber, in 2015 wird es sowieso niemanden mehr interessieren, und was schert mich mein Geschwätz von gestern.

Ach Quatsch, ist doch alles nur böser Zufall. Oder? Wiki: „...Für den Ökonom und zeitweiligen Indienbotschafter unter John F. Kennedy, John Kenneth Galbraith, rechtfertigt die Bilderberg-Konferenz dagegen kein einziges jener Geheimnisse, die um sie gemacht werden – außer einem: „Niemand glaubt ernsthaft daran, von diesen Treffen könne irgendeine Wirkung ausgehen. In Wirklichkeit sind sie nur eins: Freizeitgestaltung in ihrer distinguiertesten Form“. Na bitte, sag ich doch, alles nur Zufall. Wobei andererseits, Zufall könnte es wirklich sein. Denn da die „Masters of the Universe“ ja sowieso schon so ziemlich alles unter ihrem Nagel haben was in dieser Welt noch als zahlungskräftiger Arbeitgeber in Frage kommt, ja da ist die Wahrscheinlichkeit eines zufälligen Treffers nun auch nicht wirklich gering.

Wäre die Bilderberg-Konferenz die einzige „Freizeitgestaltung in ihrer distinguiertesten Form“ für Eliten und die die sich dafür halten, dann könnte man es mit einem Augenzwinkern abtun.

Aber da gibt es noch eine Reihe anderer, und wenn man in den jeweiligen Gästelisten quer vergleicht, kommen immer wieder dieselben Namen und Organisationen darin vor. „....Auch das Weltwirtschaftsforum in Davos, die Atlantikbrücke, die Münchner Sicherheitskonferenz oder die Treffen der Trilateralen Kommission sind so genannte "privat" organisierte Treffen. Rudolf Stumberger wundert sich über diese Auffassung von "privaten Treffen", bei denen praktisch kein Blatt Papier mehr zwischen die Welt der Wirtschaft und derjenigen der Politik passt. Er ordnet die praktizierte Geheimhaltung anders ein: Tendenzen der Re-Feudalisierung. Das heißt, dass neben den offiziellen, demokratischen Strukturen die inoffiziellen Strukturen zunehmend wieder an Gewicht gewinnen. Und diese Eliten, diese selbst ernannten Eliten, die oben sitzen, die schotten sich zunehmend ab. Eckart von Klaeden: „Auf der Konferenz können Sie ungehindert und offen über aktuelle Probleme der Weltpolitik und -wirtschaft diskutieren. Daher ist die Tagung auch vertraulich und findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dies ist die Vereinbarung unter allen Teilnehmern“ ...Hans-Jürgen Krysmanski, Anhänger der Power Structure Research (sozialwissenschaftlichen Forschung, die den Blick von unten nach oben richtet), Soziologe und Autor u. a. der Studien „Wem gehört die EU?“ sowie „Hirten & Wölfe - wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen“, ordnet die Bilderberger in die übrigen Begegnungen der Reichen und Mächtigen ein: Über Hartz-IV-Empfänger weiß man so ziemlich alles, dafür sorgen schon die Kontrolle der Ämter und eine begleitende Sozialforschung. ... Über die Reichen und Mächtigen dagegen weiß man nahezu gar nichts. Dabei seien diese es, die wirklich die Macht in den Händen halten: ... Macht hat auch etwas mit dieser Geld-Macht-Dimension zu tun und insofern können Politiker auch gar nicht die Ebene darüber, die Finanzeliten etwa, kontrollieren. Das hat Herr Tietmeyer ja schon 1996 sehr deutlich gesagt, die Politiker machten sich gar keine Vorstellungen davon, wie sehr sie von den Finanzmärkten abhängig sind.“ 

Stahlnetz: Der CFR

Den Bilderbergern nahe stehend ist das Council on Foreign Relations (CFR). Genauer genommen, dieses Produkt des I+II Weltkrieges ist die wirklich große Krake im Hintergrund.

Dazu entnehmen wir der Wikipedia: „Der Council on Foreign Relations (Rat für auswärtige Beziehungen) ist ein privater US-amerikanischer Think Tank... Die Gesellschaft wurde 1921 in New York von Edward M. House in Zusammenarbeit mit den deutsch-jüdischen Bankiers Paul Warburg und Otto Hermann Kahn, Amerikas einflussreichstem Journalisten Walter Lippmann sowie New Yorker Geschäftsleuten, Bankiers und hochrangigen Politikern gegründet. Dem Council wird seit seiner Entstehung eine herausragende Funktion im Formulierungsprozess außenpolitischer Strategien zugesprochen und gehört mit dem CFR eng verwobenen Chatham House und Carnegie Endowment for International Peace zur aktuellen Top 4 der weltweit wichtigsten und einflussreichsten privaten Think Tanks. Präsident des CFR ist seit 2003 Richard Nathan Haass, Vizepräsident ist Richard E. Salomon. Weiterhin sitzen im Board of Directors der ehemalige US-Außenminister Colin Powell und die allesamt im Investmentbanking und Private Equity („Heuschrecken“) agierenden Penny Pritzker, Peter George Peterson (Blackstone Group), Stephen Friedman (Ex-CEO Goldman Sachs & FED) und David M. Rubenstein (Carlyle Group)....“. Aktuelle bekannte Mitglieder sind „u.a...Finanzminister USA Jacob Lew, Direktor Geheimdienste John Negroponte, Staatssekretär John Bolton, ex-Finanzminister Timothy F. Geithner, CEO von Goldman Sachs Henry Paulson, Vizepräsidentin FED Janet Yellen, ex-Präsident US-Ratingagentur Standard & Poor’s Deven Sharma, Vorstandsvorsitzende von Goldman Sachs Lloyd C. Blankfein, Vorstandsvorsitzende von JPMorgan Chase James Dimon, Vorstandsvorsitzende Citigroup Michael E. O'Neill, CEO Private Equity-Giganten KKR und Besitzer ProSiebenSat.1 Media AG Henry Kravis, Mitbesitzer der Deutschen Telekom AG Stephen A. Schwarzman (Blackstone Group), Vorstandsvorsitzende American Express Kenneth Chenault, NBC Tom Brokaw, NBC Nightly News Brian Williams, ABC-News-Präsident Benjamin Sherwood, CNN David Gergen, CBS-News Douglas Brinkley, Redenschreiber Charles Krauthammer, einer der einflussreichsten Journalisten Amerikas Hendrik Hertzberg, Präsident des Jüdischen Weltkongress Ronald Lauder, Oberste Richter John Roberts, Richter am Obersten Gerichtshof Ruth Bader Ginsburg und Stephen Breyer, Kommandeur der ISAF Stanley A. McChrystal, ex-CIA-Direktor David Petraeus, ISAF-Kommandeur John R. Allen, Kommandierende General US European Command James G. Stavridis, Vorsitzende des American Council on Germany William M. Drozdiak, Karstadt Nicolas Berggruen, ex-FED Chef Alan Greenspan, Bürgermeister New York Michael Bloomberg, ex-Präsident Bill Clinton, usw...“.

Bei den Corporate Members „gibt es verschiedene Prioritätsstufen. An oberster Stelle stehen die Gründerfirmen des CFR, die sogenannten Founders. Hierzu zählen Goldman Sachs, JPMorgan Chase & Co., Bank of America, Merrill Lynch, Exxon Mobil Corporation, McKinsey & Company Inc. sowie der internationale Börsenbetreiber NASDAQ OMX Group. Es folgen die Corporate Members des Presidents Circle wie BP plc., Shell, Credit Suisse, Lockheed Martin und andere namhafte Global Player. Am Ende der Corporate Membership stehen die Premium Members wie Deutsche Bank, Airbus, De Beers, Google, VW, Walmart und Warburg Pincus.“

Die Aufgaben des CFR sind zum einen „die Arbeit in den Diskussions- und Studiengruppen, zum zweiten Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, eine pro-internationalistische Außenpolitik der USA zu fördern und schließlich die Arbeit im Formulierungsprozess US-amerikanischer Außenpolitik. In einer Globalisierung, die gepaart ist mit monetärem Nationalismus (monetary nationalism), sieht der CFR eine gefährliche Kombination, die finanzielle Krisen und geopolitische Spannungen erzeuge. Das David Rockefeller Studies Program ist eine der wichtigsten Säulen des CFR. Dieser CFR-interne Think Tank beschäftigt 70 hauptberufliche sogenannte CFR Fellows, die wirtschaftliche und politische Expertisen erarbeiten und über das bestehende Netzwerk an Entscheidungsträger übermitteln. Zudem schreiben die Fellows Bücher, Zeitungsartikel, Blogs und beteiligen sich an Diskussionen über die Weltpolitik. Eine weitere gewichtige Rolle spielt der CFR als privater Anbieter sowohl für offizielle staatliche Beratung als auch in der inoffiziellen Diplomatie.“.

Außenposten des CFR

Außenposten des CFR ist das „German Council on Foreign Relations: In der internationalen Politik firmiert die DGAP als German Council on Foreign Relations. Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik versucht in dieser Rolle aktiv die außenpolitische Meinungsbildung auf allen Ebenen zu begleiten. Seine Arbeit richtet sich an Entscheidungsträger in der deutschen Politik, Wirtschaft, Verwaltung, in NGOs, im Militär sowie an eine breite Öffentlichkeit. ... Die DGAP versteht sich als praxisorientierter Think Tank, der auf wissenschaftlicher Basis nachfrageorientierte Politikberatung anbietet. Sie finanziert sich über die Beiträge ihrer Mitglieder, über eingeworbene Projektmittel und über Zuwendungen von Sponsoren und Mäzenen, darunter unter anderem das Auswärtige Amt, die Deutsche Bank und der Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS.“.

Unser Joschka gründete nun mit Hilfe von Bilderbergern das European Council on Foreign Relations (ECFR): "..Es ist „...eine „Denkfabrik“, die Analysen zu Themen europäischer Außenpolitik bereitstellt und es sich zum Ziel gesetzt hat, als Fürsprecher einer kohärenteren und stärkeren europäische Außen- und Sicherheitspolitik aufzutreten. Gegründet wurde der ECFR 2007 von fünfzig prominenten Europäern, darunter ehemalige Regierungschefs und Minister, Parlamentarier und Intellektuelle, die sich für eine starke Rolle Europas in der Welt einsetzen. ..Der ECFR hat keine institutionelle Bindung zu dem US-amerikanischen Council on Foreign Relations.“ Zwar ist diese Organisation auf den ersten Blick mehr von (ex-Sicherheits-)Politikern dominiert, aber die große Finanzwelt steckt auch wieder dahinter. So etwa das Open Society Institute, mit der wiederum die Soros-Foundation, und die wiederum mit Rockefeller als Kofinanzier zusammenhängt.
 
"Sleep well Angelina". Aber es geht auch preisgünstiger im  The Grove Hotel . Familienzimmer fangen bei 235 Pfund an und gemessen an London's Preisen ist das durchaus angemessen. (Screenshot The Grove London)
Adel verpflichtet: Das Chatam Haus

Das Chatam House ist wiederum der britische Ableger: „...bis 2004 auch als Royal Institute of International Affairs bekannt, ist ein privater weltweit führender britischer Think Tank mit Sitz in London, dessen Mitglieder sich mit aktuellen Fragen und Analysen des politischen Zeitgeschehens auf internationaler Ebene befassen. Die hier erstellten Expertisen und Lösungsempfehlungen können durch die international tätigen Mitglieder weltweit gezielt verbreitet werden. Einzelne Schlüsselprojekte werden von der Rockefeller-Stiftung, der Bill & Melinda Gates Foundation, der Konrad Adenauer Stiftung, der NATO oder der EU finanziert und gesponsert. Neben den Corporate Members, bestehend aus 75 Großkonzernen, Investmentbanken, Energiekonzernen und 263 weiteren Firmen, zählt das Chatham House derzeit 2770 international tätige Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Diplomatie, Wissenschaft, Politik und Medien aus 75 Ländern zu seinen Mitgliedern und verfügte im Jahre 2012 über ein aus Wirtschaft, Stiftungen und Mitgliederbeiträgen generiertes Budget von 12 Mio. Euro. Die unter der Schirmherrschaft von Elisabeth II. stehende private, nichtstaatliche Non-Profit-Organisation ist Begründer der weltweit angewandten Chatham House Rule.“

Die Chatham-Hausregel ist dabei quite simple: “When a meeting, or part thereof, is held under the Chatham House Rule, participants are free to use the information received, but neither the identity nor the affiliation of the speaker(s), nor that of any other participant, may be revealed.” 

Die atlantische Stahlnetz-Brücke

Eine weitere wichtige Rolle, insbesondere für die Gestaltung deutscher Politik, spielt die Atlantik Brücke: „.... Der transatlantische Verein wurde 1952 in Hamburg von den Bankiers Eric(h) Moritz Warburg und Gotthard Freiherr von Falkenhausen, dem Unternehmer und Politiker Erik Blumenfeld, den beiden Publizisten und Herausgebern der Wochenzeitung DIE ZEIT, Marion Gräfin Dönhoff und Ernst Friedlaender sowie dem Unternehmer Hans Karl von Borries als Transatlantikbrücke gegründet. Als Initiator wirkte der ehemalige Präsident der Weltbank, Direktor der privaten US-Denkfabrik für die Gestaltung der US-Außenpolitik Council on Foreign Relations (CFR), sowie Vorstandsvorsitzender von Rockefellers Chase Manhattan Bank, John J. McCloy, entscheidend mit. Eines der frühen Mitglieder war der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt. Das 1956 in Atlantik-Brücke umbenannte Elite-Netzwerk gilt als „eine der einflussreichsten und exklusivsten Organisationen der Berliner Republik“.

Nun die Querverbindungen springen förmlich ins Auge. Unter mehreren auch hier wieder das Presseorgan Die Zeit mit quasi ständigem Sitz bei den Bilderbergern. Die fällige Bemerkung über die Banken darf ich mir sicher ersparen. Aber natürlich geht’s auf der Brücke noch viel weiter: „Aktuelle Mitglieder der Atlantik-Brücke sind u.a. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesaußenminister Guido Westerwelle, der Vorsitzende der Deutschen Bank AG Jürgen Fitschen, der Vorstandsvorsitzende von Goldman Sachs Deutschland Alexander Dibelius, der Vorsitzende der Axel Springer AG Mathias Döpfner, der Staatssekretär von Angela Merkel Eckart von Klaeden, der Leiter für Regierungsbeziehungen der Axel Springer AG und Bruder von Merkels Staatssekretär Eckart von Klaeden Dietrich von Klaeden, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, der Vorstandsvorsitzende von EADS Thomas Enders, sowie VW- und Porsche-Vorstand Martin Winterkorn. Zudem der Präsident der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bundesbank und ehemalige Rothschild-Banker Andreas Raymond Dombret, die gemeinsam im Board of Directors der als „Bank der Zentralbanken“ geltenden Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel sitzen.“ .

Der Chef des einflussreichen Think Tanks in gewohnter Personal- und Einflussüberschneidung ist, na sie werden es kaum erraten, ja natürlich der liebe Friedrich Merz, Ex-CDU Minister und ebenfalls vom Netzwerk gut versorgter Polit-Aussteiger. In 2009 wurde er wegen Unions interner Querelen geschasst, und jetzt wundern sie sich bitte nicht, mit Wirkung zum 1. Juli 2009 wurde zum Vorsitzenden just dieser Atlantik-Krücke berufen. Aber das reicht alleine nicht, Merz "ist Partner der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Mayer Brown LLP, weiterhin gehört Merz den Aufsichtsräten der AXA Konzern AG, der DBV-Winterthur Holding AG, der Deutsche Börse AG, der IVG Immobilien AG und der WEPA Industrieholding SE als Vorsitzender an". Verbindungen siehe ganz oben.

Immer noch nicht genug? Nein, Merz ist auch "Mitglied des Verwaltungsrates der BASF Antwerpen N. V. und der Stadler Rail AG. 2010 wurde er in den beratenden Verwaltungsrat der Bank HSBC Trinkaus berufen, wo er die Nachfolge des verstorbenen Otto Graf Lambsdorff antrat. Außerdem wurde er Mitglied im Aufsichtsrat der Bank.“

Nicht vergessen sollten wir natürlich seine politischen Leistungen zu würdigen, für die verdienterweise diese Zuwendungen erhielt: „Die Schwerpunkte in der politischen Arbeit von Merz waren die Finanz-, die Sicherheits- und die Familienpolitik. Merz war Teil des wirtschaftsliberalen Flügels seiner Partei. Er setzte sich für verschiedene Deregulierungen und Privatisierungen ein. Weiter plädierte er für Kürzungen von Sozialleistungen und befürwortete Gentechnologie und Kernkraft. Im Jahr 2006 kam es zu Diskussionen über Interessenkonflikte von Bundestagsabgeordneten, die neben ihrem Abgeordnetenmandat weitere Tätigkeiten ausübten. Im Ergebnis wurde eine Einigung dahingehend erzielt, dass Abgeordnete ihre Einkünfte aus Nebentätigkeiten offenlegen sollten, um der Öffentlichkeit eine Bewertungsmöglichkeit zu geben. Merz legte im Jahr 2006 mit acht weiteren Abgeordneten des Deutschen Bundestags beim Bundesverfassungsgericht Klage gegen die Offenlegung ihrer Nebeneinkünfte ein. Bei der Verhandlung verwies er darauf, dass Abgeordnete laut Artikel 38 des Grundgesetzes „an Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen“ sind. Wenn nun der Bundestagspräsident Sanktionen gegen sie verhängen könne, wenn sie die Offenlegungspflicht der Nebeneinkünfte verletzen, sei das ein Verfassungsverstoß. Er kritisierte, die Regelung werde viele Abgeordnete ins lebensferne Berufspolitikertum treiben. Am 4. Juli 2007 wies das Bundesverfassungsgericht die Klage von Merz und acht weiteren Bundestagsabgeordneten mit der Begründung zurück, dass das politische Mandat „im Mittelpunkt der Tätigkeit“ stehen müsse und kritisierte die Gefahr der Befangenheit durch Zahlungen von Unternehmen. Merz wandte sich außerdem gegen die Mitbestimmung von Arbeitnehmern in Unternehmen, bzw. wollte diese einschränken, so sollte etwa die Vorstandsbestellung den Arbeitgebervertretern überlassen sein.“.

Man gibt sich also gegenseitig die Klinke in die Hand und Merz besitzt auch noch die Frechheit den Verfassungsgrundsatz „an Weisungen nicht gebunden und nur seinem Gewissen unterworfen“ für seine Scheinheiligkeit in Beschlag zu nehmen. Der Pate lässt grüßen und Berlusconi wird mir bei solcher Recherche ungemütlich sympathischer. Der Italiener macht immerhin kaum einen Hehl daraus, das er mit demokratischer Volksvertretung nichts am Hut hat. Das macht ihn fast schon wieder ehrenwert.

Verschwörungstheorien und fehlende Öffentlichkeitsarbeit

Der Öffentlichkeit bekannter sind natürlich die jährlichen Gipfeltreffen in Davos zum World Economic Forum, wo aber auch wieder die großen Finanziers und die selben politischen Eliten am Tisch sitzen. Wiki: „...Das Forum wird von seinen rund 1000 Mitgliedsunternehmen finanziert. Das typische Mitgliedsunternehmen ist ein globales Unternehmen mit einem Umsatz von über 5 Mrd. US-Dollar, wobei dies je nach Branche und Region variieren kann. Außerdem zählen diese Unternehmen zu den wichtigsten Unternehmen ihrer Branche und/oder ihres Landes und spielen bei der Zukunftsgestaltung ihrer Branche und/oder Region eine wichtige Rolle.“.

Bei den Bilderbergern schätzt man dagegen keine Öffentlichkeit. Wegen der Geheimhaltung gibt es nur wenige durch gesickerte Quellen von denen man auch einige auf der Seite findet. Erschreckender als diese Tatsache ist aber, dass auch die westlichen Massenmedien, inklusive der BRD, sich tatsächlich an die House-Rules halten. Praktisch kein Blatt dass zu den großen Medienkonzernen gehört, hat je darüber mehr als ein paar belanglose Zeilen berichtet. Erst seit kurzem taut das Eis ein wenig. Und das obwohl dieser US-Think-Tank im Schlepptau mit dem CFR seit der Hochphase des kalten Krieges erheblichen Einfluss gerade auf die Deutsche Politik ausgeübt hat und auch weiterhin tut.

Laut Prof. Hans-Jürgen Krysmanski sind "„policy discussion groups“ wie das CFR machtpolitische Kerne des Einflusssystems der Eliten". Im Netz findet man zu seinen wissenschaftlichen Untersuchungen der Bilderberger  einiges an Informationen: „Haben Sie schon einmal von diesen Bilderberg-Konferenzen gehört? Nein? Das haben viele Menschen nicht, da es bezüglich dieses Themas ein weltweiten medialen Blackout gibt. Diesem Blackout soll diese Homepage entgegenwirken. Sie entstand im Rahmen eines universitären Forschungsprojektes am soziologischen Institut der Westfälischen-Wilhelms Universität Münster. Im Sommersemester 2007 fand unter der Leitung von Professor Hans-Jürgen Krysmanski das Seminar "Wem gehört die Europäische Union? Strukturen und Akteure des Reichtums" statt. .....Einmal im Jahr Treffen sich für drei Tage mächtige Menschen aus Politik, Wirtschaft, Militär, Wissenschaft, Medien, der Zivilgesellschaft und aus Gewerkschaften polizeilich abgeschottet in wechselnden Luxushotel der westlichen Welt. Was auf diesen Treffen genau geschieht entzieht sich damit der Öffentlichkeit und jeder demokratischen Legitimation. Insbesondere da die großen Medien nicht über dieses Konferenzen berichten. …. Neuerdings dringt das Thema Bilderberg-Konferenzen, wenn auch nur sehr gering, in die öffentlichen Medien und in die Wissenschaft ein, was es ermöglicht sie auf der Grundlage neuer Quellen besser als zuvor zu beleuchten. Die Frage dabei ist, wie viel Einfluss informellen private Netzwerke der Reichen auf politische Entscheidungsprozesse, im nationalen, europäischen und globalen Handlungsrahmen ausüben. Die Wahrnehmungen der Menschen, die von den Bilderberg-Konferenzen wissen geht sehr stark auseinander. Auf der einen Seite ist die Rede von einer geheimen Weltregierung. Auf der anderen Seite von offenen Diskussionen zu verschiedenen Themen der Weltpolitik, welche politisch keine direkten Folgen haben. Dies sind die Extrema, welche den Diskurs kennzeichnen.“.




Verschwörung oder harmlose Party: 
Psychologie der Machteliten und Machtlosen

Nun ja, man sollte mal drüber nachdenken. Aber gemach, was ist denn eigentlich eine Verschwörung? Das Lexikon der Wikipedia definiert: „Eine Verschwörung ist eine heimliche Verbündung mehrerer Personen mit dem Zweck, einen Plan auszuführen; dieser kann ein selbstsüchtiges, verwerfliches Ziel haben und den Schaden anderer beinhalten, aber auch die Beseitigung tatsächlicher oder vermeintlicher Missstände umfassen. Eine Verschwörung beruht also nicht notwendigerweise auf moralisch niederen Motiven, sie basiert jedoch stets auf Täuschung.“

Nun, das wesentliche einer Verschwörung ist also nicht das jemand Böses ausheckt, sondern eher der Tatbestand der Täuschung, hier im allgemeinen der Öffentlichkeit also. Verschwörung, oder Konspiration, kann prinzipiell auch zu Guten Zwecken dienen. Im Lexikalischen Sinne haben wir es also tatsächlich mit einer Verschwörung zu tun. Ob sie allerdings moralisch negativ zu bewerten ist, ist eine völlig andere Frage. Schließlich kann man sich ja auch zu dem Zwecke verschwören, selbstlos die Welt zu retten, vor Hunger, Krieg und Armut. Kann man, muss man aber nicht.

Verschwörungstheorien wachsen natürlich aus dem Nichtwissen von dem, was da hinter verschlossenen Türen geschieht, zumal aus den prinzipiell geheimen Gästelisten immer wieder die Namen unserer prominentester Volksvertreter durchsickern. Harte Beweise für das eine oder andere Extrem, Big-Party oder eventuell sogar illegitime Verschwörung, sind unter solchen Umständen von vorne herein ausgeschlossen. Ganz erfrischend hier vielleicht der Einblick in die seltsame Rolle der Presse und die Wahrnehmung eines Beteiligten in einem PDF der Lobbycontrol.

Die Bilderberg-Konferenz wurde wegen der offensichtlich auch von der Presse gestützten Geheimniskrämerei schon mal als verdeckte „Weltregierung“ vermutet, ein Ding das genauso wie die Gästeliste kaum beweisbar ist. Wiki: „...Eine Zentralsteuerungshypothese sieht hinter bestimmten Ereignissen oder Entwicklungen das gezielte, verborgene Wirken von Personen oder Personengruppen, etwa von Geheimbünden oder Geheimdiensten. Dafür kann es gute Gründe geben, da solche Verschwörungen in vielen Bereichen der Wirklichkeit tatsächlich vorkommen. Als Beispiele können mafiose Strukturen, verschiedene Formen der Wirtschaftskriminalität und Lobbyismus angeführt werden. Auch wenn sie das Geschehen in der Regel nur als ein Faktor von vielen beeinflussen, können verborgene Steuerungszusammenhänge für manche Ereignisse von ausschlaggebender Bedeutung sein.“. Teilnehmer der Bilderkonferenz, die im nach hinein doch geplaudert haben, sind in der persönlichen Wahrnehmung sehr unterschiedlich gelagert: „...Um den Einfluss der Treffen ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien, nur wenige Auswirkungen sind tatsächlich belegbar bekannt: ….Die Einführung des Euro geht nach Angaben des belgischen Unternehmers und Ehrenvorsitzenden Etienne Davignon auf eine Bilderberg-Konferenz zurück. Bei der Gestaltung der Römischen Verträge zur Gründung der EWG kam nach Angaben des ehemaligen US-Botschafters in Berlin, John McGhee, den Bilderberg-Konferenzen eine „wichtige Rolle“ zu".

Andere Sozialforscher sind in der Bewertung aber deutlich negativer: „Der deutsche Autor Andreas von Rétyi spekuliert darüber, ob sie hinter den Morden an Alfred Herrhausen und Olof Palme stecken würden, die sich angeblich gegen sie gestellt hätten. Auch schreibt er den Bilderbergern die Verantwortung für eine ganze Reihe einschneidender Ereignisse der Nachkriegsgeschichte zu, wie etwa: Die Ölkrise 1973, mit der angeblich Währung und Wirtschaft der USA gestützt werden sollten. Die künstliche Verknappung des Rohöls soll auf der Konferenz von 1973 in Saltsjöbaden beschlossen worden sein. Die deutsche Wiedervereinigung von 1990; angeblich „beschlossene Sache“ nach der Konferenz 1988 in Telfs-Buchen, zu der auch der damalige Kanzler Helmut Kohl eingeladen worden war. Den Irakkrieg von 2003, der dadurch ermöglicht worden sei, dass die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ursprünglich Osama bin Laden geltende Aggression der westlichen Welt gezielt auf den insofern unbeteiligten irakischen Diktator Saddam Hussein umgelenkt wurde. 1991 soll Bill Clinton, damals noch Gouverneur von Arkansas, an der Konferenz teilgenommen haben und dort auf das Projekt des nordamerikanischen Freihandelsabkommens eingeschworen worden sein. Er habe Unterstützung zugesagt. Ein Jahr später sei er im Weißen Haus angekommen. Am 1. Januar 1994 trat das Abkommen in Kraft.“ 

Natürlich, auch das gibt die Gästeliste der immer gleichen Verdächtigen her, hat das auch ein weiteres historisch-aktuelles Geschmäckle: „...Die Anti-Defamation League beklagt, dass sich die Kritiker in ihrer Polemik gegen eine angeblichen Verschwörung der Familien Rockefeller und Rothschild, die internationalen Banken und eine sich angeblich anbahnende „geheime Weltregierung“ antisemitischer Stereotype bedienen.“

Irgendwo zwischen alledem mag sich die Wahrheit verstecken: „...Der belgische Soziologe Geoffrey Geuens von der Université de Liège widmete den Bilderbergern ebenfalls ein Kapitel in einem seiner Bücher. Obwohl Geuens die zwanghafte Geheimhaltung der Bilderberger missbilligt, schließt er sich keiner Verschwörungstheorie an. Er benutzt das Beispiel der Bilderberger, um aufzuzeigen, wie Macht funktioniert und welche engen Beziehungen zwischen Politik, Wirtschaft und den Medien bestehen. Der Hamburger Historiker Bernd Greiner, Bereichsleiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und Experte für den Kalten Krieg, meint: „Wir haben es mit einer, Luhmann würde sagen, funktionalen Ausdifferenzierung von Staatlichkeit zu tun. Und wir sind weit davon entfernt, diese Zuständigkeiten so gebündelt zu sehen, wie es bisweilen unterstellt wird. Es gibt dieses eine, steuernde Zentrum weder in der Ökonomie noch in der Politik. Die Ratlosigkeit der Politik angesichts einer Krise wie Griechenland oder die verminderten Interventionspotenziale spiegeln genau das Problem.“.

Der letzte Satz ist bezeichnend für die aktuelle Krise, die nur vordergründig eine Finanzkrise ist. Sie ist in allererster Linie eine Verteilungskrise, eine wiederkehrende systemische Krise des Kapitalismus, eine Krise der Demokratie, der Internationalen und Europäischen Institutionen. Eine Krise die bei den politischen Verantwortlichen zunehmend zu Ratlosigkeit und Verzweiflung führt und zu dem scheinbar widersinnigen Effekt, dass sich die panischen Schafe in die starken Pfoten der Wölfe flüchten. („...die Politiker machten sich gar keine Vorstellungen davon, wie sehr sie von den Finanzmärkten abhängig sind.“).

Stahlnetz: The evidence

Das zeigt sich auch in dem vom letzten Jahr ausnahmsweise herüber gekommenen Protokoll „2012 Bilderberg Meeting Report“. Die Kernaussage des elitären Denkens auf solchen Treffen ist:

The key message from the meeting: 
 come hell or high water, 
 it is imperative to preserve 
 the functioning of the banking system.“ 

Wenn wir erkennen wie Politiker der oberen Ebenen ständig und unentwegt mit diesem Imperativ (engl. imperative wurde in D etwas holprig als "alternativlos" übersetzt) geimpft werden, dann kann man sich nicht mehr wundern, dass in der EURO-Rettung Sinn und Verstand, und der Durchschnittsbürger sowieso, auf der Strecke bleiben. Der gesunde Menschenverstand wurde von vielen an der Garderobe eines der vielen Spitzenhotels der Think Tanks, zwischen Häppchen und gegenseitiger intellektueller Bauchpinselei, schlichtweg hängen gelassen.

In einem Stahlnetz-Krimi käme jetzt die Lösung des Falles und dannach die Verhaftung der „wahren“ Schuldigen. Im richtigen Leben ist das leider kaum möglich. Was wir unter der öffentlich, und leider auch in den Eliten, wahrgenommen Oberfläche entdecken, hat durchaus den Charakter einer „Verschwörung“ (siehe dazu auch ein kurzes EU-Parlament Video), zumal ja auch die konsequente Einbindung der Presse in die Geheimniskrämerei offensichtlich ist.

Stahlnetz: Die Aufklärung "Sing for your Supper"

Das wirklich tückische ist die psychologische Falle die hinter alledem steht. Einerseits darf man vielen, wenn nicht den meisten unmittelbar Beteiligten unterstellen, dass sie es im Grunde doch nur „gut meinen“. Nämlich den in dieser Investoren-Subkultur tief verwurzelte Glauben daran teilen, dass das Wohl der Finanziers direkt und unabdingbar mit dem Wohlstand für Alle verknüpft sei. Eine möglich unmittelbare Rückkopplung von zu viel Geld in zu wenigen Händen, das kommt in dieser Pferdeäpfeltheorie natürlich nicht vor.

Die ständige Indoktrination unserer Volksvertreter, aber auch der Presse als vierte Macht, mit dieser angeblich unumstößlichen „Weisheit“ zeigt seine Wirkung. Insbesondere wenn sie verbunden ist mit einer intellektuellen Bauchpinselei, da jeder der nicht zu solchen Think Tanks eingeladen wird, sich als zweit- und drittklassiger Loser empfinden muss. Selbst die zweite Garde und die wenig beachteten Hinterbänkler aller Fraktionen werden so mittelbar aber sehr effektiv mitgezogen. Denn wer will denn schon seinen möglichen Anschluss nach ganz oben gänzlich aufs Spiel setzen?

Sorry, ausgebucht!  (Screenshot The Grove Hotel)
Rückgrat und gesunder Menschenverstand sind da ausgeprochen hinderlich, und das Schulden natürlich mit neuen Schulden bekämpft werden müssen wird dann auch plötzlich einleuchtend. Und das natürlich der Staat, und damit der Durchschnittsbürger dafür sparen muss. Wer denn sonst? Äh, Schuldenvernichtung ist immer Vermögensvernichtung, Vermögensaufbau ist immer Schuldenaufbau? Wer sagt denn so was? Die Bundesbank? Pah, alles Quark, die wirklichen Denker werden auf die Bilderberg-Party eingeladen. So ist es! Wer nie eine Einladung zur Bilderberg-Konferenz erhielt, gehört einfach nicht dazu.

Extremste Ausmaße erreicht diese Korrumpierbarkeit der Politik im ex-Taxifahrer-links-grünen-Friedolin-Aktivist Joschka, der nie eine Berufsausbildung beendete, aber mit akademischen Auszeichnungen überschüttet wurde (2002 Dr. h.c. der Universität Haifa, 2006 Dr. h.c. der Universität Tel Aviv, 2006 Gastprofessur Princeton, 2010 Gastprofessur Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und als Prof. Dr. Dr. h.c. Joschka Fischer inzwischen ein Institut leitet, dass von Kritikern schlichtweg als Lobbyorganisation und Gesamt Europäische Aufrüstungsschmiede gezichtigt wird.

Es ist klar dass solchermaßen angefütterte Politiker am Ende völlig abgehoben von der Welt „da unten“ agieren, ja selbst sich eine Welt zurecht legen müssen, in der die Welt so ist wie sie angeblich sein muss, nicht wie sie besser sein könnte. Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing...oder wie der Amerikaner sagt „sing for your supper“. Wie biegsam Politiker unter solchen Einflüssen werden zeigte nicht zuletzt der Fall Trittin. Trittin durfte nämlich in 2012 den jährlichen "big banana" bei den Bilderbergern geben, was er u.a. in einem schnodrigen Interview notdürftig zu rechtfertigen suchte. Wozu Hr. Brüderle (FDP) ein paar nette Bemerkungen machte, wovon es ein kleines Video gibt. Brüderle scheint dem verbalen Gift nach also bisher noch keine Ladung zur mentalen Oberklasse erhalten zu haben.

Weltfremd natürlich wäre es auch, zu glauben dass die Welt regierbar sei, ohne intimen Gedankenaustausch zwischen wesentlichen gesellschaftlichen Kräften, aus Finanzwelt, Industrie und Militär auf höchster Ebene. Das muss es geben. Nur, wo bleibt der ehrliche Gedankenaustausch, wo ist der Think Tank mit den Abgehängten in dieser Welt und speziell in Südeuropa? Wenn er überhaupt stattfindet, er ist kaum mehr als ein Feigenblatt.

Und selbst wenn, würde er ernst genommen? Natürlich nicht, der Kaninchenzüchterverein Köln-Kalk kann nun mal keine Ehrendoktorwürden verleihen und wird intellektuell sowieso nicht ernst genommen. Da hilft auch das Kumpel hafte „gib mir mal ne' Flasche Bier“ nicht, wenn Gerhard mal im Ruhrpott auftaucht. Da lacht nicht nur der Kumpel, sondern auch die Gazetten und das politische Berlin. Es verwundert also nicht wenn bei den nächtlichen Eurorettungsaktionen immer nur Politiker und Banker zur Entscheidungsfindung heranrücken um mal wieder ein paar Milliarden locker zu machen. Gewerkschaften und Steuerzahlerbund, geschweige denn Vertreter der Sozialhilfeverbände, die sind da nie anwesend und werden es auch nie sein.

Und, sollte sich doch mal ein Gewerkschaftsboss dazwischen mogeln: Kein Problem, den laden wir dann einfach zur nächsten Bilderberg-Konferenz ein. Einen „big banana“ mehr oder weniger können wir uns schon noch leisten.

Stahlnetz: Die Verhaftung

Das Konzil (engl. Council) von Konstanz (1414–1418) war eine fast vierjährige Think Tank Big-Party der frühen Neuzeit. Damals war noch die Kirche und der Klerus neben den Adligen der wesentlichste Faktor der Gesellschaftsordnung. Natürlich hatte das auch etwas mit Geld und ganz erheblich mit Macht zu tun.

Es, das Geld, hatte nur eine andere Verkleidung. Die Hure Geld, sie verführt und treibt es mit jedem der ihr nahe genug kommt. In Balzac's Erzählung La belle Impéria (1837) ist die schöne Imperia eine Kurtisane, die zum Konzil in Konstanz weilt. "Imperia ist die Geliebte von „Kardinälen, Würdenträgern, Fürsten und Markgrafen“ und entpuppt sich als heimliche Herrscherin des Konzils: „Die Höchsten wie die Kühnsten umwarben sie, ein Wink von ihr konnte einem das Leben kosten, und selbst unerbittliche Tugendbolde krochen bei ihr auf den Leim und tanzten gleich den andern nach ihrer Pfeife.“.

Die Riesensauce, auf der die Beteiligten die zukunftige Aufteilung ihre gläubigen Schäfchen auskasperten, war wegen des üblichen Resourcenstreits zwischen verschiedenen Hedgefonds, äh Päpsten, notwendig geworden. Zum Ergebnis entnehmen wir dem online-Lexikon: „...von den drei oben erwähnten causae löste das Konzil mit der Absetzung dreier Päpste nur die causa unionis [nur ein Papst].….Die in Konstanz versäumten echten Reformen der Kirche an Haupt und Gliedern wird Martin Luther einhundert Jahre später dramatisch anmahnen. Schließlich wurde die causa fidei mit dem Wortbruch des freien Geleits und der Verbrennung des böhmischen Rebellen Jan Hus sogar verschlimmert, indem der religiöse Disput eine national-tschechische Wendung erhielt. In Böhmen führte das Konstanzer Urteil über den populären Prager Prediger und Kirchenreformer und dessen Lehren zu Volksaufständen, die schließlich in den Hussitenkriegen endeten. ...Eine wichtige Rolle spielten die sogenannten Böhmischen Brüder, die Nachfolger der Hussiten, noch 1618 beim böhmischen Ständeaufstand, der schließlich den Dreißigjährigen Krieg auslöste.“

Verteilung der Pfründe nach oben und Lasten nach unten, versäumte Reformen an den Köpfen der Gesellschaft, Aufstand der Benachteiligten und endlich der fällige Weltenbrand. Wie sagte man im Stahlnetzkrimi doch immer gleich zu Anfang: „Nur Namen von Personen, Plätzen und die Daten wurden geändert um Unschuldige und Zeugen zu schützen. Sollte trotzdem Namensgleichheit mit lebenden oder toten Personen auftreten, so ist sie rein zufällig.“.

Die Imperia ist „eine Statue im Hafen von Konstanz. Die Figur ist aus Beton gegossen, neun Meter hoch, 18 Tonnen schwer und dreht sich mit Hilfe eines Rundtisches innerhalb von vier Minuten einmal um die eigene Achse.

... Es handelt sich bei den Figuren der Imperia nicht um den Papst und nicht um den Kaiser, sondern um Gaukler, die sich die Insignien der weltlichen und geistlichen Macht angeeignet haben. Und inwieweit die echten Päpste und Kaiser auch Gaukler waren, überlasse ich der geschichtlichen Bildung der Betrachter.“ (Zitat: der Erbauer Peter Lenk).

Die Statue war zu Beginn heftig umstritten. Vor allem die Konstanzer Kirchen und konservative Mitglieder des Stadtrats protestierten gegen die Erhebung einer Prostituierten zum Denkmal und gegen die derbe Darstellung des Papstes. Da die Statue jedoch auf einem Privatgrundstück errichtet wurde, war es dem Stadtrat nicht möglich, den Bau zu verhindern. Für die neue Touristinformation im Konstanzer Bahnhof fertigte Lenk eine Kopie des nackten Papstes an. Auch sie wurde heftigst kritisiert. Der Aufsichtsrat der Fremdenverkehrsgesellschaft unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Horst Frank beschloss mittlerweile die Entfernung der Skulptur.


Verständlich. Es kann nicht sein was nicht sein darf. Und wer interessiert sich schon für die Geschichte dahinter. Erbaut wurde die Statue übrigens vor genau zwanzig Jahren. Sechs Jahre später wurde der EURO als Buchgeld eingeführt.




(Fußnote:  Aktualisierung vom 04.06.2013:  Neue "Offenheit" beim Bilderberg-Club. Mit dem Meeting 2013 gibt es erstmalig eine Webseite der Organisation. Vermutlich wegen der in 2012 erfolgreichen öffentlichen Proteste. Eine vorläufige Gästeliste "Current list of Participants, Status 3 June 2013" findet man auf der neuen Bilderberger Seite. Mit Stand 3.6. sind Merkel/Westerwelle/Steinbrück, entgegen erster Meldungen, nicht mehr aktuell dabei. Ob Hochwasser, Wahlkampfangst oder einfach diesmal keine Lust, es ist (noch) nicht bekannt.)



Kommentare:

  1. Die Frage nach dem "Wer sind Die eigentlich" die uns den ganzen Mist einbrocken treibt mich auch um.

    Neben Prof. Hans-Jürgen Krysmanski gibt es weitere seriöse Wissenschaftler die aufzeichnen wie die Netzwerke der Macht funktionieren.

    Ich kann das streng wissenschaftliche Werk "The Shadow Elite" der US-Amerikanischen Anthropologin Janin R. Wedel empfehlen, die auch einiges über unseren Ex-Kanzler Schröder zu sagen hat.

    http://www.amazon.de/Shadow-Elite-Undermine-Democracy-Government/dp/0465091067

    oder http://shadowelite.net/

    Bei der Frage wer "Die" sind, wird man gerne in die Verschwörungstheoretiker Ecke gesteckt.

    Sozialwissenschaftliche Forschung kann hier helfen offensichtliche Netzwerke der Gefälligkeiten und Postenschieberei aufzuzeigen, die Beweisbar belegen, wie viel Einfluss und Macht nicht legitimierte Interessensgruppen in unserer Welt ausüben.

    Es gibt nicht "die Verschwörung" im Dunkeln, sondern für jeden der hinsieht augenfällige Interessensgruppen die aufgrund ihrer Nähe zum großen Geld mehr Einfluß ausüben als die Verbreitung ihrer Überzeugungen in der Allgemeinheit rechtfertigen könnte.

    Und es gibt offensichliche Korruption wie die der Herrn Klaeden, Schröder, Koch oder Merz, die jedem klar denkendem Menschen das letzte bischen Vertrauen in unseren Staat rauben muss.

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  2. Ich schaue mich immer gerne in Deinem Blog um, weil es immer etwas zum Lernen gibt. Einen Lesetipp, für den Fall, dass Du ihn nicht kennst und weil es zum Thema passt:
    http://www.amazon.de/Secular-Cycles-ebook/dp/B005CQAIPE/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1370342882&sr=8-1&keywords=Peter+Turchin. Nach Peters Theorien ist die Verteilung der Ressourcen in einer Gesellschaft zwischen Eliten und der Bevölkerung oft genug ein Nullsummenspiel. Also sind Deine Ausführungen für mich nichts Neues. Der Aufstieg von Bilderberg und Co. hängt meiner Meinung mit der Krise des Nationalstaates zusammen. Spätestens seit dem I. WK erweist er sich immer untauglicher die Probleme moderner Gesellschaft zu lösen. Übrigens ein ähnliches Phänomen finden wir auch beim Übergang von Mittelalter zur Neuzeit, als die mittelalterliche Stadt sich untauglich erwies, die ökonomischen und gesellschaftlichen Probleme der Neuzeit zu lösen. Mit dem Untergang der Stadt als bestimmende politische Einheit wurden auch die demokratischen Prinzipien, nach denen diese Städte geführt wurden, zerstört. Ein ähnliches Spiel gab es auch, als die antike Polis unterging.

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