Montag, 6. Mai 2013

Welt(im)Krieg

„Als Weltkrieg wird ein Krieg bezeichnet, der durch sein geographisches Ausmaß über mehrere Kontinente und durch den unbegrenzten Einsatz aller verfügbaren strategischen Ressourcen weltweite Bedeutung erlangt oder der im Ergebnis eine grundsätzliche Neuordnung der weltweiten internationalen Beziehungen mit sich bringt. Der älteste Beleg für die Verwendung des Begriffs, den das Grimmsche Wörterbuch zitiert, stammt von 1559.“ (Q: Wikipedia

Nun, die Definition eines Weltkrieges ist im wesentlichen durch die Punkte (1) auf mehreren Kontinenten, (2) unbegrenzter Einsatz, (3) weltweite Bedeutung und die (4) Neuordnung weltweiter Beziehungen gegeben. Zum „offiziellen“ Weltkrieg, der aber noch nie als solcher verkündet wurde (sondern erst im nach hinein oder kurz vor Schluss so genannt wurde) , fehlt also nur noch der Punkt 3, der „unbegrenzte Einsatz“ aller verfügbaren strategischen Ressourcen. Und selbst der ist schon fast gegeben, denn dass die USA finanziell aus dem letzten Loch pfeift inzwischen jeder Spatz, und weiß es auch die Taube auf dem Dach. Die Folge ist, dass die aktuellen Kriegsanstrengungen der niedergehenden Weltmacht schon hart an der Grenze des von den USA leistbaren entlang hangelt.


Das man sich deswegen zurückhalten will und muss ist klar, zumindest der Obama-Administration, jedoch sind die Zwangsläufigkeiten des anstehenden Weltkrieges viel zu brutal, als dass sich die mit Abstand größte Kriegernation dieser Welt ewig auf ihre „friedlichen“ Drohnen und diplomatisch-geheimdienstlichen Aktionen zurück ziehen könnte. Die faktisch neue Weltmacht China, die militärisch noch nicht ganz so weit, aber wirtschaftlich in Wahrheit schon an den USA vorbei gezogen ist, versucht zur Zeit ebenfalls den Ball noch so flach wie möglich zu halten. Aber auch Konfuzius steht dabei auf tönernen Füssen. Denn die Interessenskonflikte zwischen den beiden steilen sich zwangsläufig immer weiter auf, es sei denn, wenigstens einer der beiden würde auf seine territorialen und weltanschaulichen Einflusssphären freiwillig verzichten.

Davon kann natürlich keine Rede sein. Im Gegenteil, Amerikas erneuerter „Pivot to the pacific“ steht dem entgegen. Der offizielle Congressional Research Service schreibt dazu: „In the fall of 2011, the Obama Administration issued a series of announcements indicating that the United States would be expanding and intensifying its already significant role in the Asia-Pacific, particularly in the southern part of the region.....Since President Obama’s inauguration in 2009, the United States has given considerable time and emphasis to Southeast Asia and to regional multilateral institutions. Under President George W. Bush, the United States emphasized the strengthening of relations with existing allies in Asia, began moving toward a more flexible and sustainable troop presence in the region, concluded a free trade agreement (FTA) with South Korea, brought the United States into the Trans-Pacific Partnership (TPP) FTA negotiations, and forged new partnerships with India and Vietnam. All of these steps have been furthered by the Obama Administration. That said, there are a number of new aspects of the shift. The most dramatic lie in the military sphere. As part of a plan to expand the U.S. presence in the southwestern Pacific and make it more flexible, the Obama Administration has announced new deployments or rotations of troops and equipment to Australia and Singapore. U.S. officials have also pledged that planned and future reductions in defense spending will not come at the expense of the Asia-Pacific (nor of the Middle East). Additionally, underlying the “pivot” is a broader geographic vision of the Asia-Pacific region that includes the Indian Ocean and many of its coastal states....“

Nun, wer die Botschaft nicht hört muss taub sein. China ist es jedenfalls nicht. Der einzige Grund warum sich das „Marzipanschweinchen“ Kim "Bumm" in Nordkorea seine Großmäuligkeit leisten kann ist, neben der Atomwaffe, einzig das Kalkül das es sich China keineswegs leisten könnte, dass die mit den USA marschierende Südkoreaner bis nach Norden an die Chinesische Grenze vorrücken. Das ist heute nicht anders als 1950, ja es ist aufgrund des chinesischen Aufstiegs sogar noch unmöglicher.

Und wenn das nur schon alles wäre. Aber da sind die alten Streits mit Japan um ein paar Inseln, oberflächlich, aber da sind historisch noch viel größere Hühnchen zu rupfen. Auch dort wird man nicht nachgeben, und der weitere USA Posten Taiwan wird als chinesische Staatsräson angesehen und früher oder später einverleibt werden. Und da sind noch eine ganze Reihe kolonialistischer pazifischer Besitzungen der USA aus nicht lang vergangenen Zeiten und zweifelhafter historisch ethnischer Rechtfertigung. So nur zum Beispiel die Philippinen, die einer der frühen Beuten der USA waren: „...Bereits zu Beginn dieser Auseinandersetzung zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten wurde die spanische Flotte durch amerikanische Schiffe in der Schlacht in der Bucht von Manila vernichtet. Ein Großteil des Landes war jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits unter philippinischer Kontrolle, worauf am 12. Juni 1898 die philippinische Unabhängigkeitserklärung erfolgte, welche weder von der alten noch der neuen Kolonialmacht anerkannt und vom Rest der Welt gar nicht erst wahrgenommen wurde. 1899 folgte die Konstitution der ersten philippinischen Republik. Die USA erkannten die junge philippinische Republik nicht an und bekämpften sie im Philippinisch-Amerikanischen Krieg von 1899 bis 1902 massiv. Etwa eine Million Filipinos (20 % der Gesamtbevölkerung) kamen während dieser Zeit ums Leben, und das Land wurde zur amerikanischen Kolonie. Unterstützung erhielten die Revolutionäre lediglich vom Hongkong-Komitee, das internationale Verbindungen knüpfte und für die materielle Unterstützung der Filipinos sorgte...“. Angesichts solcher historischen Tatsachen braucht man sich keine allzu großen Gedanken um das Empfinden der neuen Weltmacht, ebenfalls in diesen Zeiten kolonialistisch extrem gedemütigten Chinas, zu machen.

Nein, die Kette der gar nicht so lange zurückliegenden extraterritorialen Eroberungen der USA und auch Europas in Asien, Afrika und dem Nahen Osten ist fast endlos. Der Begriff „Legalität“ oder „Menschenrecht“ oder auch nur „Respekt“ vor anderen Völkern und Ansichten gehört da in den Bereich der bequemen westlich-demokratischen Mythen. Natürlich zählen dazu gerade auch Israel, und von vielen kaum wahrgenommen, das riesige Australien. Und viele Andere. Nein, die Welt wurde noch nie nach „demokratischen“ oder auch nur fairen Regeln aufgeteilt, sondern immer nur durch Gewalt, geleitet von eigennützigen Interessen an Ressourcen, an Handel und Wohlstand der Okkupisten. Unter den modernen Nachkriegsdemokratien hat sich daran nichts geändert, außer der Suggestion dass diese Erweiterungen der Einflußspähren ja zum Guten Aller sei, weil auch die manchmal „freiwillig“ Okkupierten ja an diesem Handel und Wohlstand profitieren würden. Was regelmäßig allerdings nur auf eine kleine Oberschicht zutraf und zutrifft. Zudem die nun mit der, die komplette westliche Welt erfassenden, Finanzkrise die zum Teil abstruse Ungleichverteilung der Einkommen und Vermögen selbst im heiligen Gral der Demokratie allzu offenbar wird.


Tatsächlich läuft, ja rennt der fällige Weltkrieg dieses Jahrhunderts schon vor uns her, medial flach gehalten und kaum mehr wahrgenommen. Denn die Kriegsnachrichten aus aller Welt sind so vielzahlig, dass nicht nur im satten Deutschland längst Langeweile bezüglich ein paar dutzend Toter hier oder da eingekehrt ist, lediglich der aktuelle Fokus wechselt mal von dem einem zu dem anderen (Sub-)Kontinent. Nur wenn der Terror ausnahmsweise mal dort zuschlägt, wo viele seiner Ursachen angesiedelt sind, dann ist die Krokodilstränenarie der Pharisäer medial verstärkt und auf allen Kanälen unübersehbar.

Vielleicht nur ein kleiner Auschnitt, ohne Anspruch der Vollständigkeit:
  • Myanmar
  • Japanische Inseln
  • Kyrillen (Japan/Russland)
  • Korea
  • Afghanistan
  • Indien-Pakistan
  • Indien-China
  • .......
  • Mali
  • Zentralafrikanische Republik
  • Somalia
  • Sudan
  • ......
  • Syrien
  • Iran
  • Irak
  • Israel
  • Libanon
  • Palästina
  • ......
  • Mexiko
  • Kolumbien
  • ....
Alles Baustellen des Krieges: „...So sehen wir also, dass der Krieg nicht bloß ein politischer Akt, sondern ein wahres politisches Instrument ist, eine Fortsetzung des politischen Verkehrs, ein Durchführen desselben mit anderen Mitteln. Was dem Kriege nun noch eigentümlich bleibt, bezieht sich bloß auf die eigentümliche Natur seiner Mittel.“ (Clausewitz).  Da hilft es auch nicht, das Gegenteil in die Verfassung zu schreiben: „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.“ (BRD GG Artikel 26 (1)). Nein, auch Deutschland beteiligt sich notgedrungen an allen diesen westlichen Kriegen, wobei natürlich unter Angriff nicht verstanden wird, wenn man irgendwo ein Land nach eigenem gutdünken mit Drohne Land auf, Kopf ab, überfliegt. Wiki: "Eine politische Orientierung, die Krieg für natürlich, unvermeidbar, sogar fortschrittsfördernd hält und Rüstungsanstrengungen prinzipiell bejaht, nennt man Militarismus.“ Nicht dass uns jetzt dabei die Amerikanische Nationalhymne in den Sinn käme „And the rockets’ red glare, the bombs bursting in air, Gave proof through the night that our flag was still there...“, Gott bewahre (Und der Raketen grelles, rotes Licht, die in der Luft explodierenden Bomben, bewiesen die Nacht hindurch, dass unsere Flagge noch da war... ).

Nun die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges, Verlogenheit und

zweierlei, ja mehrerlei Maß der Dinge sowieso. Ob Atombombe, die der Guten und die der Bösen, so sind natürlich auch Chemiewaffen nach gut und böse zu trennen. Etwa Phosphorbomben, die haben zwar nicht die Unheimlichkeit des Gases, aber ihre Wirkung ist kaum geringer: „Laut einem Artikel der israelischen Zeitung Maariv's vom vergangenen Donnerstag, will die israelische Armee (IDF) sich von weissen Phosphor verabschieden, wegen "der weltweiten Kritik und Rufschädigung". Ein ranghoher Offizier erklärte: "Wie wir während der Operation "Gegossenes Blei" gelernt haben, fotografiert es sich nicht gut, deshalb reduzieren wir den Bestand und werden nichts mehr über dem was wir bereits haben kaufen."



Nun hat Israel das nächste Fass aufgemacht und Syrien angegriffen. Wegen der in der Tat nicht geringen Gefahr, dass solche Waffen auch in die Hände der Palästina nahen Kleinarmeen geraten könnten. Und wohl wissend, dass das syrische Gezeter von wegen Rache mangels militärischer Potenz ziemlich unglaubwürdig ist. Aber der Zahn der Zeit nagt gegen Israel. Viel zu viel Hass wurde in den letzten Jahrzehnten gesät, und eine Israelische Regierung deren Spitzen aus Militärs wie Netahnjahu statt aus Diplomaten besteht, hat weder Interesse noch die Fähigkeit zu einem beiderseits akzeptablen Frieden. Der Glaube dieser Entscheider im Namen Israels aber, dass man mit der militärischen Karte den Fortbestand Israels über die Mitte des Jahrhunderts hinaus garantieren könnte, ist genauso so hohl wie Assads Racheschwur. 



Denn das Existenzrecht Israels ist nur aus unserer europäisch-angloamerikanischer Sicht unverrückbar. In anderen Kulturen und Regionen der Welt, die mit dem Holocaust des letzten Weltkriegs nichts zu schaffen hatten, ist ein solches jedenfalls aus historischer Sicht nicht erkennbar. Es ist dort lediglich der Status Quo, und der ändert sich in der neuen Welt der kommenden Jahre in rasantem Tempo. Die Europäer, aber vor allen Dingen die Garantiemacht USA sind wirtschaftlich, und damit unmittelbar militärisch auf dem absteigenden Ast. Wenn man hier und dort die Lust auf "unbegrenzten Einsatz aller verfügbaren strategischen Ressourcen" verliert, oder einfach nicht mehr dazu in der Lage ist, dann ist Israel mangels finanziellem und militärischen Nachschubs sehr schnell verloren. 

Zur Zeit befindet sich Netanjahu allerdings in der selben „Vorteils haften“ Situation wie Kim Bumm in Nordkorea: Er kann mehr oder weniger unverhohlen mit der Atomwaffe drohen, und er weiß dass es sich die USA nicht leisten können Israel und den Nahen Osten zu verlieren.

Jetzt noch nicht. Ich hoffe ihm wird das früh genug klar.

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