Freitag, 21. August 2009

Welche Natter nährte ich an meiner Brust? Die Staatsfonds


"Sie sind überall, sie sind gut vernetzt - und sie sind reich. Staatsfonds, im Finanzjargon SWF genannt, kommen aus den Golfstaaten, aber auch aus Fernost oder Lateinamerika. ...Und mit 3,2 Billionen Dollar bündeln sie zusammen weit mehr Geld, als es die gefürchteten Hedgefonds mit rund 1,3 Billionen tun. Es ist auch viel mehr als jene 474 Milliarden Euro, die der gesamte Dax wert ist....Staatsfonds sind also eine stille Macht. Eine stille Macht, die sich regt." schreibt heute das Manager-Magazin.

Die ehemals volkswirtschaftlich abgehängten monokulturellen Rohstofflieferanten schlagen nun zurück: "...Das Öl war es, das diesen Weg möglich machte. Die Golfländer waren es daher, die die ersten Staatsfonds aus der Taufe hoben, um die Erträge aus dem Geschäft mit Öl und Gas zu sichern. Dazu kamen jene Länder wie China, die ihre Devisenreserven effizient verwaltet wissen wollten. ...."

Die einseitigen Wirtschaftsbeziehungen, die nur auf Rohstoffe, aber nicht auf die Errichtung konkurrenzfähiger und diversifizierter Volkswirtschaften zielte, beginnt sich zu rächen: "......Kein Wunder also, dass die Europäische Kommission noch im Februar 2008 ein Papier unter dem Titel veröffentlichte "Ein gemeinsames europäisches Vorgehen gegenüber Staatsfonds." Darin sprechen die Beamten von Befürchtungen, die die Staatsfonds wecken würden. Und verweisen zur Illustration auf die makroökonomische Seite, derzufolge das Wachstum der Staatsfonds ein Zeichen für die großen Leistungsbilanzungleichgewichte in der Weltwirtschaft seien.....Und in zehn Jahren sollen es mehr als sieben Billionen sein, schätzt die Deutsche Bank in einer aktuellen Studie"

Leistungsbilanzdefizit, dass ist ein Euphemismus für Schulden. Denn wer immer nur Rohstoffe einkauft, aber als Gegenleistung keine Produkte liefert, der stellt eben Schuldscheine aus. Also Dollars und Euros, die nun mal nichts anderes sind. Deswegen ist man nun an diese Schuldversprechen gefesselt, denn: "Der Spielraum der EU zumindest für Gegenmaßnahmen ist nicht gerade groß. Denn staatliche Einschränkungen ausländischer Investoren verbieten die eigenen wirtschaftlichen Leitlinien. Der freie Kapitalverkehr ist gesetzlich gewährleistet." Würde man den Kapitalverkehr wieder scharf reglementieren, wie vor der Deregulierung, so würde man seine uneingelösten Schulden entwerten, und damit die Weltwährungen erst recht ins straucheln bringen.

Für dieses Geld möchten die Devisensammler nun auch einmal Gegenwerte sehen, und die sind inzwischen weit aus knapper als Geld. Zumal es langsam allen dämmert, dass der Geldwerterhalt, geschweige denn reale Verzinsung, nicht unendlich gesichert ist. Also muss man es sehr bald umsetzen, und nicht mit Kleinkram, denn da für ist es einfach viel zu viel: "Doch zum Beispiel die EU sieht einige Gefahren heraufdämmern, schreibt CEP selbst in einer Mitteilung bereits im Februar vergangenen Jahres. Staatsfonds könnten sich "zielgerichtet Technologie oder Know-how aneignen, das den strategischen Interessen des Landes nützt." ......"Gerade die jetzige Wirtschafts- und Finanzkrise verdeutlicht doch .. wie stabilisierend die Investitionen dieser Fonds wirken können - siehe etwa die Fälle Opel und Porsche" sagt auch CEP-Sprecher Ralf Jaksch. So hat sich der Staatsfonds aus Katar zu 10 Prozent an Porsche beteiligt, und das Unternehmen einstweilen so stabilisiert. Und am Donnerstag hieß es, der Fonds wolle 50 Prozent der Vorzugsaktien von Volkswagen übernehmen. Immerhin, so viel Kritik gibt es dann doch, "es fehlt noch das Element der Kontrolle", sagt Nugée."

Na so ganz fehlt letzteres Element nicht, denn Kontrolle übernehmen jetzt zunehmend Andere. Der Spieß beginnt sich zu drehen. Wenn der Dollar und Euro in einigen Jahren dann wirklich verfällt, dann werden wir für die ehemals von uns Abhängigen arbeiten müssen, statt umgekehrt. Man kann es als gerechte Strafe für eine böse Tat sehen, aber es ist eine gefährliche Zeitbombe für dann Internationale Konflikte.

Die „Fabulae aesopicae collectae", eine Sammlung äsopischer Fabeln, berichtet: „Ein Wandrer erblickte eine Natter, die vor Frost fast todt war. Aus Mitleid hob er sie auf, legte sie an seinen Busen und suchte sie zu erwärmen. So lange die Natter vom Frost zusammengehalten wurde, blieb sie ruhig; als sie sich jedoch erwärmt hatte und wieder auflebte, biss sie den Wandrer in den Leib. Beim Dahinscheiden sprach dieser: „ich leide mit Recht! warum habe ich auch die vom Tode gerettet, welche man sogar hätte tödten müssen, wenn sie voll Lebenskraft gewesen wäre?" (Halm 97 b ).“

Nun ja, vielleicht scheiden wir zu Recht dahin.

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