Freitag, 6. Mai 2011

Geronimo: Weißer Häuptling sprechen mit gespaltener Zunge


Seit der „gezielten Tötung“ Osama ibn Ladens gibt es einen gewissen Disput über die Legitimität eines solchen Vorgehens. Solche Tötungen, welche natürlich trotz gegenteiliger Sprachregelung nichts anderes als Hinrichtungen sind, wurden in den letzten Jahrzehnten durch Staaten wie Israel und die USA, aber natürlich auch andere westliche Staaten wie Britannien, Frankreich und nicht zuletzt bei der Bundeswehr, zunehmend professionalisiert und nicht nur logistisch vorbereitet und trainiert, sondern auch immer wieder angewandt.

Was die Diskussion nun umtreibt ist die Frage, ob solche Aktionen moralisch zu rechtfertigen sind. Lassen wir erst mal die unzähligen juristischen Haarspaltereien beiseite, so müssen wir doch konstatieren, das sowohl Krieg als auch Terror nichts anderes sind als eine Aneinanderreihung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und zwar mit Tätern und Opfern, früher oder später, bei allen beteiligten Parteien. Wenn Hubschrauberpiloten aus sicherer Entfernung computergestützt wehrlose Zivilisten massakrieren, weil sie lieber erst ballern, bevor sie fragen, und dann auch noch hämische Witze darüber reißen, wie die Gedärme der Zerfetzten an den Hauswänden kleistern, oder wenn ein Selbstmordattentäter einen Sprenggürtel umschnallt und sich in einem Linienbus in die Luft jagt und die Umwelt nicht nur mit fremden, sondern auch mit den eigenen Eingeweiden belästigt, wo liegt der große Unterschied?

Erstmal in der Bewertung, denn erstere Piloten sind fraglos Helden und der unangenehme Bustourist ebenso fraglos ein ganz feiger Terrorist. Logisch. Die Gegenseite sieht das naturgemäß natürlich anders. So will er, borniert wie er ist, einfach nicht verstehen, warum von Attacken weitgehend ungefährdete HiTec-Piloten Helden, und, die ihr eigenes Leben aufopfernden, eigenen Leute total feige sind.

Nun, wer im Krieg nach Logik fragt, der setzt zumindest an dieser Stelle vergeblich an. Krieg, und überhaupt alle ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen Menschen bzw. Gruppen von Menschen, sind in letzter Konsequenz immer Streitereien um die Verfügbarkeit von Ressourcen. Kriege kann man sogar bei unserer Verwandtschaft der Schimpansen beobachten, und unser Hang dazu ist ein altes genetisches Erbe, dass wir so schnell nicht los werden.

Das Problem liegt darin begründet, dass noch vor historisch kurzer Zeit die Verfügbarkeit von Ressourcen, wie Agrarland, Wald, Vieh, Wasser oder Getreide, darüber entschied, ob man eine Chance hatte den nächsten Winter zu überleben oder eben nicht. Vor der Zeit der intensiven Viehwirtschaft und Landwirtschaft, die auch nicht (genetisch) so lange zurück liegt kommt zudem zum Tragen, dass der reine Landbedarf eines Menschen, um sich ausschließlich von den Früchten der Natur, Flora und Fauna, ernähren zu können, wahrlich gigantisch ist. Der Bedarf des reinen Jägers und Sammlers beläuft sich nämlich auf etliche Quadratkilometer, pro Person versteht sich. Da kam man selbst in Zeiten der Ur- und Frühgeschichte, und den damals geringen Bevölkerungsdichten, ganz schnell an die Grenzen der Ressourcen.

Krieg, und seine zivile Form, die Gier, gehörten daher immer schon zu den wichtigsten evolutionären darwinistischen Überlebensstrategien der Gruppen.

Mit der Entwicklung modernen landwirtschaftlicher und industriellen Produktionsmethoden hätten wir das heute eigentlich nicht mehr nötig. Dem stehen heute nur zwei Punkte entgegen: Erstens sind wir absolut unfähig unser genetisches Erbe so schnell ab zu schütteln, und zweitens, wegen der explosionsartigen Bevölkerungsentwicklung der letzten 200 Jahre sind wir, sogar auf die ganze Erde gerechnet, schon wieder am Limit der verfügbaren Ressourcen angelangt. Die Hoffnung auf das erste Jahrhundert ohne Weltkrieg nach dem 30jährigen Krieg, darf man sich also abschminken.

Kommen wir also zurück zum aktuellen Fall. War die Tötung Herrn Ladens gerechtfertigt? Besser sollte man fragen, war sie uns nützlich? Ich würde vermuten, das ja. Denn dass die Beseitigung der gegnerischen Führungspersönlichkeiten zu den effektivsten Methoden gehören einen Krieg zu gewinnen, ist so lange bekannt wie der Krieg selbst. Ob man nun dem König Gift unters Essen mischte, oder ob man im Kampf auf ihn traf, es ist effektiv. So demonstrierte das in der Antike schon Alexander der Große. Als er damals, im vierten Jahrhundert vor Christus, gegen den Nahen Osten zog, endlich bis nach Pakistan, traf er zunächst mal auf die Heere von Darius, der den späteren Arabischen Raum beherrschte, in der Gegend Syriens.

Sein Problem dabei: Die feindlichen Heere waren größer und besser ausgerüstet, ein Sieg erschien eigentlich nicht möglich. Was Alexander dort machte, schrieb Weltgeschichte. Statt, wie es üblich beim Aufeinandertreffen von Heeren war, erst mal die Mannschaften sich gegenseitig aufreiben zu lassen, griff Alexander mit seinen besten Leuten sofort und gezielt den hinter seinen Linien gut geschützten und abwartenden Heerführer, König Darius, an. Der hatte das nicht erwartet und war in Gedanken wahrscheinlich schon mit der Organisation der Siegesfeier beschäftigt, und machte das verheerendste was ein Führer in so einer Situation machen kann: Er ergriff die Flucht! Darauf hin machten sich auch die Mannschaften und Unterführer vom Acker. Das selbe gelang Alexander aber auch bei der zweiten Schlacht, Darius ergriff erneut die Flucht, und war damit als Feigling und unwürdiger König entlarvt. Irgendwo in der Gegend des heutigen Afghanistan wurde er dann von den eigenen Verbündeten massakriert und seine Leiche dem Alexander vor die Füße geworfen. Der allerdings, versenkte den Leichnam nicht einfach irgendwo im Meer, sondern veranstaltete ein würdiges Staatsbegräbnis für den Kollegen und verfolgte sogar die Mörder des Monarchen mit seiner adeligen Wut.

Nun, „gezielte Tötungen“ unter Monarchen oder hochrangigen Militärs wurden eigentlich nie als ehrenvolle kriegerische Tat angesehen. Nicht zuletzt deswegen, weil man sich bewusst war, dass man sich ja ständig selbst in der gleichen Situation wie der feindliche Kämpfer befand.

Deswegen gibt es heut zu Tage eine Reihe von Konventionen und Abmachungen zur Kriegsführung, die einen halbwegs geregelten würdigen Umgang der Kombattanten untereinander garantieren soll. Ein Kriegsrechtsverständnis das endlich darauf basiert, das der Eine im Prinzip ja nichts anders tut, als der Andere auch.

Ganz anders das Rechtsverständnis dagegen im zivilen Bereich. Das, was im Krieg eine Heldentat ist, nämlich die Konkurrenten um eine Ressource zu liquidieren, wird im zivilen Bereich nicht so locker gesehen. Dort ist das nun halt mal ein Verbrechen, wenn ein Mörder etwa sein Opfer um seine Brieftasche erleichtert.

Und damit kommen wir wieder zu Osama ibn Laden: Krieg oder Verbrechen, Terrorfürst oder Kombattant? That's the question! Davon hängt nämlich ab, nach welchem Recht der Gegner zu behandeln ist. Und da sind wir dann wieder beim weißen Häuptling. Der sucht sich nämlich immer das Recht raus, dass ihm gerade in den Kram passt. Landläufig auch „das Recht des Stärkeren“ genannt. Was letzteres angeht, so musste der Friedensnobelpreisträger Obama den Terrorfürsten Osama töten (lassen). Er konnte gar nicht anders, denn man stelle sich nur vor, er hätte die Gelegenheit gehabt und sie verstreichen lassen, und das wäre (ziemlich sicher) heraus gekommen? Er wäre politisch restlos erledigt gewesen. Man hätte sofort wieder die Gleichung Obama=Osama aufgemacht und seine Wiederwahl hätte er sich gründlich abschminken müssen und am besten gleich noch Asyl in der Schweiz beantragen können. Denn nach Uramerikanischem Rechtsverständnis kam nichts anderes als eine Hinrichtung, mit oder ohne formelles Urteil, in Frage. Und auch die Gegenseite hätte etwas anderes bestenfalls als Schwäche der Weltmacht verstanden.

Insofern kann man Obama also keinen Vorwurf machen. Nicht das Ob, sondern das Wie, ist die Frage. Und diese Frage besteht schon seit Beginn des Afghanistankrieges durch die Bushregierung, der nun schon 9 Jahre andauert. Denn, war der Angriff auf das World Trade Center nun ein Akt des Terrors oder ein Akt des Krieges? War der Herr Laden ein gegnerischer Viersterne-General oder ein gemeiner Verbrecher? Waren bzw. sind El Kaida, und die sie bislang beschützenden Taliban, eine Kriegspartei oder sind sie eine religiös fundamentierte Mafiaorganisation?

Denn wenn es Terroristen, und damit (zivile) Verbrecher sind, dann müssen sie wie solche behandelt werden. Wenn der Angriff auf das WTC am 11. Sept. 2001 ein Terrorakt war, dann ist es völkerrechtswidrig einem ganzen Staat, hier etwa Afghanistan, einen Krieg zu erklären oder auch nur in einen unerklärten Krieg zu verwickeln, und es steht den habhaft gewordenen Kriminellen ein umfängliches rechtsstaatliches Verfahren zu. War es dagegen ein Akt des Krieges, dann steht den Kombattanten ein Behandlung nach der Genfer Konvention zu, was ein ganze Menge bezüglich der überhaupt verfolgbaren Handlungen (das müssen nämlich explizite Kriegsverbrechen sein, wozu das killen von Zivilisten nun mal leider nicht grundsätzlich gehört) als auch die Haftbedingungen und die Ehrenbehandlung der Offiziere angeht. Auch müssten die Kriegsverbrecher, so wenn man das festgestellt hat, eigentlich der zuständigen Institution, dem Internationalen Gerichtshof, zugeführt werden.

Mit alle dem hat eine Weltmacht natürlich nichts am Hut. So hat die USA das Abkommen bezüglich des Internationalen Gerichtshofs nicht unterzeichnet und klar gestellt, dass sie niemals ihre eigenen Kriegsverbrecher diesem Gerichtshof zu führen wird. Dieses Verhalten legt die USA immer wieder vor, so auch beim Kyotoabkommen, das man für sich einfach außer Kraft setzte, weil es nicht den Interessen der eigenen Industrielobby entsprach. Und so sind die Gegner im „Krieg gegen den Terror“ (was für ein Widerspruch in sich selbst) mal Terroristen, mal Kombattanten, je nach dem was gerade günstiger erscheint. Etwa, wenn man gerade mal wieder hundert Zivilisten wegen eines versteckten Talibans in Rauchwölkchen verwandelt hat. War es ein Krieg, dann geht es o.k., war der verfolgte Taliban dagegen ein Terrorist, dann ist es ein furchtbares Verbrechen.

Aber so kleinlich zu sein, kann man sich in der faktischen Welt von Heute nicht mehr leisten. Auch nicht die Vielzahl der Gazetten, bei denen die Kritik an solch gespaltener Zunge schnell mal als Antiamerikanismus, mal als Antisemitisch oder als Vaterlandsverrat gedeutet wird. Die gespaltene Zunge des Westens, insbesondere der USA als ihr wichtigster Exponent, ist das, was die Völker der weiteren Welt so auf die Palme bringt. Und zwar weit mehr, als das allgemeine Handeln einer Weltmacht als solche.

Denn eine funktionierende Weltmacht hat faktisch große Vorteile für Alle. Was sie erzeugt, ist der allgemeine Burgfriede, sowie die in der Antike so gerühmte Zeit des Augustus und danach („pax romana“, der römische Friede). Denn mit der unantastbaren Weltmacht geht der positive Effekt einher, dass sich die Umverteilung der Ressourcen durch die Machtstellung der Zentralmacht erst mal erledigt hat. Das besondere Rechtsverständnis der anerkannten Zentralmacht spielt dabei eine vergleichsweise geringere Rolle, als deren Verlässlichkeit in der Anwendung. Nicht die totale Abwesenheit von Krieg, sondern der relative Frieden durch die Sicherheit in der einigermaßen fairen Ressourcenverteilung, abgesichert durch die faktische Autorität der Zentralmacht, schafft die „pax romana“ oder die in den Nachkriegsjahrzehnten herrschende „pax americana“ der Weltmacht USA.

Und genau da liegt der Punkt, wo sich der schleichende Niedergang der „pax americana“ und der USA nun manifestiert. Einmal liegt es daran, dass mit dem Untergang der Ostblocks die „pax sovietica“ im Osten wegfiel und der schlafende Riese China aufwachte, und dummerweise gleich noch von den konsumsüchtigen USA groß gefüttert wurde. Und zweitens: von fairer Ressourcen Verteilung, zumal sogar im eigenen Land (die „Finanzkrise“ ist nichts anderes als der Kampf um die Ressource BIP zwischen Schaffenden und Finanzeignern), kann schon länger keine Rede mehr sein und die Rechtssicherheit in der Anwendung des Weltmacht eigenen Rechtsverständnisses auch nicht mehr.

Denn die USA und der Westen machen allzu offensichtlich, dass sie ihr Verständnis von Recht, Demokratie und Freiheit immer nur so auslegt wie es ihnen gerade günstig erscheint. Von echter Konsequenz ist das weit entfernt, mal werden die Grenzen von Zivil- und Kriegsrecht ignoriert, dann müssen wissentlich(!) nicht vorhandene Atomwaffen für einen völkerrechtswidrigen Rachekrieg gegen den Bush-Intimfeind Saddam herhalten, Collateralschäden von Abertausenden Zivilisten eingeschlossen. Mal zählen Menschenrechte in Libyen, dafür aber nicht in Syrien oder Saudi-Arabien, die ja zu den lieben Bösen zählen. Mal sind Atomwaffen böse und das verweigern von internationalen Kontrollen ein Kriegsgrund, mal wird exakt das gleiche, wie im Falle Israels, einfach totgeschwiegen, oder man behauptet „das sei ja nicht vergleichbar“. Mal sind Foltergefängnisse Zeichen der Tyrannei, die eigenen Foltergefängnisse dagegen ein Ort des Kampfes für die Freiheit, und das Waterboarding, sprich das beinahe Ertränken von Gefangenen, wird in den USA zu einem demokratisch zu legitimierenden Verfahren.

Die Beispiele für solche Widersinnigkeiten lassen sich geradezu unendlich weiterführen. In Krisenzeiten drohen nicht nur die Unterscheide zwischen Kriminellen und Kombattanten, sondern auch die zwischen Kriminellen und der gesellschaftlichen Oberschicht (nicht nur Berlusconi, sondern auch noch so viele Andere), und schließlich auch die Differenzen zwischen freiheitlichen Demokratien und Plutokratien und Tyrannis zunehmend zu verwischen. Das ist umso verheerender, als dass die zur Zeit noch herrschende westliche Hegemonie in der Welt gerade auf diesem, verbal so überstrapazierten, Verständnis einer freiheitlichen Demokratie und eines verlässlichen und fairen Rechtsstaates basiert, welcher letztlich auch zu einer fairen Verteilung der Ressourcen führen sollte. All das verliert nun rasant an internationaler Zugkraft, da es der Westen immer weniger schafft, diese Ideale wirklich mit Leben zu erfüllen.

Operation „Geronimo“, so nannten die Navy Seals ihre Aktion, ist nun ein weiterer Akt in dieser wenig rühmlichen Reihe. Wohl gesagt, weniger die Tötung an und für sich, als die Art und Weise. Das beginnt schon bei der zynischen Wahl des Codenamens „Geronimo“.

Geronimo (1829-1909) war ein Indianerhäuptling und auch ein religiöses (Ober-)Haupt der nordamerikanischen Indianer. Die Wikipedia schreibt zu Ihm: „...Der Mann, der als Geronimo bekannt wurde, hieß eigentlich Gokhlayeh „einer, der gähnt“. Diesen Namen wählte sein Vater, da der Junge immer sehr müde war und oft gähnte. Beide Eltern verlor er bereits 1837, als der Händler James Johnson und seine Skalpjäger während eines Festes, zu dem die Weißen eingeladen hatten, das Feuer auf 400 Apachen eröffneten und anschließend alle toten Apachen [seine Mutter war Apache] skalpierten. Der neue Häuptling Mangas Coloradas, nahm sich des Jungen an und machte einen Krieger aus ihm. Als 1858 die mexikanischen Truppen des Militärgouverneurs des Bundesstaats Sonora seine Adoptiv-Mutter, seine Frau und seine drei Kinder töteten, schwor Gokhlayeh Rache. Dazu verbündete er sich mit Cochise, einem Häuptling der Chokonen-Apachen. Mit diesen ging er in seine erste Schlacht gegen die Stadt Sonora, die viele feindliche Soldaten mit dem Leben bezahlten. Von nun an folgten jährliche Angriffe auf mexikanische Städte. Als Cochise starb, wurde Gokhlayeh zum Kriegshäuptling gewählt.

Gokhlayeh war ein geachteter und gleichzeitig gefürchteter Schamane (Diyin), manche behaupteten sogar, er sei in Wahrheit ein Hexer, der seinem Volk nur Unglück gebracht hätte. Einmal soll er es laut Augenzeugen sogar geschafft haben, den Sonnenaufgang um ein paar Stunden zu verzögern, damit die Apache sich in der Dunkelheit anschleichen und angreifen konnten. 1876 erfolgte Gokhlayehs Einweisung in das San-Carlos-Reservat. Dieses Reservat war direkt in der Wüste gelegen, es gab kein Wasser und keine Nahrung. Es war von den unregelmäßigen Lebensmittellieferungen der US-Armee abhängig. Im ersten Jahr starben Hunderte von Apachen an Unterernährung oder Krankheit, im zweiten Jahr waren es nicht weniger. So beschloss er, mit den Überlebenden aus dem Reservat auszubrechen. Er ging mit ihnen auf die mexikanische Seite der Sierra-Madre-Berge, ihrer eigentlichen Heimat. Dort waren sie zumindest vor der US-amerikanischen Armee in Sicherheit.

Er und seine Leute unternahmen Angriffe auf kleine Dörfer und Farmen, wo sie Vorräte und Pferde erbeuteten. Auf dem Weg nach Mexiko gerieten die Apache in einen Hinterhalt der mexikanischen Armee, wobei fast hundert starben, die meisten Frauen und Kinder. 1884 brach er ein letztes Mal aus dem Reservat aus, da er beinahe Opfer eines Mordanschlages geworden war. Er führte mit seiner kleinen Schar an Kriegern Guerillakrieg gegen die ihn verfolgenden Truppen und schaffte es geschickt, sich ihnen zu entziehen. Die meiste Zeit hielt er sich mit seinen Männern in der Sierra Madre versteckt.

Als ein Kopfgeld von über 2.000 Dollar auf ihn ausgesetzt wurde, stellte er sich 1886 mit noch 36 verbliebenen von ursprünglich 500 Kriegern den US-Amerikanern unter dem Kommando von General Nelson A. Miles, die ihn jahrelang vergeblich mit 5.000 Soldaten, einem Heliografensystem, 500 Apachen-Scouts, 100 Navajo-Scouts und 3.000 mexikanischen Soldaten gejagt hatten. Daraufhin verbrachte er die nächsten drei Jahre im Gefängnis. Im hohen Alter diktierte Gokhlayeh seine Lebensgeschichte einem weißen Autor. Eine Zeit lang wurde dieses Werk nicht veröffentlicht. Erst als Präsident Roosevelt seine Genehmigung zur Veröffentlichung gab, erschien es. Es gilt allerdings als sicher, dass viele Stellen eine Überarbeitung fanden und es sich nicht um die Originalgeschichte handelt, die Gokhlayeh erzählte. Einer Legende der Apachen zufolge sang der „letzte Freie Krieger“ auf dem Totenlager folgende Worte „O Ha Le a“. Manche Indianer, auch außerhalb der Apachen, werten diese Worte als „Ich warte auf die Wende des Schicksals“, was die rote Nation bis heute bestärkt...“


Irgendwelche Ähnlichkeiten mit Osama ibn Laden? Falls Sie keine sehen möchten, die US-Armee sah offensichtlich genug derer, und Geronimo=Terrorist schien eine naheliegende Gleichung.

Aber es kommt noch besser: „...Die Skull and Bones Society, darunter Prescott Bush, Großvater von George W. Bush, sollen verschiedenen Quellen zufolge 1918 das Grab Gokhlayehs ausgeraubt und seine Knochen in ihr Kultmuseum gebracht haben. Der Schädel solle sich in der „Grabhalle“ der Bruderschaft in der Yale-Universität befinden und unter Glas aufbewahrt werden. Einige Apachen, darunter Gokhlayehs Urenkel Harlyn Geronimo, forderten in einer Petition an den US-Kongress die Rückgabe der Gebeine Geronimos. Ned Anderson, ein Apachenhäuptling, hatte bereits 1986 mit Unterstützung des FBI George W. Bushs Onkel Jonathan Bush zur Herausgabe des Schädels aufgefordert. Diese Aktionen blieben ohne Erfolg. Das hatte 2009 zur Folge, dass 20 Apachen, darunter Harlyn Geronimo vor einem Bundesgericht in Washington Klage auf Herausgabe des Schädels erhoben. Als Vertreter der Anklage konnten sie nur den früheren US-Generalbundesanwalt Ramsey Clark gewinnen. Clark sagte denn auch, dass keine „harten“ Beweise vorhanden seien, die bewiesen, dass die Knochen tatsächlich in dem Kultmuseum zu finden seien. Die Kläger berufen sich auch auf das 1990 erlassene Gesetz zu Schutze und Rückführung Indianischer Gräber, dem American Indian Graves Protection and Repatriation Act.“. Womit sich der Kreis der menschlichen Hölle bei den Bush's wieder zu schließen beginnt.

„...Ich habe nie Unrecht ohne Grund getan, und wenn ihr von Unrecht redet, oder auch nur an Unrecht denkt, so tätet ihr besser daran, an das Unrecht zu denken, das ihr dem Roten Manne zugefügt habt, und das tief und weit wie ein Ozean ist, durch den niemand mehr waten kann, ohne darin zu ertrinken. Mein Unrecht dagegen ist wie ein kleiner ausgetrockneter Bachlauf, den habgierige Weiße mit den Tränen meines Volkes gefüllt haben. Ich habe dieselben Weißen diese Tränen austrinken lassen, bis auf den letzten Tropfen, so dass ich wieder auf den Bach gehen kann, ohne meine Mokassins mit Unrecht zu nässen. Sagt mir, was daran Unrechtes ist! Ihr sagt selbst, dass ein Mensch, der einen anderen tötet, getötet werden muss. Seht, wie zahlreich der Rote Mann war, bevor ihr kamt, und seht, wie viele Rote Menschen ihr getötet habt. So dürft ihr nach eurem eigenen Gesetz heute nicht hier stehen, sondern müsstet alle tot sein, wenn Euer Gesetz wahrhaftig wäre!“ (Auszug aus einer Aussage Gokhlayeh / Geronimo am 25. März 1886 bei San Bernardino Springs zu General George Crook)

Nun, Weltmächte und erst recht Weltreiche, begründen Ihre Macht immer auf Ressourcen- und Landraub. Das ist keineswegs typisch US-amerikanisch, wo zwischen 1800 und 1850 die heutigen USA durch Landraub bei den Indianern, aber genauso auch bei den Kolonialmächten Mexiko/Spanien, Frankreich und Großbritannien entstanden, sondern betrifft grundsätzlich alle Weltreiche. So war es schon im alten Rom, und natürlich auch in den europäischen Reichen, wie dem portugiesischen, niederländischen, spanischen oder britischen Welt- bzw. Kolonialreichen. Erst reißt man sich die Ressourcen der erreichbaren (Nachbar-)Ländern unter den Nagel, dann aber beginnt die eigene Oberschicht die ehemals externen Ressourcen, die nun innere sind, einzusammeln bis schließlich die innere Ressourcenverteilung nicht mehr aufgeht, und das Reich durch den letztlich internen Ressourcenkampf auseinander fällt. So ist es noch allen großen Reichen ergangen, und die USA werden da keine Ausnahme machen.

Nun fragt man sich zu guter Letzt, da alle Streitigkeiten letztlich aus Ressourcenkampf entstehen, welche spezielle Ressource denn nun Osama geklaut wurde, dass er so renitent und aggressiv wurde? Schließlich war er ja kein Landesfürst, sondern ein reicher Milliardärssohn, der schließlich auch die Wahl hatte ein ungeniert konsumorientiertes Luxusleben an den Stränden der Schönen und Reichen zu führen? Warum wählte er statt dessen ein Leben des Kampfes gegen einen übermächtigen Gegner den er eigentlich nur verlieren konnte, und nach dem WTC-Attentat ganz sicher auch seinen vorzeitigen Tod bedeutete?

Nun, neben der Ressource Land und Rohstoffe, gibt es eine weitere Ressource, die sich eine Weltmacht regelmäßig einverleibt: Das freie Denken. Das mag wie ein Widerspruch klingen, und es ist, im Rahmen der weltweiten Vermarktung der ideale der Demokratie erst recht, auch einer. Denn eine Weltmacht exportiert immer auch ihre Weltanschauung, ihr Rechtsverständnis, ihre Religion oder zumindest die aus ihrer Religion entsprungenen sozialen Normen, ja auch ihre sexuelle Normen. Und in modernen Zeiten, auch noch ihre Medien, wie die unaufhaltsame US-amerikanische Unterhaltungsindustrie mit ihren teils unsäglichen Kulturmachwerken.

Auch wenn wir aus unserer moralinsauren Rosa-Brillen-Sicht in teils unter- oder weniger entwickelten Kulturen Eigenschaften entdecken können, die wir, nicht ganz zu Unrecht, als Gebräuche und Normen identifizieren, wie sie zuletzt im europäischen Mittelalter oder gar Antike (man denke nur an die öffentliche Steinigung von Ehebrecherinnen etwa im ach so westlichen Saudi-Arabien) auch hier geläufig waren, so sind es letztlich doch Normen des Handeln und Denkens, die wir, notfalls zähneknirschend, zu akzeptieren haben. Statt dessen unternehmen wir alles mögliche, um den so unverstandenen Kulturen bei ihrer Entwicklung „zu helfen“. Eine solche faktische Bevormundung des Handelns und Denkens der Völker kann nicht unbeschränkt gut gehen, empfindsamere Naturen reagieren darauf, eigentlich verständlicherweise, ziemlich genervt. So genervt, dass Manche auf die so empfundene weltanschauliche Gewalt mit schmerzhaft weltlicher Gewalt reagieren.

So auch der saudische Milliardärssohn. Neben dem faktischen Imperialismus im Nahen Osten, von den Europäern und den Briten nahtlos an die USA übergeben, erhebt dieser weltanschaulich geistige Imperialismus nicht nur Anspruch auf Rohstoffe und/oder Land, sondern auch auf das tiefste Innerste der Bevölkerung in den so beherrschten Gegenden, ihr Hirn. Auch wenn uns dessen Inhalt weder überzeugen kann noch unbedingt gefallen muss, es einfach aus dem Schädel blasen dürfen wir es deswegen trotzdem nicht. Schon gar nicht, wenn wir uns selbst der Doppelzüngigkeit bezichtigen können.

Bleibt noch die Frage, was hätte man besser machen können? „Silent leges inter arma“, im Krieg schweigen die Gesetze, prägte Cicero schon um Christi Geburt. Aber nicht unbedingt jede Moral. Der Tod des Terrorfürsten war unvermeidlich, aber musste man ihn auch gleich in Stücke schießen? Jedem erfahrenen Soldaten ist klar, was ein Kopfschuss aus kurzer Entfernung mit einem Sturmgewehr anrichtet, erst recht mehrere. Da reicht schon ein Schuss um einen Schädel auseinander zu sprengen, meist bleibt dann kaum mehr als der Wirbelsäulenstumpf und, mit viel Glück, eine Gesichtshälfte stehen (wer will kann sich das auch mal anschauen, verlinken will ich das lieber nicht). So zeigt das verschwommene Fernsehbild des Pakistanischen Fernsehens die Szenerie am nächsten Morgen: Blutlachen um das Bett, und links oben, das ist sehr wahrscheinlich kein rosarot flauschiges Prinzessin-Lillifee-Puschelkissen, sondern es sind die Reste seiner letzten Ressource.

Unter den inzwischen durchgesickerten Umständen, wäre es kein Problem gewesen die Zielperson mit Schüssen in die Brust, oder noch sauberer und darin ist jeder Seal ausgebildet, durch händischen Genickbruch oder mit einem Kampfmesser dem Jenseits zu übergeben, ein Seal macht das völlig problemlos. Danach hätte man den ansehnlich aufgebahrten Leichnam durch einen islamischen Geistlichen, auch den gibt es auf US-Flugzeugträgern oft, in einem militärisch ehrenhaften Begräbnis ins Meer befördern können.

Vergeben hätte man sich dadurch nichts, und einem Friedensnobelpreisträger hätte es auch besser angestanden. Diese Bilder hätte man dann ohne Angst veröffentlichen können und es hätte viele gekränkte Seelen durchaus besänftigen mögen. Stattdessen wirft man die zerfledderten Reste, vermutlich wie ein Sack Kartoffeln, an unbekanntem Ort ins Meer, ergießt sich in entlarvend orgiastischen Freudentänzen auf den öffentlichen Plätzen in New York und anderswo und wundert sich, dass selbst der Papst das gar nicht so prickelnd findet.

Zu Zeiten Geronimos „dem Echten“ war man immerhin noch etwas feinfühliger, so ließ man ihn immerhin am Leben, was damals auch nicht so üblich war. Aber vielleicht war da auch das schlechte Gewissen noch stärker, denn Ursache und Wirkung lagen damals erkennbar näher beieinander als nach dem Zusammenkrachen der WTC-Türme und der Navy Seals Aktion nun in Pakistan.

Kommentare:

  1. Sollte man nicht eher in Erwägung ziehen das mit Osama ein schon längst verstorbener Popanz nun mit einem durchschaubarem Medialen Theater beseitigt wurde? Eine Figur die nötig war für die gesamte vorgehensweise unserer Westlichen Wertewelt?

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  2. Ich zitiere hier mal jemanden, den ich damit nicht unbedingt als Vorbild heraus heben moechte. Allerdings hat er meiner Meinung nach mit diesen Saetzen eine zutreffende Analyse abgeliefert, die die Entwicklung in einer fuer die Evolution sehr kurzen Zeitspanne, wie ich finde, gut erklaert:
    „Im Leben stehen einem anständigen Charakter so und so viele Wege offen, um vorwärts zu kommen. Einem Schurken stehen bei gleicher Intelligenz
    und Tatkraft auf dem gleichen Platz diese Wege auch alle offen, daneben aber auch noch andere, die ein anständiger Kerl nicht geht. Er hat daher mehr Chancen, vorwärts zu kommen. Infolge dieser negativen charakterlichen Auslese findet eine Anreicherung der höheren Gesellschaftsschichten mit Schurken statt. Das
    ethische Durchschnittsniveau einer Gesellschaftsschicht wird um so schlechter, je besser und einflussreicher sie gestellt ist. Nur dieser Umstand vermag die Tatsache zu erklären, warum die Welt nicht schon seit
    mindestens fünftausend Jahren ein Paradies ist.
    Das muss man wissen, wenn man die Weltgeschichte verstehen will.“

    Hermann Oberth († 28. Dezember 1989)

    Sapere Aude!
    Georg Trappe

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  3. Nun, dem Hr. Oberth muss man, leider, recht geben. Man kann es auch Spieletheoretisch sehen: Die Gesellschaft ist wie ein Brettspiel, bei dem alle nach den gleichen Regeln spielen (sollten). Der Einzelne kann sich aber Vorteile verschaffen, indem er mogelt. Wichtig dabei ist: Die Anderen Spieler dürfen das nicht mitkriegen. Denn dann würde man entweder bestraft, oder, am Ende pfuschen Alle, und dann hat man auch keinen Vorteil mehr, weil wieder alle nach den selben Regeln spielen.

    So ist es natürlich auch in der Gesellschaft. Oben wird gemogelt und Unten wird man dumm gehalten. Mit unserem Steuer- und Abgabensystem ist sogar eine legale Regel zum Mogeln festgelegt worden: Je mehr man verdient, desto geringer wird de facto die prozentuale Steuer- und Abgabenlast.

    Extrembeispiel sind die Steuern auf Vermögen: Die sind nicht nur abnormal gering bzw. Null, da wird nach gegenrechnen der Subventionen (Bankenrettung) sogar noch ganz erheblich was drauf gelegt. Vom kleinen Mann versteht sich. Und dem suggeriert man, dass er sogar selbst an dem Dilemma Schuld sei.

    Perfekt, könnte man sagen.

    Salve, Heribert

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