Donnerstag, 9. Oktober 2014

Dünkirchen, Kobane und die Flüchtlingsfrage

Erinnern Sie sich noch an Dünkirchen, 1940? Eher wohl nicht. Die Schlacht von Dünkirchen war eine vorweg genommene Entscheidungsschlacht des Zweiten Weltkriegs. Schauen wir auf eine verkürzte Darstellung der Wikipedia:

„Warnungen hoher Offiziere zum Trotz begann Adolf Hitler am 10. Mai 1940 den Angriff auf die Beneluxländer und Frankreich...Nach dem für die Alliierten überraschenden deutschen Vorstoß über die Ardennen und der Erzwingung des Übergangs über die Maas bei Sedan erreichten Panzerverbände den Schauplatz der Schlacht an der Somme im Ersten Weltkrieg. Gleichzeitig setzte die deutsche Heeresgruppe B im Norden ihren Vormarsch durch Belgien unaufhaltsam fort. Aufgrund des deutschen Durchbruchs im Süden ordnete der Oberbefehlshaber der alliierten Nordgruppe einen Rückzug zur Schelde an.

Da sich im Süden die französische 3. Heeresgruppe weitgehend auf eine Verteidigung der Somme-Linie beschränkte, entblößte sie dadurch die südwestliche Flanke der alliierten nördlichen Heeresgruppe. Damit wurde deutlich, dass das Britische Expeditionskorps, die belgische Armee und die französische 1. und 7. Armee von der französischen Hauptstreitmacht im Süden getrennt werden könnten. Den deutschen Panzerdivisionen stand der Weg zum Aufrollen der rückwärtigen Gebiete der alliierten Nordgruppe und zur Eroberung der Kanalhäfen offen. Am 19. Mai begann die Royal Navy im Auftrag des englischen Kriegskabinetts mit der Vorbereitung einer Rettungsaktion.

Die Schlacht von Dünkirchen - Quelle: wikipedia
Auf deutscher Seite fiel nun die Entscheidung, nach Norden zu drehen, um den Einschließungsring enger zu ziehen und die Kanalhäfen zu nehmen. Lord Gort musste eine Entscheidung treffen: entweder den französischen Verbündeten im Kampf beizustehen und die Hauptstreitkraft Großbritanniens aufs Spiel zu setzen oder aber zu versuchen, über die See zu entkommen. Obwohl er damit den Interessen der ihm übergeordneten französischen Armeeführung zuwiderhandelte, schlug er dem britischen Kriegsminister vor, eine Evakuierung zu versuchen. Gort ließ dennoch den französischen Oberkommandierenden Maxime Weygand über mehrere Tage in dem Glauben, dass sich britische Truppen an einer Doppeloffensive zur Wiedervereinigung der Nordgruppe mit den französischen Hauptkräften beteiligen würde.

Am 22. Mai starteten die Panzer Guderians den Angriff in Richtung Calais und waren am 24. Mai nur 18 Kilometer von Dünkirchen entfernt. Unerwarteterweise ließ von Rundstedt, bestätigt durch Hitler bei einem Frontbesuch am selben Tag, die Panzer anhalten. Derartige Haltebefehle waren als Pause für die voran geeilte Panzerspitze gedacht, um sich mit den übrigen Truppenteilen zu konsolidieren. Auch bestand die Befürchtung, dass eine koordinierte Aktion der Engländer im Norden und der Franzosen im Süden die Panzerspitze einschließen könnte. Dass die letzten britischen Kampfpanzer längst bei Arras abgestellt waren, wusste von Rundstedt nicht.

Die Gründe für den Haltebefehl vom 24. Mai werden bis heute kontrovers diskutiert. In der Regel wird der Haltebefehl Hitlers auf dessen eigene Autoritätsdurchsetzung zurückgeführt. Da er während des bisherigen Westfeldzuges als militärischer „Führer“ völlig außen vor gelassen wurde, war der Haltebefehl eine symbolische Geste, um seine Autorität zu demonstrieren.

Insgesamt 338.226 alliierte Soldaten konnten bei Dünkirchen nach England übergesetzt werden. Auf dem Festland hinterließ die Evakuierung ein Gefühl des „Im-Stich-gelassen-Seins“. Kriegsmüdigkeit und der Wunsch nach baldiger Waffenniederlegung unter der Zivilbevölkerung und bei Militärs waren die Folge. Die Schlacht um Frankreich begann unmittelbar nach der Einnahme von Dünkirchen und endete nur zwei Wochen später am 17. Juni 1940. Bis dahin hatte die französische Marine tausende französische Soldaten, die aus Dünkirchen gerettet worden waren, wieder zum weiteren Kampf von Southampton nach Frankreich zurücktransportiert und so gerieten diese Soldaten doch noch in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Die verlorene Schlacht wurde unter dem Ausnahmezustand durch die vom Ministry of Information gelenkte Presse wie ein Sieg gefeiert. Es wurde vom “Wunder von Dünkirchen” gesprochen.
Der Haltebefehl vom 24. bis 26. Mai wird von manchen Publizisten als kapitaler taktischer Fehler angesehen, von anderen als militärische Routine. Die Gefangennahme des gesamten britischen Expeditionskorps hätte die Kraft Großbritanniens, den Krieg gegen das Deutsche Reich fortzuführen, wohl entscheidend beeinträchtigt. Die Luftwaffe konnte Görings Ankündigung, die eingekesselten Truppen allein durch Luftangriffe zu vernichten, nicht erfüllen. Als Gründe dafür gelten eine Überschätzung der Möglichkeiten des Luftkrieges zum damaligen waffentechnischen Entwicklungsstand und die Gegenwehr der Royal Air Force.“

Nun, die Ähnlichkeiten mit der zur Zeit heftig umkämpften Kurdenmetropole Kobane ist frappierend. Ersetzen sie einfach Hitler-Deutschland durch die Türkische Panzerarmee und den IS, die Franzosen durch die Kurden, und die Briten bleiben dass was sie sind plus die heutige Weltmacht USA und den politischen Teil des Wackelkandidaten Türkei. Dünkirchen und Kobane, beide Schlachten sind dem Beginn eines Weltkrieges zu zuordnen, jeweils zu einer Zeit wo man den Begriff noch nicht so recht in den Mund nehmen wollte. Und in beiden Fällen ist für den Ausgang der Schlacht entscheidend, was die beteiligten Parteien für Vorstellungen über den absehbaren weiteren Verlauf des Krieges hegen.

Die Türkei spielt Foul: IS Kämpfer werden an der Grenze frei durchgelassen. Kurden dagegen müssen ihr Leben bei dem gleichen Versuch riskieren. Bildquelle: Twitter.
So stehen nun türkische Panzer in Sichtweite Kobane's in Warteposition, die Alliierte Unterstützung beschränkt sich alleine auf Luftangriffe. Deren verheerende Wirkung sollte man zwar nicht unterschätzen, aber in aller Regel sind sie nicht alleine ausreichend um einen so zähen Gegner wie die IS zu besiegen. Die Kurden aber lässt man im Kessel weitgehend im Stich, Panzer und Verbände rücken nicht vor weil man nicht so recht weiß, welche eventuell negativen Folgen das für die eigene Kriegsführung in Zukunft bedeutet.

Insbesondere die Türkei befürchtet dass ihr Eingreifen zu einer Stärkung der verhassten PKK des inhaftierten Kurdenführers Öcalan's führen könnte, was wiederum gewaltige innertürkische Probleme  mit der dort lebenden rund 15 Mio.starken Kurdenethnie erzeugen könnte. Da riskiert man lieber dass zehntausende Kurden in Kobane massakriert werden und der IS an einer weiteren Stelle direkt Auge in Auge an der Grenze zu Europa steht. Und dass zu den bereits Millionen Flüchtlingen noch weitere hinzukommen und in die Türkei strömen. Vorab ist anzunehmen, dass die Türkei einen ziemlich dreckigen Deal mit dem IS im Zusammenhang mit dem kürzlichen vorgenommenen Gefangenenaustausch gemacht hat. Gewissermaßen Selbstmord aus Angst vor dem Tode.

Ähnlich wie der Brite Lord Gort die Franzosen hinhielt und hinterging, werden nun die Kurden vorgeführt. Dabei ist es in der Tat schwer abzuschätzen was, welche Entscheidung man auch immer trifft, diese für den weiteren Krieg für Spätfolgen haben wird. Natürlich war es im Falle Dünkirchens so, dass ein schnelles Vorrücken der deutschen Panzerverbände die Alliierten so schwer geschädigt hätte, dass der weitere Kriegsverlauf gegenüber dem historisch bekannten völlig verändert worden wäre. Ob zum Guten oder schlechten, und für wen und wie genau, das bleibt dennoch im Ungewissen. Die Türkei hofft nun, dass die Schlacht von Kobane die Kurdenarmee genug schwächt um einen Kurdenstaat unmöglich zumachen, aber ausreichend kräftig belässt um dem IS weiter zu widerstehen und für die türkische Armee die Kohlen aus dem Feuer holt. Der Rest der Alliierten rund um die USA hoffen, dass bei der Schlacht der IS so heftige Verluste einstecken muss, dass ebenfalls diese nachhaltig geschädigt wird.

Die Gefahr dass diese simple und zynische Kalkulation nicht aufgeht ist jedoch gewaltig

Zwar lassen zeitweise Meldungen über einen Teilrückzug des IS aus Kobane und Berge von Leichen der IS-Dschihadisten in den Straßen der Stadt alliierte Hoffnungen aufkeimen, aber es ist noch viel zu früh zum triumphieren. Das „Kriegsglück“, sofern man von so was überhaupt sprechen mag, kann schon in Kürze wieder umschlagen.

Für den IS ist es zumindest aber auch eine Entscheidungsschlacht. Offensichtlich wirft er seine wesentlichen Kräfte dort an die Front. Wahrscheinlich steht der größte Teil der IS Armee in einem relative kleinen Ring um Kobane. Lässt man sie weiter gewähren, dann ist der Fall Kobane's vorhersehbar, denn üble Verluste durch Luftangriffe scheinen den IS-Halsabschneidern ja nur wenig auszumachen. Denn natürlich ist neben der strategischen Bedeutung der Stadt die enorme psychologische Wirkung auf die IS Anhänger von Bedeutung, sowohl was Sieg als Niederlage anbetrifft. Ein Sieg würde enorme Sogwirkung entfalten, der Zustrom neuer Islamisten würde vermutlich die endlichen Verluste überkompensieren. Und die nächste und übernächste Stadt würde danach auch nur eine Frage kurzer Zeit sein, zumal die Bewohner als auch Verteidiger in Anbetracht des Kobane-Desasters dann auch lieber sofort die Flucht ergreifen würden. Keine guten Aussichten für die Alliierten, zumal sich dann der IS auch wieder dem Süden ihres Einflussbereiches zuwenden könnte: Bagdad, Jordanien, Südsyrien und Libanon und natürlich, last but not least, dem Erzfeind Israel.
Warum rückt man nicht vor? Der IS wäre Geschichte.
Auf der anderen Seite wäre es aber ein grandiose Gelegenheit für die Alliierten dem IS den vorläufigen Garaus zu machen: Da er sich nun in einem relativ engen Kreis um Kobane konzentriert hat, wäre eine zweite äußere Umfassung relativ leicht möglich. Die IS-Armee wäre dann plötzlich in der Lage des sogar zweiseitig Umzingelten. Eine ähnliche Schlacht wie vor langer Zeit in Alesia. Eine sichere Todesfalle normalerweise, wenn man keinen Julius Caesar auf seiner Seite hat. Erdogans Türkei aber ist hier der übelste Hinderungsgrund. Tatsächlich sitzt die Türkei strategisch zwischen sämtlichen Stühlen und egal welche Wahl sie trifft, der Ärger wird nicht gering ausfallen. Die innertürkischen Kurden gehen ja bereits auf die Barrikaden und können die Türkei ins Chaos stürzen, wenn sie sich nicht zum Eingreifen entschließen kann. Ebenso werden hunderttausende mehr die Flucht Richtung Norden antreten. Beides keine gute Aussicht. Andererseits gibt es reichlich Islamisten in der Türkei selbst, die geheimen Verbindungen und Rekrutierungswege zum IS in Syrien und Irak eingeschlossen. Die werden nicht minder frech werden, wenn Sultan Erdogan doch die Kurden rettet.

Die Alliierten unter Führung der USA sind nun auch schon gewaltig sauer, weil sich die Türkei überall quer stellt. Eine Zustimmung zum Eingreifen hat Erdogan an die Bedingung gekoppelt, dass dann auch Assad in Syrien beseitigt werden muss. Kein guter Deal für die USA aber, die dann einen wie auch immer gearteten neuen Staat, wahrscheinlich scharf islamistisch mit oder ohne IS, erwarten darf. Wiederum keine guten Aussichten dann für den Westen und besonders für Israel. Gute Zeiten zudem für die nicht weniger als die Türkei Alliierten Iran und Saudi-Arabien, die beide so wie die Türkei zur erneuten Vormacht im Osten aufsteigen möchten und sich gegenseitig belauern. Aus deren Sicht ist die Türkei jetzt erst mal da, wo man sie gerne sehen möchte, nämlich knietief im Kriegsdreck.

Für den Iran bedeutet es, dass sie erst mal den ganzen Atomquark der Alliierten getrost vergessen darf. Das Basteln an der Bombe geht selbstverständlich weiter, es steht längst nicht mehr ganz oben auf der westlichen Agenda. Israels Mossad hat vor wenigen Tagen zwar mal wieder Nukleareinrichtungen des Irans sabotiert und eine fette Explosion ausgelöst, aber dass ist nur ein mäßiger Zeitgewinn. Die Bombe wird kommen, und dass wird auch für die Türkei und Saudi-Arabien der Fall sein. Die Türkei weiß nach der Ukraine-Krise, die längst auch ein Krieg ist der im Moment lediglich ein bisschen auf Sparflamme läuft, dass sie im Ernstfall nie und nimmer auf die Atomare Garantie der USA setzen kann. Da basteln Erdogans Experten längst an der eigenen Bombe, dass Material, Experten und die nötige Industrie dafür steht der Türkei schließlich zur Verfügung. Saudi-Arabien hat sie dagegen schon faktisch über die Beteiligung am Pakistanischen Atomprogramm in Teilhabe, Raketen zum Transport inklusive. In relative kurzer Zeit werden sich also die Lokalmächte Türkei-Iran-Saudi-Arabien und Israel auf atomarer Augenhöhe gegenüber stehen.

Schlimm genug schon für sich alleine, aber wenn dann auch noch der IS dazwischen herumtanzt, ist das Chaos endgültig perfekt. Die nächsten Stunden, Tage und höchstens Wochen werden dann also entscheidend dafür sein, wie es weiter geht. Ein Ende wird es noch lange nicht haben, dass ist sicher, und so sprach der US-Militärexperten Panetta ja auch bereits von einem 30-jährigen Krieg, der hier notwendig geworden sei. Wie wahr.

Deutschland, lieb Vaterland, magst ruhig sein. 

Ein Spruch der sich weiland darauf bezog, dass die Deutsche Armee ja stark genug sei das Land gegen jeden denkbaren Angreifer erfolgreich zu verteidigen. Nun, auch heute noch ist Deutschland erstaunlich ruhig, die Armee der Bundeswehr dagegen ist seit den 90er-Jahren tot gespart und marode geworden. Da bleiben versprochene Hilfslieferungen stecken, weil mal wieder einer der alten Transalls den Geist aufgibt und den Kurden liefert man, wenn es dann mal klappt mit dem Flieger, altes Wehrmaterial zur geflissentlichen Entsorgung. Selbst die kleinen Niederlande lassen sich da weniger lumpen, deren Jagdflugzeuge fliegen Einsätze um Kobane während das reiche Deutschland noch darüber diskutiert, ob überhaupt irgendein Handlungsbedarf gegeben wäre.

Reste der aktuellen Straßenschlacht in Hamburg, Quelle Twitter
Dieser ergibt sich inzwischen eher in Hamburg und Celle, wo es nun schon zu mehreren Straßenschlachten zwischen Kurden bzw. Yesiden und IS-Anhängern gekommen ist. Tendenz zunehmend. Denn die aktuellen Kriegsherde, von denen Syrien/Irak zur Zeit nur der ist, der in Medien am meisten diskutiert wird, erzeugen weltweit einen riesigen Flüchtlingsstrom. Eine Völkerwanderung die nach den letzten Berichten der UN bereits die Ströme des Zweiten Weltkriegs übertrifft. 

Jetzt schon, und wir sind ja gerade am Anfang des Desasters des 21. Jhd.

Gründe für eine Flucht gibt es weltweit genug und immer mehr. Es sind Unterdrückung und Ausbeutung, Klimaerwärmung und Überflutungen, Naturkatastrophen, Bevölkerungsexplosion und Rückgang der Ressourcen, es sind Armut, Seuchen und Krieg. Und alles davon ist im besten Steigflug begriffen. Viele Politiker, Journalisten und Bürger flüchten sich in die Vorstellung, dass das alles einfach aus zu sitzen wäre. So wie auch vor 50 Jahren. Hatten wir nicht den Vietnamkrieg da, oder den Bürgerkrieg und die Hungersnot in Biafra? Nun gut, es gab einige Tote zu beklagen, aber nach einiger Zeit hat sich alles gelegt und quasi in Luft aufgelöst, zumindest für uns hier. Unseren Wohlstand und den weiteren Aufstieg hat es jedenfalls nicht nennenswert behindert und heute redet auch keiner mehr über diese Themen. Warum also sollte dies jetzt anders sein?

Nun, es liegt daran, dass heute der Hintergrund ein völlig anderer ist. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich die Zahl der Menschen von gut 2 auf mehr als 7 Milliarden Menschen mehr als verdreifacht. Eine Finanzkatastrophe wie heute war damals auch noch weit entfernt. Die westlichen Ökonomien, allen voran Deutschlands nach der entscheidenden Währungsreform, waren noch knackig gesund. Alles außer Aufstieg war undenkbar, Ausbeutung durch internationale Schuldverzinsung noch, oder besser wieder, ein weitgehend unbekanntes Thema. Ressourcen waren ebenfalls in Hülle und Fülle vorhanden und Wachstum behindernder Umweltschutz war höchstens etwas für verklemmte Wissenschaftler in ihren Elfenbeintürmen. Medizinische Versorgung und Lebenserwartung jagten von Rekord zu Rekord. Erst Anfangs der siebziger Jahre rechneten einige Spielverderber des neu gegründeten Club of Rome vor, dass dieses Spiel spätestens Mitte des 21 Jhd. an seine systemischen Grenzen stoßen würde. Glauben wollte es kaum Einer, und auch heute noch wird der Umstand, sowie auch die sogar stärker als erwartet rollende Klimakatastrophe, von mächtigen Interessenverbänden geleugnet.

Tatsächlich aber merken wir jetzt die ersten Anzeichen der kommenden Apokalypse. In Afrika etwa wurde nach einer Umfrage ermittelt, dass zweidrittel der Bürger sich lieber heute als morgen nach Europa begeben würden, wenn sie es sich denn nur leisten könnten. Nun, dass sind also aktuell bereits rund 700 Millionen Menschen die so denken. Und wie kein anderer Kontinent wächst Afrika rasant, von zur Zeit etwas über ein Milliarde wird sich die Bevölkerung bis 2050 mindestens verdoppeln, vielleicht sogar verdreifachen, je nach Hochrechnung und Modellannahmen über Verhütung einerseits und Sterberaten andererseits. Angesichts der Tatsache dass die Ausbeutung in Afrika weiterhin nicht nachlässt, und auch an einer humanitäre Änderung der Zustände nicht realistisch zu denken ist, werden wir bis dann also auf bis zu 2 Milliarden potentielle Auswanderer Richtung EU zählen dürfen. Allerdings nur, falls Ausbeutung, Kriege und Seuchen in Afrika nicht noch weiter zunehmen.

Tatsächlich quellen bereits dieses Jahr sämtliche Flüchtlingsheime in Deutschland und der EU über, die für die Unterbringung verantwortlichen Städte kommen aus dem Stöhnen gar nicht mehr heraus. Dabei haben wir dieses Jahr nur 250.000 Flüchtlinge aufgenommen, die meisten zudem aus dem vergleichsweise dünn besiedelten Osten und weniger aus Afrika. Immerhin ist auch diese Zahl schon eine mittlere neue Großstadt in der BRD, aber es ist nur ein Vorgeschmack auf das, was da noch im nächsten und übernächsten Jahr heran schwappt. Schon in 2015 wird diese traurige Zahl locker die Millionengrenze reißen. 

Und irgendeine eine Grenze nach oben hin ist definitiv nicht zu sehen. 

Das ist auch der Grund dafür, dass sich seit der Lampedusa-Katastrophe vor einem Jahr nichts wesentliches an der Flüchtlingspolitik geändert hat. Auch dieses Jahr sind wieder Tausende im Mittelmeer ertrunken und täglich werden es mehr. Die Haie kommen mit dem Fressen kaum noch nach, und an manchem Touristenstrand muss morgens schon mal das Umsatz schädigende menschliche Schwemmgut weg geschafft werden. So fordern einige blau- oder grünäugige Verbände zuweilen bereits die Öffnung der EU-Grenzen für Afrikaflüchtlinge um den Massentod im Mare Nostrum zu beenden. Gebracht haben diese Forderungen bislang wenig. Aus gutem Grunde. Denn alleine die Andeutung einer Öffnung würde den Flüchtlingsstrom in kürzester Zeit verzehn- und verhundertfachen. Und selbst die Aufnahme dieser Massen würde den dahinter stehenden Auswanderungsdruck kein bisschen schwächen, denn die afrikanische Bevölkerungsexplosion die dort jährlich, je nach Schätzung, zwischen 25 und über 50 Millionen Netto-Neubürger erschafft fängt das mehr als locker auf.

So werden nun schon alte Gewebegebiete freigemacht um die Menge der Flüchtlinge noch irgendwo, außer in hässlichen und weithin auffälligen Zeltstädten, unterbringen zu können. Was nun, wenn im nächsten Jahr in den dann schon nicht mehr kontrollierbaren Ghettos ein Ebola-Fall eingeschleppt wird? Undenkbar? Puh, von wegen, es ist praktisch so sicher wie das Amen in der Kirche. Und was machen Sie dann? So viele Quarantänebetten wie sie dann bräuchten, gibt es in ganz Deutschland nicht. Das Ghetto also komplett absperren? Auch keine wirklich gute Idee, denn die Insassen werden dann zu recht Angst um ihr Leben haben und sich das spätestens nach dem zweiten Toten die Einsperrung nicht mehr gefallen lassen. Der ganze Laden fliegt dann auseinander und die Katastrophe ist danach auch nicht mehr unter Kontrolle zu bringen.

Seuchen wie Ebola, aber auch Aids-HIV, SARS oder auch die gute alte Pest des Mittelalters, es sind alle sogenannte Zoonosen. Sie kommen gehäuft dann vor, wenn Menschen eng miteinander und gleichzeitig auch eng mit Tieren zur Lebensmittelversorgung zusammen leben müssen. Tierviren, für die der menschliche Körper kaum immunisiert ist, springen dann leicht und verheerend über und werden auch sofort weiter gereicht. Armut, Dreck und mangelnde Versorgung potenziert das Ganze natürlich noch weiter, und trifft zusätzlich nun noch auf eine Situation, wo nach knapp 80 Jahren der Antibiotikagaben viele Keime längst immun geworden sind und kaum noch eines dieser lebensverlängernden Wundermittel wirksam ist. Es ist daher absehbar, dass irgendwann sich selbst die gute alte Pest noch einmal durchsetzen kann, ganz zu schweigen von den viel schwieriger zu bekämpfenden Seuchen wie Ebola und der Marburgvirus.

Was also tun sprach Zeus? 

Viele real umsetzbare Möglichkeiten gibt es nicht. Die Situation wird in den kommenden Jahren immer enger und dramatischer, unabdingbar. Und sie wird auch lieb Vaterland mehr und mehr erreichen. Aber nichts ist schlimmer in diesem Zusammenhang als Ausbeutung der Massen, sowohl was Seuchen, was Kriege, was Flüchtlingsdruck angeht. Das trifft auf sämtliche Zeiten und Regionen zu, ob Ukraine oder Nahost bis Fernost, ob Französische Revolution, US-Bürgerkrieg oder den Arabischen Frühling und seine Folgen.

Enthauptung einer Frau durch IS in Kobane; Bild verpixelt; ->Quelle
Und nichts lässt den Zustrom militanter Kämpfer, sei es für den IS oder sonstiger Warlord-Organisationen schneller Anschwellen, als die wirtschaftlich faktische Aussichtslosigkeit einer jungen heranwachsenden Generation. Wer den Krieg, nicht nur den in Nahost und Afrika, gewinnen will, der muss sehr schnell und effektiv etwas an diesen Zuständen ändern. Der reiche Westen, sprich die lieben Investoren und sein aktuelles Finanzsystem, sind dazu aber weder in der Lage noch überhaupt gewillt. Selbst der grausame IS kann das deswegen vor Ort wesentlich besser, indem er die Masse der islamistisch Willigen mit Arbeit und Einkommen versorgt und dabei auf ausländische Finanzinteressen, Staatsschulden und Renditen gepflegt „was scheißt“. Deswegen wird der Zulauf zu diesen Mörderbanden, der ja auch aus dem westlichen, und mit faktischer Schuldknechtschaft gebeutelten, Jugendproletariat genährt wird, kein bisschen abreißen.

Schon gar nicht, wenn man jetzt aus kurzsichtigen strategischen Überlegungen Kobane fallen lässt, und damit dem IS die Visitenkarte des unaufhaltsamen Erfolges aushändigt.



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